Mobile Computing:
Intel und Nokia mit Betriebssystem »MeeGo« für mobile Geräte

von Bernd Reder (bernd.reder@networkcomputing.de)

15.02.2010

Aus »Moblin« und »Maemo« formen Intel und Nokia ein neues Betriebssystem für mobile Geräte: MeeGo. Ebenso wie seine Stammväter basiert es auf Linux.

Den Mobile World Congress in Barcelona nutzten Intel [1] und Nokia [2], um das Betriebssystem »MeeGo« zu präsentieren. Beide Firmen führen in der neuen Plattform ihre Systemsoftware Moblin (Intel) und Maemo (Nokia) zusammen.

MeeGo basiert, ebenso wie Moblin und Maemo, auf Linux. Die Systemsoftware wird nicht nur in Smartphones zum Einsatz kommen. Nach Angaben der beiden Firmen sollen auch Netbooks, Tablet-PCs, Navigationsgeräte und Systeme aus dem Bereich Unterhaltungselektronik, etwa für interaktives TV, MeeGo nutzen.

Mit Qt steht bereits eine bewährte Entwicklungsumgebung zur Verfügung. Es handelt sich, ebenso wie bei dem Betriebssystem selbst, um Open-Source-Software. Dies soll die Plattform für Entwickler attraktiv machen und dazu führen, dass innerhalb kurzer Zeit viele Anwendungen bereitstehen.

Kein Ersatz für Symbian

Nokia will Apps für MeeGo über den Ovi-Store vermarkten, der bislang Symbian-Applikationen vorbehalten ist. Allerdings werden über Ovi auch weiterhin Programme für Symbian erhältlich sein. Intel wiederum bietet MeeGo-Geräte über das Intel-App-Up-Center an.

MeeGo ist für High-End-Smartphones vorgesehen, nicht für Standard-Handys.

MeeGo wird allerdings nicht an die Stelle von Symbian treten. Dagegen sprechen Aussagen von Nokia-Offiziellen, denen zufolge das neue Betriebssystem als »Software-Plattform für High-Performance-Geräte« dient. Kennzeichen solcher Geräte sind Internet-Zugang, Multimedia-Funktionen und Multitasking-Fähigkeiten.

Auf der Web-Seite von MeeGo ist die Rede von »Media Phones«, für die das Betriebssystem vorgesehen ist. Das deckt sich mit der aktuellen Produktstrategie von Nokia: Symbian bleibt für klassische Handys und Smartphones sowie für Geräte erste Wahl, die für Märkte wie Südamerika und Afrika bestimmt sind. Mit MeeGo wollen die Finnen offenkundig, wie beim Maemo-Smartphones N900, den High-End-Markt bedienen.

Angriff auf Microsoft und Google

Die Ankündigung von Intel und Nokia ist de facto eine Kriegserklärung an Microsoft [3], das auf dem Kongress in Barcelona Windows Mobile 7 vorstellen wird. Noch massiver könnten die Auswirkungen für Googles [4] Betriebssystem Android sein. Auch dieses ist, so wie MeeGo, eine Open-Source-Software.

Das N900, das Nokia Ende 2009 vorstellte, läuft derzeit unter Maemo, in Kürze mögicherweise jedoch unter MeeGo.

Hinzu kommt, dass Android ebenfalls eine ganze Palette von Geräten adressiert, nicht nur Smartphones.

So haben Acer und Hewlett-Packard die Software bereits Tests mit Android als Netbook-Betriebssystem durchgeführt. In dieselbe Richtung zielt nun MeeGo.

Die erste Version der Software soll im zweiten Quartal dieses Jahres verfügbar sein. Noch im laufenden Jahr erwarten Intel und Nokia erste Geräte, die unter dem Betriebssystem laufen. Es dürfte sich um Smartphones handeln, die dem Nokia N900 ähneln. Dieses verwendet (noch) Maemo.

[1] http://www.intel.de/
[2] http://www.nokia.de/
[3] http://www.microsoft.de/
[4] http://www.google.de/