Mobile Computing:
Gartner: Die zehn wichtigsten Mobilfunktechnologien 2011

von Bernd Reder (bernd.reder@networkcomputing.de)

25.03.2010

Nach einem verhaltenen Jahr 2009 ist die Mobilfunk-Branche wieder auf Kurs. Dazu tragen neue Technologie wie Breitband-Mobilfunk und die Maschine-zu-Maschine-Kommunikation bei. Hier die zehn wichtigsten Entwicklungen bei Mobile Computing 2010 und 2011.

(Fortsetzung des Artikels von Seite 1)

Der Trend geht eindeutig in Richtung mobile Kommunikation. Das gilt nicht nur für Privatleute, die verstärkt vom Smartphone aus ins Internet gehen oder Musik und Videos herunterladen. Auch die Kommunikation zwischen Unternehmen oder Behörden und ihren Mitarbeitern läuft zunehmend über Mobilfunk oder Wireless LANs in Hotspots.

Gartner [1] hat zehn Mobiltechnologien identifiziert, die das laufende und das nächste Jahr prägen werden.

Bluetooth-Versionen 3 und 4

Im nächsten Jahr wird die Bluetooth-Version 3 herauskommen. Sie nutzt den WLAN-Standard IEEE 802.11 als Basistechnologie. Mit Version 4 LE (Low Energy) folgt dann ein Energiesparmodus. Er soll eines der Hauptprobleme der Kurzstreckenfunktechnik beseitigen: den relativ hohen Stromverbrauch.

Laut Gartner wird Bluetooth 3 dort zum Zuge kommen, wo hohe Bandbreiten erforderlich sind, etwa zum Herunterladen von Videos oder Bilder auf Mobiltelefone.

Die LE-Version kann dagegen bei Sensoren Verwendung finden, die in der Industrie, dem Gesundheitswesen oder der Umwelttechnik eingesetzt werden.

Auch neue Sicherheitsfunktionen sind denkbar, etwa ein automatisches Sperren von Rechnern, sobald sich der Nutzer von ihnen entfernt.

Mobiles Web

Im kommenden Jahr werden rund 85 Prozent aller Mobiltelefone einen Browser haben. Dies wird es den Nutzern einfacher machen, vom Handy oder Smartphone aus Web-Seiten aufzurufen. Verstärkt wird dieser Trend dadurch, dass die Anbieter von Internet-Sites und entsprechenden Services die Seiten entsprechend anpassen.

An die 85 Prozent aller Mobilgeräte verfügen über einen Browser, wie etwa Opera.

Gartner erwartet, dass das mobile Web eine führende Rolle bei der Kommunikation zwischen Anbietern von Waren und Dienstleistungen und ihren Kunden spielen wird. Firmen müssen sich auf diese Entwicklung einstellen und ihre Vertriebs- und Marketingaktivitäten daran anpassen.

Mobile Widgets

Obwohl es für Widgets keinen Standard gibt, sind sie weiterhin auf dem Vormarsch. Das gilt speziell für solche, die den Zugang zu Echtzeitanwendungen ermöglichen, wie E-Mail, Blogs, Börsendaten, Wetterberichten oder Verkehrsinformationen.

Widgets wie dieses von HTC ermöglichen den schnellen Zugriff auf Anwendungen.

Mithilfe von Widgets können Anbieter solcher Services ihre Anwendungen potenziellen Nutzern schmackhaft machen.

Plattformunabhängige Entwicklungs-Tools

Für Entwickler mobiler Anwendungen ist die Vielfalt bei Betriebssystemen und Entwicklungsplattformen ein Albtraum. Gefordert sind Tools, die es ermöglichen, unabhängig von einer bestimmten Plattform Applikationen zu kreieren. Dies ist wichtig, um die Kosten zu senken und Anwendungen möglichst vielen Gerätefamilien zur Verfügung zu stellen.

App-Stores

Apple hat es mit seinem App Store vorgemacht; mittlerweile sind fast alle großen Anbieter von Mobilgeräten auf diesen Zug aufgesprungen.

Am Vorbild von Apples App Store orientieren sich andere Anbieter, etwa Nokia mit Ovi.

Gartner geht davon aus, dass Online-Stores der wichtigste Weg sind und bleiben werden, was das Verteilen von Anwendungen für mobile Geräte betrifft. Dies gilt sowohl für den Business-to-Consumer-Bereich (B2C) als auch für die B2B-Ebene (Business to Business).

