Mobilfunk der nächsten Generation:
T-Mobile: Nächste Mobilfunkgeneration LTE noch längst nicht in »trockenen Tüchern«
Auf ein gravierendes Problem bei »Long Term Evolution« (LTE), dem Nachfolger der Mobilfunktechnik UMTS, hat T-Mobile hingewiesen: den Mangel an Standards für den Transport von Sprachdaten. Dieser Faktor könnte die Einführung von LTE massiv behindern oder gar torpedieren.
Wir haben bereits mehrfach über die sogenannte 4G-Technologie LTE berichtet (Siehe unten »Verwandte Artikel«). Sie soll an die Stelle von UMTS (3G) treten und Datenraten von etwa 160 bis 270 MBit/s beim Herunterladen sowie von 37 bis maximal 75 MBit/s beim Upload bieten.
Laut Ericsson sollen 2013 mit LTE Advances Datenraten von bis zu 1 GBit/s über Mobilfunkverbindungen möglich sein. Zunächst müssen aber die Hürden bei der ersten Version von LTE genommen werden.
Viele Netzausrüster und Betreiber von Mobilfunknetzen führen mit LTE bereits Tests durch. In Stockholm hat in dieser Woche Telia Sonera das erste LTE-Netz in Betrieb genommen. Es basiert auf Systemen von Ericsson [1].
Allerdings gibt es nach Angaben des deutschen Mobilfunk-Service-Providers T-Mobile [2] ein massives Problem, das bei LTE noch gelöst werden muss. Die Technik unterstützt die Übertragung von leitungsvermittelten Sprachdaten und SMS nur unzureichend.
Genauer gesagt haben sich die Hersteller von LTE-Ausrüstung und die Mobilfunk-Carrier noch nicht auf ein Standardverfahren einigen können, mit dem sich leitungsvermittelte Gespräche (solche, die nicht auf IP basieren) über das IP-basierte LTE transportieren lassen.
Mehrere Techniken zur Auswahl
Zur Wahl stehen der Einsatz von IP-Multimedia-Subsystemen (IMS) sowie Circuit-Switch Fallback (CS), bei dem 2G- oder 3G-Netze für die Sprachübertragung genutzt werden. Ein dritter Ansatz ist Voice over LTE via Generic Access (VoLGA). Bei dieser Technik werden CS-Daten durch einen IP-Tunnel durch das LTE-Netz geschleust.
T-Mobile setzt bei den Tests mit LTE einen Kleinbus mit Mess-Ausrüstung ein.
Derzeit ist T-Mobile der einzige Service-Provider, der VoLGA unterstützt. Dagegen setzen Firmen wie Verizon Wireless und die France-Télécom-Tochter Orange auf CS Fallback. Bliebe es dabei, würde es beim Roaming zwischen zwei Netzen zu Problemen kommen, in denen unterschiedliche Technologien verwendet werden.
T-Mobile ist der Auffassung, dass der Einsatz von IMS keine Lösung ist. Vor allem die Verbindung von IP-Multimedia-Subsystemen untereinander und das Roaming seien nicht in zufrieden stellender Weise gegeben. Vor 2014 oder 2015 sei das auch nicht in Sicht.
Im Vergleich zu VoLGA sei auch CS Fallback eine unelegante Lösung. T-Mobile will daher an VoLGA festhalten.
Nur IMS von 3GPP unterstützt
Paradox ist, dass Voice over LTE via Generic Access derzeit zwar von den meisten Anbietern von Mobilfunkausrüstung unterstützt wird, mit Ausnahme von Nokia-Siemens-Networks. Bei den Service-Providern steht jedoch T-Mobile alleine auf weiter Flur da.
Schützenhilfe durch das 3GPP-Gremium (3rd Generation Partnership Project), das Normen im Bereich Mobilfunk entwickelt, ist ebenfalls nicht in Sicht. Die Organisation wies einen Vorstoß zurück, VoLGA als Standard zu etablieren. Die Begründung: Es drohe eine Spaltung der Mobilfunkwelt in zwei Lager.
Derzeit unterstützt 3GPP nur den IMS-Ansatz. Auch CS Fallback wurde von der Organisation verworfen.
[1] http://www.ericsson.de/
[2] http://www.t-mobile.de/
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