Transformation der IT:
Anforderungen an IT-Architekturen der Zukunft

von Lars Bube (lars.bube@crn.de)

18.03.2010

In einer aktuellen Diskussionsrunde über die Transformation der IT waren sich Experten von Unternehmen wie SAP, Layer 7 Technologies und iTKO und Anwender einig: zukunftssichere IT-Architekturen müssen trendunabhängig konzipiert werden und eine Standardisierung und Wiederverwendbarkeit von Software-Komponenten ermöglichen.

(Fortsetzung des Artikels von Seite 1)

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Cloud Computing wird die Transformation der IT weiter vorantreiben. (Bild: Michael Kempf, Fotolia.com)

Die IT befindet sich derzeit im größten Wandel seit ihrer Einführung, einige Analysten sprechen gar von der beginnenden »Industrialisierung der IT«. Während es anfangs hauptsächlich galt, Unternehmen in ihren Prozessen zu unterstützen, und technische Details sowie Kosten lediglich eine untergeordnete Rolle spielten, ist die Informationstechnologie inzwischen eine tragende Komponente der meisten Unternehmen und wird entsprechend professionell geplant und geführt. IT- und Business-Projekte müssen wachsen damit immer enger zusammen, ihre enge Verzahnung ist Voraussetzung für langfristigen Erfolg und Effizienz.

Was die Veränderungen durch neue Technologien wie Virtualisierung und Cloud Computing, sowie neue nachhaltige betriebswirtschaftliche Betrachtungsweisen für die IT-Architektur der Zukunft bedeuten, darüber hat sich eine Expertenrunde auf dem 3. Softcon [1]-Forum in München-Pullach Gedanken gemacht. Neben Unternehmensvertretern von Branchengrößen wie SAP [2], Layer 7 Technologies [3] und iTKO [4], waren dabei auch die Anwender gefragt.

Das klare Fazit der Runde: zukunftssichere IT-Architekturen müssen trendunabhängig konzipiert werden und eine Standardisierung und Wiederverwendbarkeit von Software-Komponenten ermöglichen. Nur so kann sichergestellt werden, dass trotz des immer schnelleren Wandels die maximale Flexibilität erhalten bleibt. Eines der hoffnungsvollsten Themen ist hier das Cloud Computing, das allerdings auch noch erheblich reifen muss, bis Unternehmen das volle Potential ausschöpfen können. »Beim Thema Cloud befinden wir uns allerdings noch in einem frühen Entwicklungsstadium. Es gibt einige alte Konzepte, einige neue – was aber fehlt sind Interoperabilitäts-Standards«, führt etwa Chris Howard, Chief of Research der Burton Group [5], an.

Nicht jedem Trend kopflos folgen

Doch auch wenn die neuen Technologien viele Chancen bieten, sollte die IT nicht gleich jedem Trend kopflos hinterher rennen. Sonst entstehen schnell gefährliche Abhängigkeiten, die die Bewegungsfreiheit einschränken. »IT-Architekturen sollten elegant und zeitlos sein und unabhängig von Hypes und Clouds bestehen können«, forderte dementsprechend Michel Dorochevsky, CTO der Softcon AG. Gemeinsam mit Dr. Heiko Rölke vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF [6]) präsentierte er einen entsprechenden Lösungsvorschlag.

Diese vorgeschlagene Komponentenarchitektur einer neuen Generation ermöglicht sowohl eine Standardisierung als auch eine Wiederverwendung von Software-Komponenten. Erste Bewährungsproben konnte diese neue, auf Open Source-Produkten basiernde, Architektur in mehreren internationalen Projekten, insbesondere im Bildungsbereich (z.B. bei der PISA-Studie, bereits erfolgreich meistern. Als praktisches Beispiel wurde die Entwicklung eines Autorensystems vorgestellt, mit dem Pädagogen die Lesekompetenz Jugendlicher für digitale Texte testen und auswerten können.

Solche Modellgetriebenen Architekturen eigenen sich neben dem Bildungssektor jedoch ebenso für die Entwicklung individueller Business-Lösungen. Indem die Software teilweise oder auch vollständig aus Modellen generiert wird, kann eine qualitativ hochwertige Software effizient entwickelt werden. Gleichzeitig lässt sich die so entwickelte Software leichter an die dem stetigen Wandel unterworfenen Zielplattformen anpassen und ohne großen Zusatzaufwand in verschiedene IT-Architekturen integrieren.

Entwicklungszyklen verkürzen

Tools wie LISA helfen, die Entwicklungszyklen zu verknappen. (Bild: Softcon)

Dieser Ansatz neuer Architekturen mit zeitloser Software überzeugt auch Markus Ehrle, Vice President Platform Business Development bei SAP: »Unternehmen brauchen heute zukunftsorientierte Software-Plattformen, die flexibel und effizient erweitert werden können und die Umsetzung von Innovationen ermöglichen.«. Ehrle sieht sein Haus mit der NetWeaver Plattform bereits gut aufgestellt, um auch künftig die erforderlichen Komponenten und Werkzeuge für Business Process Management oder Daten- und Prozessintegration bereitzustellen und kundenspezifische Anwendungen über innovative Partnerlösungen zu realisieren.

Einer der wichtigsten Schritte in Richtung einer flexibleren IT-Lanschaft ist es, die Entwicklungszyklen in Unternehmen mit hochkomplexen Umgebungen zu reduzieren. Um dieses Ziel zu erreichen, benötigen die Entwicklerteams leistungsstarke Tools, die sie bei ihrer Arbeit effizient unterstützen. Beispielsweise können ihnen dabei Test-, Validierungs- und Virtualisierungslösungen helfen, hochkomplexe Umgebungen mit voneinander abhängigen Geschäftsanwendungen im Griff zu behalten. Als weltweit agierender Konzern im Energie- und Transportbereich setzt Alstom auf »LISA« des US-amerikanischen Anbieters iTKO, das es ihm ermöglicht, automatisierte Testlösungen abzubilden.

Ein weiteres häufiges Problem durch die aktuellen Entwicklungen, gerade im Umfeld des Web 2.0, sind Interoperabilitätsprobleme beim Einsatz von Web Services im Umfeld von Java-, .NET und SAP-Applikationen. Hier kommt es oft vor, dass die Architektur von der schwächsten eingesetzten Plattform bestimmt wird. Somit sehen sich viele Unternehmen gezwungen, sich bei Web Service- und Security-Standards auf einen kleinsten gemeinsamen Nenner zu beschränken. Um solche gefährlichen wie ineffizienten Selbstbeschränkungen zu überwinden, bieten Spezialisten hilfreiche Werkzeuge an. So hat etwa AXA Tech [7] Schweiz eine dedizierte Hardware-Appliance entwickelt, die einen sogenannten »SOA Mediator« einsetzt und auf Basis des SecureSpan XML Networking Gateways von Layer 7 Web Service Consumer und Web Service Provider entkoppelt.

[1] http://www.softcon.de/
[2] http://www.sap.com/germany/index.epx
[3] http://www.layer7tech.com/
[4] http://www.itko.com/
[5] http://www.burtongroup.com/
[6] http://www.dipf.de/
[7] http://www.axa.com/en/

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