Software für das Netzwerkmanagement:
Test: Drei kostengünstige Netzwerkmanagement-Pakete für den Mittelstand
Dieses Mal hat Network Computing die Netzwerkmanagement-Lösungen von drei Newcomern unter die Lupe genommen: Packettrap, Spiceworks und Zenoss. Die drei Programme sind auf die Anforderungen kleiner und mittelständischer Unternehmen zugeschnitten. Und sie sind deutlich preisgünstiger als die Software der »Big Four«.
Viele kleine und mittelständische Unternehmen sehen für Netzwerk-Monitoring-Tools nur ein kleines Budget vor – wenn überhaupt. Wer sich dennoch Werkezeuge von einem der vier großen Hersteller BMC Software, CA, Hewlett-Packard oder IBM Tivoli leistet, wird schnell feststellen, dass er viele Funktionen gar nicht benötigt. Das Dumme ist nur, dass der Anwender sie trotzdem bezahlen muss.
Das machen sich einige Newcomer im Bereich Netzwerkmanagement-Software zunutze. Sie haben Produkte auf den Markt gebracht, welche die Small-Budget-Lücke schließen. Für einen Bruchteil des Preises der Pakete der »Big Four« bieten sie vergleichbare Features.
Network Computing untersuchte Angebote von Packettrap, Spiceworks und Zenoss. Alle drei Firmen sind Newcomer, sprich wurden 2006 oder später gegründet. Noch eine Gemeinsamkeit: Alle drei Produkte kümmern sich um eine Netzwerkmanagement-Nische. Sie zielen genau auf die Punkte, die den IT-Managern in kleineren Unternehmen Kopfschmerzen verursachen.
Packettrap goes Pro
Packettrap [1] wurde 2006 von einer Gruppe ehemaliger Führungskräfte der IT-Sicherheitsfirma Sonicwall gegründet. Das erste kommerzielle Produkt des Unternehmens ist »pt360 Pro«.
Die professionelle Version von pt360 steht in einer Testversion zur Verfügung, die 30 Tage lang voll funktionsfähig ist. Nach Ablauf dieser Frist kann der Interessent für 795 Dollar eine Site-Lizenz erwerben.
Network Computing installierte pt360-Pro in einer mäßig komplexen Netzwerkinfrastruktur mit mehreren Switches von Extreme Networks [2] und Routern von Cisco [3]. Die Installation ging extrem schnell über die Bühne und bereitete keinerlei Probleme. Nach der Installation erfolgte eine sofortige Anmeldung beim pt360-Dashboard, das eine große Sammlung grundlegender Troubleshooting-Tools bietet.
Werkzeugsammlung für den Netzwerkprofi
Das Produkt stellt eine Basissammlung von Troubleshooting-Werkzeugen zur Verfügung, die Netzwerkprofis täglich nutzen. Von den sechzehn Tools, die über das zentrale Dashboard der pt360-Konsole zugänglich sind, dienen sieben zur Ausführung von Ping, Traceroutes, Port-Scans und MAC-Adressauflösung.
Das Tool enthält außerdem Werkzeuge für das DNS-Mapping und -Troubleshooting sowie Windows-Management-Instrumentation/SNMP-Troubleshooting. Die restlichen Funktionen konzentrieren sich auf das Konfigurationsmanagement von Cisco-Routern, auf TFTP/Syslog-Dienste, Netflow-Analyse und Switch-Port-Mapping.
Viele der Programme kann der IT-Manager auch kostenlos von diversen Web-Seiten herunterladen. Hat der Administrator pt360 aber ein paar Tage lang genutzt, wird er auf die hinzugefügten Features nicht mehr so schnell verzichten wollen.
So dauerte ein auf einem Lab-Server unter DOS ausgeführter Traceroute mit zehn Hops 14 Sekunden – mit dem grafischen Traceroute-Tool von pt360 war die Sache in einer Sekunde erledigt. Für einen Fachmann, der ständig Routing-Probleme lösen muss, sind diese blitzschnellen Traces bereits ein Grund, sich pt360 anzuschaffen.