Ortsbezogene Angebote

Ende 2011 sind 75 Prozent der Mobilgeräte, die in Märkten wie Europa, Asien und Nordamerika verkauft werden, mit einem GPS-Modul ausgerüstet. Damit gewinnen ortsbezogene Dienste an Bedeutung.

Darüber lassen sich Nutzer gewissermaßen mit maßgeschneiderten Informationen versorgen, nicht nur »Klassikern« wie Daten über das Wetter vor Ort oder die nächstgelegenen Restaurants.

Auch Freunde oder Bekannte, die sich in der Nähe aufhalten, lassen sich mithilfe entsprechender Dienste aufspüren. Das allerdings bringt das Thema »Schutz der Privatsphäre« aufs Tapet. Anbieter von Location-based Services müssen dieses ernst nehmen und Bedenken von – potenziellen – Nutzern Rechnung tragen.

Mobile Breitbanddienste

Datenverbindungen mit mehreren MBit/s sind auch im Mobilfunk keine Hexerei mehr. Alle führenden Serviceprovider erweitern derzeit ihre Netze entsprechend, Stichwort HSPA (High-Speed Packet Access). Datenraten von 14,4 MBit/s sind bereits machbar; mit HSPA+ sollen beim Herunterladen sogar bis zu 84 MBit/s möglich sein.

Einen weiteren Schub wird Long Term Evolution (LTE) bringen, das mehr als 100 MBit/s zur Verfügung stellt. Allerdings wird diese Technik erst ab 2012 implementiert.

Breitbandienste wie HSPA und LTE revolutionieren den Mobilfunk. (Bild: NEC)

Mobile Breitbandzugänge machen in vielen Bereich Festnetzverbindungen obsolet. Firmen-Notebooks, Netbooks und Mobiltelefone von Geschäftskunden werden künftig standardmäßig mit entsprechenden Chips ausgestattet sein. Damit steht der Nutzung von bandbreitenhungrigen Anwendungen wie CRM, ERP oder Echtzeitapplikationen von unterwegs aus nichts mehr im Wege.

Geräte mit Touchscreen

Auch bei der Benutzerschnittstelle hat Apple mit dem iPhone Maßstäbe gesetzt. Im kommenden Jahr sind laut Gartner 60 Prozent der mobilen Geräte in Europa und Nordamerika mit einem Touchscreen ausgerüstet.

Mit dem iPhone und dessen Touchscreen hat Apple einen Trend begründet.

Das heißt für die Anwendungsentwickler, dass sie Applikationen an diese Technik anpassen müssen, etwa indem sie Multitouch-Interfaces berücksichtigen und auf die spezielle Haptik von berührungsempfindlichen Displays Rücksicht nehmen.

Maschine-zu-Maschine-Kommunikation

Bislang führte der Bereich M2M, also die Kommunikation zwischen Maschinen und Geräten via Mobilfunk ein Schattendasein. Das wird sich laut Gartner in den kommenden Monaten ändern. Die Beratungsfirma erwartet bei M2M ein Umsatzwachstum von 30 Prozent pro Jahr.

Schlüsselanwendungen sind das Ablesen von Zählerständen, etwa bei Strom und Gas, die Überwachung von Geräten, Verkaufsautomaten und das Ermitteln des Standortes von Waren und Maschinen.

Sicherheitsfunktionen

Last but not least ein extrem wichtiges Thema: die Sicherheit von mobilen Geräten und Anwendungen. Denn der Boom im Bereich Mobile Computing ruft verstärkt Cyberkriminelle auf den Plan.

Sicherheitstools wie etwa Kaspersky Mobile Security 9, sollten laut Gartner plattformübergreifend einsetzbar sein.

Gartner sieht einen Schwachpunkt vorhandener Konzepte darin, dass viele zu stark an bestimmte Hard- und Software gebunden sind. Daher die Forderung nach plattformunabhängigen Sicherheitslösungen.

Ein weiterer Kritikpunkt: Viele Sicherheitsprodukte erfordern die Installation eines Clients auf dem Endgerät. Das erhöht den Managementaufwand und die Fehleranfälligkeit.

Laut Gartner könnten Thin-Client-Architekturen und Desktop-Virtualisierung das Sicherheitsniveau erhöhen. Das gilt vor allem für B2B-Lösungen. Der Anwender greift in diesem Fall über das Mobilfunknetz auf »seine« Daten zu, die jedoch auf Servern im Unternehmensnetz liegen.

Weitere Trends bei Mobile Security: Cloud-gestützte Sicherheitsfunktionen und gehostete Security-Dienste, auf die mobile Geräte via Internet zugreifen.

[1] http://www.gartner.com/

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