Internet: Domain-Verwaltung:
Frei verfügbare Top-Level-Domains kommen noch 2009
In den letzten Jahren haben allerlei kreative Namensschöpfungen Einzug im Web gehalten. Doch auch wenn etwa die Endung .tv eindeutig nach Fernsehen klingt, haben die meisten Suffixe einen völlig anderen Ursprung, als oft vermutet wird. Noch in diesem Jahr soll es auch erstmals die Möglichkeit geben, eigene Top-Level-Domains (TLD) zu beantragen.
Nachdem die Anfänge des Internet insbesondere von .com-Domains geprägt waren, gibt es inzwischen einen ganzen Katalog von möglichen Endungen für Web-Seiten. Bereits seit 1999 existiert beispielsweise die Endung .tv, die insbesondere Fernsehsender wie NBC (www.nbc4.tv), Sat 1 (www.sat1.tv) oder RTL (www.rtl.tv) gerne verwenden.
Internet-Adressen, die auf .tv enden ,etwa Sat1.tv, sind eigentlich hier beheimatet: Die Top-Level-Domain .tv
Doch auch wenn es auf den ersten Blick völlig logisch klingt, so hat das Suffix .tv an sich eigentlich nichts mit Fernsehsendern zu schaffen. Vielmehr ist es die Endung für das kleine Inselkönigreich Tuvalu im Pazifik. Auch das bei Radiosendern besonders beliebte .fm (etwa Radio Gong: www.gong.fm [1]) stammt nicht von der Frequenzbezeichnung, sondern ist nur die Endung der Föderierten Staaten von Mikronesien.
Oft sind es dabei nicht einmal die Staaten selbst, die das Marketing-Potential ihrer Suffixe erkennen und zu Geld machen, sondern kreative Unternehmen. »Die geschickte Nutzung von Assoziationen bei der Web-Adresse ist eine von vielen kreativen Marketingmöglichkeiten im Web«, erklärt Bernd Beiser, Geschäftsführer der Net Names [2] GmbH. Vielen Unternehmen sei jedoch noch gar nicht bewusst, welche Möglichkeiten für sie in passenden Top Level Domains stecken.
Firmen unterschätzen Marketing-Potenzial
»Nach unserer Erfahrung wird diese Möglichkeit von vielen Unternehmen und Unternehmern noch vernachlässigt. Sogar ein DJ könnte geschicktes Marketing betreiben und sich für seinen Onlineauftritt die Länderdomain von Dschibuti .dj sichern«, so Beiser weiter. Eine Karte aller bisher verfügbaren TLDs finden Sie hier [3].
Ein weiterer typischer Fall einer oft missverstandenen Domainkennung ist .ag. Auch wenn eine Unternehmenswebseite darauf endet, heißt das nicht unbedingt, dass das Unternehmen auch eine AG ist. Tatsächlich gehört das .ag nämlich den karibischen Inseln Antigua und Barbuda, die es zur Vermarktung freigegeben haben. So besitzt inzwischen auch fast jeder DAX-Konzern eine .ag Adresse.
Erst seit 2008 gibt es auch die Endung .me, die sich zwar hervorragend für persönliche Seiten eignet, eigentlich jedoch auf Montenegro hinweist. Die 622.000 Einwohner des Landes in Südosteuropa, die über einen Internet-Anschluss verfügen, vermarkten »ihre« .me-Domains zu Höchstpreisen. Zu den Kunden zählen vor allem amerikanische Unternehmen (»love.me«).
In diesem Jahr eigene Endungen möglich
War man bisher weitgehend auf die kreative Umdeutung bestehender Ländersuffixe angewiesen, so soll sich das noch in diesem Jahr grundlegend ändern: Nach einem Beschluss der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) vom Juni 2008 sollen nämlich künftig auch beliebige Domains für eigene Zwecke beantragt werden können.
Eine große Chance insbesondere für Unternehmen, meint Beiser: »Bislang ist .com als Kürzel für das Wort commercial die einzige wirklich kommerzielle Top-Level-Domain. Dies wird sich durch die Einführung der neuen generischen TLDs schnell ändern.«
Markeninhaber werden seiner Ansicht nach bald die Möglichkeit haben, sich ihren Markennamen als Suffix zu sichern. »Eine Gelegenheit, die sich kein Unternehmen entgehen lassen sollte«, so der Internet-Experte. Firmen können sich auf diese Weise bereits im Vorfeld vor einem möglichen Missbrauch und einem damit oftmals verbundenen kosten- und zeitaufwendigen Rechtsstreit schützen.
[1] http://www.gong.fm
[2] http://www.netnames.com
[3] http://www.netnames.com/platinum/Domain+name+management/Global+ccTLD+map2%20target=
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