Ein Server für E-Mail, Fax und Sprache:
Im Test: Der Unified-Messaging-Server »David FX« von Tobit
Die Unified-Messaging-Lösung »David FX« von Tobit empfängt E-Mails, Faxe, Sprachmitteilungen und wenn's sein muss auch Fernsehen. Alle Daten landen im E-Mail-Postfach des Benutzers. Network Computing hat David FX in einer Konfiguration getestet, die für ein kleineres Unternehmen ausreicht.
(Fortsetzung des Artikels von Seite 3)
Das unumstritten populärste Kommunikationsmedium ist und bleibt die E-Mail. Doch parallel dazu erreichen die Anwender auch Informationen per Fax oder natürlich per Telefon.
Viele Unternehmen verwalten diese Informationen getrennt voneinander und teilweise nicht einmal computerbasiert. Anders geht das bei der Unified-Communication-Software David FX von Tobit [1]. Der zentrale Server wickelt hier nicht nur den Mail-Verkehr ab.
Alleskönner in Sachen Kommunikation: die Messaging-Server-Software David FX von Tobit.
Angebunden an das ISDN- und/oder GSM-Netzwerk vermittelt das System Faxe, Sprachnachrichten und Kurzmitteilungen. Der Anwender kann komfortabel aus einem einzigen Client heraus alle Informationen einsehen und auch Nachrichten und Dokumente über verschiedene Kommunikationskanäle versenden.
Schaltzentrale
Der Kern von Tobits Kommunikationsarchitektur ist der David-FX-Server. Dieser arbeitet auf einer Maschine mit den Windows-Versionen XP, Vista, 2003, 2003R2 oder 2008. Kleinere Unternehmen kommen so ohne eine teure Windows-Serverlizenz aus.
Welche Systemversion der Anwender vorzieht hängt in erster Linie von der Treiberunterstützung für die verwendete Kommunikationshardware ab. David macht sehr starken Gebrauch der Windows-Nutzerrechte und benötigt zu jedem David-User-Account einen passenden Windows-Benutzer.
Es empfiehlt sich daher, die Software in einer Umgebung mit ADS einzusetzen und den David-Server als Member in das Directory aufzunehmen.
SQL-Datenbank mit an Bord
Bei früheren David-Versionen kommunizierten Client und Server ausschließlich über Dateien auf per SMB/CIFS freigegebenen Laufwerken. Die FX-Variante setzt neuerdings ein eigenes TCP-Kommunikationsprotokoll auf Port 267 ein, macht aber dennoch starken Gebrauch von Windows-Freigaben.
Zudem installiert David eine SQL-2005-Express-Instanz. Derzeit kommt diese SQL-Datenbank aber nicht zum Einsatz. Künftige Programmversionen sollen laut Hersteller mehr und mehr Informationen aus dem Dateisystem herauslösen und direkt in SQL-Tabellen sichern.
Die Testumgebung
Im Test bei Network Computing setzt die Labor-Crew einen Pentium-4-PC mit einer 3-GHz-CPU, 3 GByte RAM und eine 160-GByte-Platte ein. Diese Konstellation genügt für ein kleines Unternehmen mit ein paar Dutzend Arbeitsplätzen.
Für die Kommunikationsanbindung sorgt eine AVM-Fritzcard-PCI. Dieser passive ISDN-Adapter reicht aus, um Faxe, Sprachnachrichten und SMS zu verwalten. Der S0-Anlagenanschluss des Labors nutzt zwei B-Kanäle und stellt neun Durchwahlen bereit. Anstelle oder zusätzlich zu einer ISDN-Karte könnte David auch ein Fax-und/oder GSM-Modem betreiben.
Die Grundinstallation des David-Servers modifiziert einige Rechte und Policies des Rechners und richtet dann die benötigten Komponenten ein. Zu diesem Zeitpunkt sollten bereits die nötigen Kommunikationstreiber wie die CAPI-Schnittstelle installiert und aktiv sein.
Wer den David außerdem zur Überwachung von IP-Kameras einsetzen möchte, sollte zuvor den Windows-Media-Encoder 9 einrichten. Das Programm konfiguriert die benötigten Serverdienste, installiert den Client und gibt ein »David«-Verzeichnis via SMB/CIFS frei.
Wizard hilft bei Konfiguration
Ein Wizard führt durch die Grundkonfiguration der Kommunikationskanäle, in diesem Fall der AVM-ISDN-Karte. Im Test kommt der Adapter für Voice, Fax und SMS zum Einsatz. Das eigentliche Programm-Setup übernimmt das Tool David-Administrator, welches der Verwalter später auch von seinem Client-PC aus verwenden kann.
Prinzipiell lassen sich alle Dienste und Funktionen des David-Servers von hier aus konfigurieren. Etliche Optionen nimmt ein Anwender mit Administrator-Rechten jedoch in seinem Client und nicht im Admin-Tool vor, das sorgt hier und da für etwas Verwirrung.