Ferner besitzt pt360 beeindruckende Port-Scanning-Fähigkeiten. Falls die tägliche Durchführung von Port-Scans Teil des Jobs des Netzwerkfachmanns ist, sind die Lizenzgebühr durch die Zeiteinsparung im Handumdrehen wieder »drin«.
Port-Mapper für Switches
Eine ausgezeichnete Funktion ist der Switch-Port-Mapper. Er befragt einen Switch und erzeugt eine Tabelle mit Port-Nummern, Geschwindigkeiten, Schnittstellentyp, MAC- und IP-Adressen sowie Betriebsstatus.
Packettrap pt360 Pro enthält unter anderem eine Funktion für das Konfigurieren von Cisco-Switches.
Wird der Switch-Port-Mapper gegen einen Core-Switch ausgeführt, sammelt er auch die MAC und IP-Adressen von Hosts, die an den Downstream-Switches angeschlossen sind. Muss ein Administrator den physischen Port-Standort eines bestimmten Hosts finden, kann er dies mit dem Switch-Port-Mapper blitzschnell erledigen.
Spiceworks: Pfeffer für den Desktop
Spiceworks-IT-Desktop, das bereits 2006 erschienen ist, wurde bereits von einigen Administratoren als»iTunes für das Netzwerk-Management in kleineren Unternehmen« bezeichnet. Die Software lässt sich der Web-Seite von Spiceworks [4] herunterladen und in wenigen Minuten installieren.
Sobald er ein Profil erstellt hat, ist der Administrator sofort in der Konsole eingeloggt. Dort beginnt er dann, die zu scannenden Subnetze zu konfigurieren. Das Programm erzeugt daraufhin eine Inventarliste mit allen Systemen, die es im Netzwerk findet.
IT-Desktop wurde unter Verwendung des Ruby-on-Rails-Frameworks geschrieben. Die Konsole besitzt ein ansprechendes Design und ist einfach anzuwenden.
Ohne Software-Agenten
Die Breite der für eine Device-Discovery unterstützten Protokolle macht IT-Desktop zu einem vielseitigen Asset-Tracking-Werkzeug. Und weil die Software ohne Agenten auskommt, ist der Discovery-Vorgang schnell abgeschlossen: Von der Installation bis zu dem Zeitpunkt, da die Datenbank mit den Systemen im Netz »bevölkert« ist, vergehen gerade einmal fünf Minuten.
Enterprise-Systeme mit vergleichbaren Fähigkeiten verschlingen leicht Tausende von Euro nur für Lizenzgebühren. IT-Desktop dagegen ist dank seines auf Werbung basierenden Einnahmeschemas kostenlos.
Anfänglich hatten wir den Verdacht, bei Spiceworks handle es sich um ein ominöses Stück Adware. Aber damit lagen wir falsch, wie auch die Zahl von rund 350.000 registrierten Benutzern nahelegt. IT-Desktop liefert ein einfach zu benutzendes Inventar-, Monitoring -und Trouble-Ticket-Management.
Tests der Asset-Sammlungsfähigkeiten lieferten allerdings gemischte Resultate. Die Remote-WMI-Datensammlung lässt sich durch Virenscanner, Client-Firewalls und Berechtigungsprobleme stören. Einige Windows-Clients konnten zudem der Spiceworks-Datenbank nicht vollständig hinzugefügt werden.
Und auch einige der Spezifika von PC-Hardware und Software fanden ihren Weg nicht in die Database, während andere als »unbekannt« klassifiziert und lediglich mit ihren MAC- und IP-Adressen eingetragen wurden.
Für die in die Datenbank geladenen Maschinen zeigte Spiceworks allerdings eine beeindruckende Menge nützlicher Daten an. Dazu gehörten Informationen über die Hardware, die installierte Software, kritische Systemereignisse und die Ressourcennutzung.
Ausgefeilte Berichte
Bemerkenswert sind die Funktionen für das Erstellen von Berichten. Spiceworks bietet eine ganze Reihe von vorgefertigten Berichten an, etwa eine Liste der Computer, auf denen keine Antivirus-Software installiert ist, oder eine Aufstelle der Rechner, deren freier Plattenplatz weniger als zehn Prozent beträgt. Das Programm exportiert die Berichte in das CSV-, PDF- und Excel-Format.
