Virtualisierungssoftware: Xen Server5.5:
Netzwerkpraxis: Kurzworkshop »Local Store unter Xen Server 5.5«

von Andreas Stolzenberger (ast@nwc.de), bre

19.06.2009

Network Computing hat bereits über erste Erfahrungen mit dem Xen Server 5.5 berichtet. In dem betreffenden Artikel gab es ein paar Tipps zu Operationen mit dem LVM – die den Xen-Spezialisten im Hause Citrix die Haare zu Berge stehen lassen. Daher ein paar neue Tipps, wie sich die lokalen Plattenressourcen besser verwalten lassen.

(Fortsetzung des Artikels von Seite 1)

Im Beitrag »Citrix Xen Server 5.5 auf dem Prüfstand« (hier der Link zum Beitrag [1]) haben wir auf Network Computing Online einige Tipps zum Umgang mit dem Logical Volume Manager unter dem Xen Server 5.5 gegeben.

Xen Center 5.5 verwaltet sowohl Xen 5 als auch Xen Server 5.5. Obwohl nicht explizit unterstützt, läuft natürlich auch Open Solaris als Gastbetriebssystem.

Im Rahmen eines Workshops, den Citrix [2] am 18. Juni in München veranstaltete, warnten Fachleute des Herstellers allerdings davor, manuell an der LVM-Konfiguration herumzuschrauben. Dies kann, aber muss nicht zwingend funktionieren.

Eigentlich sollte ein Xen-Verwalter auf der Console des Servers gar keine Kommandos nutzen, die nicht mit »xe« anfangen, so die Xen-Spezialisten. Rohe Linux-Kommandos ändern die Systemkonfiguration, ohne dabei die Citrix-eigenen Datenbankeinträge zu aktualisieren. Aber nur was in der DB steht, wird von der Xen-Konfiguration und dem Xen Center auch berücksichtigt.

Allerdings ist eine einzelne LVM Volume Group (VG), die über alle lokale Disks »spanned«, keine sichere Lösung. Fällt eine einzelne Platte aus, könnte die komplette VG über den Jordan gehen. Da könnte man auch gleich ein Raid-0-Array aufsetzen.

Im Kleingedruckten, dem Xen-Wiki [3], finden sich ein paar wichtige Hinweise. Der Xen Server kann die lokalen Disk-Ressourcen nämlich auf zwei unterschiedliche Arten verwalten.

ext3 contra LVM

Die »Default«-Methode ist der bereits angesprochene LVM. Virtuelle Disks legt Xen dabei als Logical Volume (LV) an. Das belegt aber sofort die volle Dateigröße.

Alternativ verwaltet Xen lokale Platten mit ext3-Formatierung und sichert Virtuelle Disks als VHD-Datei, also dem Disk-Format, das auch Hyper-V und Virtual PC verwenden. VHD-Disks funktionieren mit Thin-Provisioning. Sie belegen nicht sofort die volle Größe sondern wachsen, je nach Disk-Bedarf der VM.

Im Test konvertierten wir fünf Festplatten in ext3-Repositories. Das Resultat: integriertes Load-Balancing und eine erhöhte Fehlerredundanz.

Ein Local Store mit ext3 erstellt die Snapshots von VMs zudem schneller als die LVM-Variante. Dafür ist der LVM an sich etwas schneller und kann virtuelle Disks bei Bedarf vergrößern.

Das Verwaltungstool Xen Center integriert die Funktionen für den Local Store leider nicht in die grafischer Benutzeroberfläche (GUI). Der Verwalter muss auf die Command-Line des Servers.

Wie sich der per Default erstellte LVM-Speicher in einen oder mehrere ext3-Speicher verwandeln lässt, beschreibt folgender Wiki-Eintrag [4] im Detail.

Hier die Kurzform:

• Bereits bestehende VMs muss der Verwalter exportieren. Sobald der LVM-Storage leer ist, lässt er sich löschen (xe pbd-unplug und xe sr-destroy).

• Anschließend kann der Verwalter neue ext3-Storage-Repositories erstellen (xe sr-create) und die exportieren VMs zurückholen.

Load-Balancing und Redundanz

Im Labor Glonn der Real-World Labs konvertiert Network Computing die fünf 500-GByte-Laufwerke im Xen Server in einzelne ext3-Repositories. Damit lässt sich ein statisches Load-Balancing erreichen, indem die aktiven VMs auf verschiedenen Platten lagern. Zudem verringert sich der Schaden bei einem Plattenausfall, weil nur die VMs der jeweiligen Disk betroffen wären.

Wir gehen noch einen Schritt weiter: Die langsameren Disks im Test-Server bekommen die selten benötigten VMs. Der Befehl »hdparm -S 60 /dev/sdx« veranlasst zudem, dass nicht aktive Platten nach fünf Minuten in den Suspend-Modus (Spinn-Down) wechseln.

Und weil das Test-Team gerade am fröhlichen Im- und Exportieren von VMs ist: Auf der Website von Citrix gibt es den freien Xen Converter 2.0.1(hier der Link [5]). Dieser wandelt verwandelt physische Maschinen oder Vmware-Disk-Dateien in Xen-VMs oder VHD-Disks um. So kann das Test-Team bestehende Vmware-VMs auf den neuen Xen-Server übertragen.

[1] aus-dem-testlabor-citrix-xen-server-55-auf-dem-pruefstand/
[2] http://www.citrix.de/
[3] http://wiki.xenmaster.de/doku.php/xenserver/xen_ag
[4] http://wiki.xenmaster.de/doku.php/blog/convert_lvm2ext
[5] http://www.citrix.com/site/SS/downloads/details.asp?downloadId=1855017&productId=683148