Verwaltung mit Tücken
Auch das Benutzer-Setup erklärt sich nicht von alleine. Erzeugt der Verwalter beispielsweise einen Account, ohne diesen mit einem bestehenden Windows-Nutzer zu verknüpfen, passiert einfach nichts: Es kommt keine Fehlermeldung und kein User-Account entsteht. David ignoriert die Eingabe schlicht und ergreifend.
Korrekt angelegte Accounts sorgen später dafür, dass sich David-Anwender nicht getrennt vom Windows-Login am David-Server einloggen müssen. Hier genügt der Windows-Login.
David FX zeichnet auch Sprachnachrichten auf und liest vor.
Die weiteren Optionen im Konfigurationsbaum des Admin-Tools erklären sich von alleine. Der eigentliche Mailserver ermöglicht es, Nachrichten von einem Provider-Server über POP, Multi-POP oder ETRN abzurufen. Die Grabbing-Dienste können zudem RSS-Feeds einsammeln.
Konfigurationen mit statischen Internet-IP-Adressen erhalten Nachrichten über SMTP.
Anbindung von E-Mail-Clients
Das Modul Mail-Access-Server erlaubt Tobit-fremden Clients wie Apple-Mail oder Thunderbird, via IMAP/POP3 und SMTP auf den David-Server zuzugreifen. Die Fremd-Clients bekommen dabei jedoch nicht Zugriff auf alle David-Dienste und Informationen, weil den Clients die Integration in das Dateisystems des Servers fehlt.
Zudem gibt es einen kleinen Web-Server. Der genügt für den Web-Mail-Access und einfach gestrickte Web-Sites. Zudem offeriert David die Option »Postlagernd« für Nachrichten mit großen Attachments. Dabei versendet der Server lediglich einen Link für den Anhang und packt das Attachment kurzerhand auf den Web-Server.
Diese praktische Funktion erlaubt es, große Dateien zu versenden, ohne dabei die Grenzwerte anderer Mail-Systeme für Anhänge oder das Fassungsvermögen der Ziel-Postfächer zu überschreiten. Außerdem stellt die Postlagerung dem Empfänger frei, ob er das Attachment möchte oder nicht.
Das Feature fordert jedoch, dass der Web-Server aus dem Internet heraus ansprechbar ist.
ISDN-Dienste
Parallel zu den klassischen Maildiensten betreibt David-FX ein ausgeklügeltes ISDN-Gateway. Einzelnen Anwendern lassen sich Rufnummern und Dienste zuweisen.
Faxe, SMS oder Sprachanrufe an die entsprechende Nummer landen parallel zu den E-Mails in der In-Box des jeweiligen Anwenders. Zudem verfügt David über ein äußerst komplexes Call-Routing-System. Der Anwender kann ausführliche Skripte generieren, die einen Anrufer durch ein Menü führen.
Treffen Informationen über eine Durchwahl ein, welche nicht direkt einem Anwender zugeordnet wurde, legt David das entsprechende Fax oder die Sprachnachricht in einen Ordner namens »Unverteilt«, auf den alle Nutzer Zugriff haben.
Vorsicht beim Aufzeichnen von Videos
Als weiteres Zusatzfeature kann David eine oder mehrere IP-Kameras im LAN überwachen. Die abgerufenen Bilder fügt der David-Server zu einem Film zusammen. Dabei setzt die Software ein eigens JPEG-Movie-Format ein, welches im Grunde genommen die einzelnen Bilder aneinanderreiht.
David FX bietet speziell für kleine und mittelständische Firmen eine Alternative zu teureren Unified-Communications-Lösungen, etwa von Microsoft.
Der Server verfügt über eine Bewegungserkennung und schreibt Tag-Marken in den Film. Noch fehlt es jedoch an einer Aktionssteuerung, die nur bei Bewegungen überhaupt aufzeichnet und auf Grund der Bewegungserkennung Mails versendet.
Die Kamera-Funktion sollte man mit Bedacht nutzen, denn damit kann der Administrator binnen kurzer Zeit die Server-Festplatte zum Überlaufen bringen.
Parallel dazu könnte der David-Server über einen unterstützen DVB-Adapter Fernsehprogramme empfangen, aufzeichnen und den Anwendern über das LAN zugänglich machen.
Faksimiles über Druckfunktion versenden
Der David-Client integriert alle Funktionen der Software für den Anwender. Der Client benötigt eine IP- und SMB-Verbindung zum Server und richtet zudem einen SQL-2005-Express-Server auf dem Client ein.
Um offline arbeiten zu können, muss der Anwender eine Mobile-Komponente installieren. Dann lassen sich Teile der Informationen vom Server auf den Client replizieren. Das Client-Setup richtet auf dem Zielsystem einen Fax- und einen Image-Druckertreiber ein.