Spiceworks hat eine starke Support-Community für grundlegende Troubleshooting-Informationen; sie ist komplett in den Spiceworks-Desktop integriert. Kostenlose E-Mail ist ebenfalls im Angebot.
Die Web-gestützte Helpdesk-Management-Applikation erlaubt die Konfiguration eines rudimentären E-Mail-Kontos und eines Portals. Benutzer können über Spiceworks‘ Helpdesk-Portal Tickets übermitteln und den Status offener Trouble-Tickets abrufen.
Den Systemzustand abfragen
In IT-Desktop vorkonfigurierte Alerts überprüfen Systeme im Netz daraufhin, ob genügend Speicherplatz oder Toner vorhanden ist oder wie es um den Status der Antivirus-Software oder von Google-Desktop bestellt ist.
Spiceworks IT-Desktop ist eher für kleine Unternehmen ohne Inventarisierungs- und Reporting-System geeignet. Das Produkt besitzt aber eine solide Basis, auf der sich aufbauen lässt.
E-Mail-Alarmmeldungen lassen sich auch dann aktivieren, wenn ein Monitor nicht einer vorkonfigurierten Bedingung entspricht.
Im Test verhielt sich IT-Desktop jedoch nicht immer wie ein großartiger Detektiv. Es kamen ein paar Warnungen zu Druckern mit zu geringem Toner, aber keine Informationen darüber, dass einige Systeme Google-Desktop mit sehr wenig Speicherplatz ausführten. Problematisch war allerdings auch, einen neuen Monitor zu erzeugen.
Gemischter Eindruck
Unser Gesamteindruck von IT-Desktop ist gemischt. Für uns ist Spiceworks ein Werbeunternehmen, das Kunden und Werbungtreibende anzieht, weil es einen kostenlosen Weg bietet, einige grundlegende Probleme zu lösen.
Für die Nutzung dieses kostenlosen Tools muss der Kunde die Bannerwerbung akzeptieren, die mit der Software kommt. Unternehmen, denen zwar die Software, aber nicht die Werbung gefällt, können für 20 Dollar pro Monat die Bannerwerbung durch ihr eigenes Logo ersetzen.
Der Zenoss-Kult
Zenoss [5] wurde 2006 gegründet, und bereits zwei Jahre später genoss die von Zenoss entwickelte Open-Source-Plattform bei einigen Netzwerkfachleuten bereits Kultstatus.
Zenoss ist inzwischen nicht nur zu einer verlässlichen Alternative zu Nagios gereift, sondern taugt in einigen Fällen sogar als Ersatz für ein System der »Big Four«. Das sagt zumindest Zenoss-Chef Bill Karpovich.
Nach Angaben des Unternehmens haben inzwischen 20.000 Organisationen in 175 Ländern die Management-Software implementiert. Ein Großteil davon entfällt mit Sicherheit auf die kostenlose Version »Zenoss-Core«. Aber auch für Zenoss-Enterprise, ein kostenpflichtiges Software-Abonnement, hat das Unternehmen viele Kunden registriert. Zu den größten Kunden zählen die US-Armee, die Deutsche Bank oder Motorola.
Auch als Appliance verfügbar
Wie bei nahezu allen Netzwerkmanagement-Systemen der Enterprise-Klasse dauert es auch bei Zenoss-Enterprise mehr als ein paar Minuten, bis das System läuft. Aber davor sollte kein Administrator zurückschrecken, denn die Implementierung ist insgesamt einfacher als bei einem Paket von BMC, CA, HP oder IBM.
Zenoss offeriert sowohl auf Hardware als auch auf Software basierende Versionen ihres Systems. Jede Plattform führt entweder die Core- oder die Enterprise-Version von Zenoss aus, und alle setzen auf einer Red-Hat-Linux-Distribution auf.
Die Software steht auch im Paket mit Appliances zur Verfügung, den Zenoss-Appliances 250 und 1000. Die Hauptunterschiede zwischen diesen beiden Appliances sind die Rechenleistung und die Anzahl der überwachbaren Knoten.
Im Test: die Enterprise-Software
Network Computing testete die Zenoss-Enterprise-Software. Als erstes fiel auf, dass die auf Ajax basierende Managementkonsole eine Eingewöhnungsphase erfordert.
