Aufruf zur Betriebsratswahl:
PC-Ware: Mitarbeiter wehren sich

von Nadine Kasszian (nadine.kasszian@crn.de)

18.03.2010

In einem Brief ruft ein PC-Ware-Mitarbeiters die Belegschaft des Systemhause zur Wahl eines Betriebsrates auf. Aus dem Schreiben geht hervor, wie stark sich der Wind seit der Übernahme durch Raiffeisen Informatik gedreht hat. Nach der ersten Entlassungswelle fürchten die Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze und die Zukunft von PC-Ware.

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Der neue PC-Ware-Chef Klaus Elsbacher spricht im CRN-TV-Interview über die Neusausrichtung des Systemhauses

Wie aus einem Brief eines PC-Ware-Mitarbeiters, der CRN zugespielt wurde, an seine Kollegen hervorgeht, ist die PC-Ware [1] Belegschaft nach der Übernahme durch Raiffeisen IT [2]schwer verunsichert und will sich jetzt gegen die neuen Eigentümer zur Wehr setzen. Der Mitarbeiter ruft in dem Schreiben zur Wahl eines Betriebsrates auf und enthüllt gleichzeitig Vorgänge in dem Unternehmen, die der Öffentlichkeit bisher verborgen geblieben sind. »Unter den Mitarbeitern herrscht Angst um den Arbeitsplatz bis hin zu Skepsis, ob PC-Ware als Ganzes bestehen bleibt«, schreibt der Mitarbeiter an seine Kollegen.

Seitdem PC-Ware vom österreichischen Outsourcing-Spezialisten Raiffeisen IT geschluckt wurde, hat sich in dem ehemaligen Familienunternehmen eine Kehrtwende vollzogen. Gründer Knut Löschke hat das Unternehmen verlassen und sowohl Vorstand als auch Aufsichtsrat wurden größtenteils ausgetauscht. Vor kurzem hat Löschke sogar die restlichen Aktien (rund 16 Prozent), die er immer noch an PC-Ware gehalten hat, an die neuen Eigentümer verkauft. Vorstandsvorsitzender ist jetzt Klaus Elsbacher, der von der österreichischen Comparex kommt.

Löschke war für seinen väterlichen Führungsstil bekannt. Jetzt beklagt der PC-Ware-Mitarbeiter in seinem Rundschreiben, dass die Angestellten nicht mehr wissen, was der Vorstand denkt, welche Visionen, Ziele oder Strategien er verfolgt. Knut Löschke war bei seinen Mitarbeitern dagegen beliebt – zum einen wegen seiner Visionen, zum anderen weil ihm am Wohl seiner Angestellten gelegen war. »Er hat uns zu Höchstleistungen angetrieben«, schreibt der Verfasser des Briefes. »Jetzt fehlt uns unsere Energiequelle«.

Angst vor weiteren Entlassungen

Besonders wird zudem die Entlassung von PC-Ware-Urgestein Markus Kirchner, der das Lizenzgeschäft des Systemhauses maßgeblich mitgestaltet hat, und Stefan Opitz beklagt. Opitz hat als Leiter Human Resources ebenfalls die familiäre Unternehmenskultur im Sinne von Knut Löschke gepflegt, in der Wert auf Leistung gelegt wurde, aber gleichzeitig auch auf die Weiterbildung und Förderung der Mitarbeiter. Dieses »Einbezogensein« in die strategische Ausrichtung von PC-Ware fehlt den Mitarbeitern jetzt, der neuen Führungsspitze misstrauen sie. »Bei Vielen herrscht Skepsis bis hin zu Vertrauensverlust«, heißt es in dem Schreiben. Nach einem kostenaufwändigen Umbau säße die Führungsebene nun in einem »Elfenbeinturm«.

In der ersten Entlassungswelle hat PC-Ware sich bereits von 180 Mitarbeitern getrennt und den Unternehmensbereich Hardware geschlossen. Aussagen von Elsbacher wie im CRN TV-Interview auf der CeBIT, die Mitarbeiter würden weiter auf Performance geprüft, helfen nicht, um das Verhältnis zwischen Vorstand und Mitarbeitern zu verbessern. Denn obwohl die Umsätze des Lizenz-Spezialisten zurückgegangen sind, konnte PC-Ware durch die Sparmaßnahmen und Entlassungen das Ergebnis verbessern. Im dritten Quartal 2009/2010 blieb PC-Ware ein Nettoergebnis von 20,7 Mllionen Euro, was einer Steigerung um das Fünffache gegenüber den 4,1 Millionen Euro aus Vorjahreszeitraum entspricht. Trotzdem will Elsbacher das Systemhaus noch profitabler aufstellen. Die Mitarbeiter fürchten nun eine zweite Entlassungswelle, der sie nicht hilflos gegenüber stehen wollen. Deshalb der Aufruf zur Wahl eines Betriebsrates.

[1] http://www.pc-ware.de/
[2] http://www.raiffeiseninformatik.at/

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