Somit lassen sich Faxe direkt über die Druckfunktion einer Anwendung auf den Weg bringen. Der Image-Druckertreiber verschickt die Druckausgabe einer beliebigen Applikation als Mail.
Der Client integriert außerdem einen Update-Dienst. Bei jedem Start prüft David, ob auf dem Server eine aktualisierte Version liegt und installiert diese gegebenenfalls.
Optik: »Poliertes Blech«
Nach der Client-Installation fällt sofort die eigenwillige Optik auf. Tobit ignoriert die Fenster-Schemen von Windows und setzt ein eigenes Design mit breiten Rändern und silbergrauen Farben ein. Das war zu Zeiten von Windows-2000 und -XP ja noch ganz witzig und ein Alleinstellungsmerkmal.
Doch spätestens mit der Einführung von Windows-Aero sollte sich Tobit von seiner Blech-Optik trennen und den Client gemäß der vom Benutzer gewählten Designs unter Windows-Vista/-7 erscheinen lassen.
Das geteilte Fenster des Clients präsentiert die Baumansicht der eigenen und gemeinsamen Ordner, einen Quickfinder als Suchdialog und das geteilte Mail-Listen-Fenster mit Vorschau. Über den Dialog »Neu« erstellt der Anwender komfortabel Mails, Faxe oder SMS-Nachrichten.
Die Option »T-Mail« sendet eine Mail an einen Telefonanschluss. David nutzt dabei einen Text-to-Speech-Synthesizer, um die Nachricht vorzulesen. Dieses Feature ist allerdings eher ein Gag als eine ernstzunehmende Funktion. Über die gemeinsamen Ordner gelangt der Anwender auch an Informationen wie Bilder und Filme von Kameras und den unsortierten Posteingang.
Flotter Client
Der David-Client geht übersichtlich und recht flott ans Werk, wenn der Anwender ihn im lokalen Netzwerk betreibt. Im Test-Setup richtet Network Computing auch einen Client in einer per DSL und VPN angebundenen Außenstelle an. Hier gibt es ab und zu Verzögerungen, vor allem dann, wenn der Anwender auf gemeinsame Ressourcen über die SMB-Freigabe des David-Servers zugreift.
Ein abgespeckter Modus beschleunigt den Client in der Außenstelle, gibt ihm aber nur einen eingeschränkten Zugriff auf die Server-Ressourcen.
Für Umsteiger offeriert der Client eine Outlook-Import-Funktion, welche Mails, Kontakte und sonstige Infos aus einer bestehenden Outlook-Installation extrahiert und fehlerfrei auf David portiert. Der Anwender kann zur Not auch ohne Client arbeiten. Wählt er sich auf der ihm zugewiesenen ISDN-Durchwahl ein, kann er gespeicherte Sprachnachrichten abrufen oder sich vom Text-to-Speech-System E-Mails vorlesen lassen.
Negativ fällt dabei auf, dass ein Benutzer nur über ein Passwort verfügt. Will er die Telefondienste nutzen, muss er ein rein numerisches und damit schwaches Passwort wählen. Hier sollte Tobit getrennte Passwörter für Voice- und Client-Access anbieten.
Fazit
David-FX-PRO ist ein leistungsfähiges Kommunikationswerkzeug, das sich gut für kleine und mittelgroße Unternehmen eignet. Die Software offeriert noch weit mehr Funktionen, als sich in diesem Test ausprobieren ließe.
Sehr gut gefallen dabei die lückenlose Integration mit Fax-, SMS- und Voice-Diensten in Verbindung mit einer kleinen Telefonanlage und die simple Integration all dieser Dienste in den Client.
Es bleiben jedoch ein paar Kritikpunkte: Die polierte Blechoptik des Clients ist überholt und sollte sich spätestens ab Windows-7 den Aero-Schemen anpassen. Die SMB-Kommunikation, welche David für gemeinsame Ressourcen benötigt, verlangsamt die Zugriffe aus dem Remote-Office heraus. Hier sollte Tobit mehr Dienste auf das hauseigene IP-Protokoll packen und den SQL-Server effizienter nutzen.
Ein weiterer Negativpunkt könnte für den einen oder anderen Anwender sein, dass es für den proprietären David-Client nicht so viele Plug-ins wie für Outlook gibt. Wer Funktionen wie Kalendersynchronisation zu bestimmten Mobiltelefonen oder Web-Diensten benötigt, muss außerdem vorher prüfen, ob es überhaupt David-Erweiterungen dafür gibt.
[1] http://www.tobit.de/
- 1. Seite: Im Test: Der Unified-Messaging-Server »David FX« von Tobit
- 2. Seite: Wizard hilft bei Konfiguration
- 3. Seite: ISDN-Dienste
- 4. Seite: Flotter Client
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