Die Subnetz-Discovery-Funktion in Zenoss erlaubt es, große Gruppen von Windows-Servern im Netz aufzuspüren. Für den Test wurden gebräuchliche Gruppenparameter eingestellt, beispielsweise die Windows-Management-Instrumentation-Benutzernamen und -Passworte. In zwei Schritten entdeckte die Software jede Windows-Box im Subnetz und pollte Hardware-, Betriebssystem-, Service-, Schnittstellen- und Performance-Statistiken aller Server.
»Zenpacks« genannte Add-ons ergänzen die Software um ein zielgerichtetes Monitoring für spezifische Funktionen, etwa Active-Directory, IIS, Exchange, Apache und Oracle/SQL. Die Open-Source-Natur von Zenoss hat zur Community-Entwicklung zahlreicher Zenpacks geführt. Als Resultat gibt es Pakete für das Monitoring so gut wie aller Produktionssysteme.
Google-Maps-APIs integriert
Die in Zenoss eingebauten Alarmfunktionen lassen sich so konfigurieren, dass sie Level-1-Personal sofort alarmieren, wenn ein Service ausfällt. Gelingt es den Mitarbeitern nicht, den Alert innerhalb eines festgelegten Zeitraums zu bereinigen, alarmiert das System Level-2-Personal und so weiter.
Das coolste Feature von Zenoss ist die Integration von Google-Maps-API. Es ist einfach prima, miteinander verbundene Netzwerkgeräte in einer Google-Map zu sehen – mit vollständigen Zoom- und Scroll-Fähigkeiten.
Selbst große Umgebungen stellen kein Problem dar: Der Administrator erstellt in diesem Fall einfach verknüpfte Maps. Regionale IT-Manager überwachen so ihre eigenen Gebiete.
Zenoss ist nichts für unbedarfte Zeitgenossen. Die Schnittstelle ist alles andere als intuitiv und basiert vollständig auf Web-Technik. Das heißt, Administratoren müssen einige Zeit investieren, bis sie gelernt haben, die Software zu bedienen.
Hilfe durch Zenpacks
Ist ein Gerät zu überwachen, das Zenoss nicht selbst vollständig modellieren kann, muss sich der Anwender entweder auf von der Community entwickelte Zenpacks verlassen, oder er nimmt professionelle Dienstleistungen in Anspruch – gegen Bezahlung, versteht sich.
Zenoss ist ein vollständiges Netzwerk-Management-System mit riesiger User-Community.
Aber die schiere Größe der Zenoss-Kundenbasis sollte gewährleisten, dass Support für ein bestimmtes System schnell hinzugefügt wird. Dies kann laut Zenoss auch kurzfristig auf Supportbasis geschehen, wenn es um kritische Applikationen geht.
Die zwei wichtigsten Dinge, auf die ein Unternehmen verzichtet, wenn es sich nicht für die Enterprise-Version entscheidet, sind Support und WMI-Sammlung.
Fazit
Ein Open-Source-Netzwerk-Management-System wie Zenoss kommt nicht für jedes Unternehmen in Frage. Wer aber neu in diesem Geschäft ist, sollte es definitiv versuchen, bevor er sich teure Alternativen ansieht.
Das Tool pt360 von Packettrap ist insgesamt ein solides, grundlegendes Netzwerk-Troubleshooting-Tool. Es ist weder Tivoli noch Openview, aber wer lediglich eine einfache Sammlung von Utilities benötigt, muss angesichts des Preises und der Features nicht lange überlegen.
IT-Desktop von Spiceworks ist gegenwärtig nur für kleine Unternehmen ohne Inventarisierungs- und Reporting-System geeignet. Das Produkt besitzt aber eine solide Basis, auf der sich aufbauen lässt.
[1] http://www.packettrap.com/
[2] http://www.extremenetworks.com/
[3] http://www.cisco.de/
[4] http://www.spiceworks.com/
[5] http://www.zenoss.com/
- 1. Seite: Test: Drei kostengünstige Netzwerkmanagement-Pakete für den Mittelstand
- 2. Seite: Gemischter Eindruck
- 3. Seite: Fazit
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