Virtuelle IP-Anlage im Arcor-Netz:
Vodafones Weg zur VoIP-Company
VoIP lässt sich nicht aufhalten, auch nicht im Mobilfunkbereich. Entsprechend hat der Mobilfunk- und Breitband-Anbieter Vodafone angefangen, sein Portfolio in Richtung Voice-over-IP zu erweitern.
Die Idee von Nokia Smartphones mit installiertem Skype-Client zu auszuliefern, hat etwas Staub aufgewirbelt. Auch Vodafone ist von solchen Plänen nicht begeistert. Schließlich hat dies Auswirkungen auf den Umsatz, den der Provider über Mobilfunk macht. Allerdings ist sich Vodafone [1] auch im Klaren, dass sich solche Entwicklungen nicht aufhalten lassen. Deshalb der Carrier angefangen, seinen Enterprise-Bereich auch in Richtung Voice-over-IP weiter zu entwickeln. Zu gute kommt Vodafone dabei auch die Übernahme von Arcor. Beide Unternehmen sind derzeit noch getrennt, sollen aber miteinander verschmolzen werden. Wichtigstes Vorhaben für VoIP ist derzeit die Entwicklung einer Mobile-IP-Centrex-Lösung, einer virtuellen IP-Telefonie-Anlage im Netz von Arcor. Außerdem kooperiert Vodafone mit Microsoft, um den »Office Communications Server« (OCS) online anzubieten.
Die »EasyBox 802« von Vodafone kombiniert einen DSL-Router mit LAN-Switch, WLAN, ISDN und UMTS. Im September soll das Gerät auch eine Telefonanlage bekommen.
Einen Namen hat der IP-Centrex-Ansatz noch nicht. Die Abrechnung soll pro Arbeitsplatz erfolgen. Das Mobiltelefon ist dabei als mobile Nebenstelle eingebunden. Bei Anrufen überträgt es die Büro- und nicht Mobilfunk-Nummer (One-Number-Konzept). Dies ist ein Vorteil von Fixed-Mobile-Convergence (FMC). Bei dieser Entwicklung verschmelzen etwa VoIP im Mobilfunknetz und in drahtgebundenen Netzen. Über ein Web-Interface als Self-Service-Portal sollen die Nutzer ihre Anlage selbst verwalten können.
Der Funktionsumfang der IP-Centrex-Lösung richtet sich an mittelständische Unternehmen. Allerdings hat Vodafone die Erfahrung gemacht, dass auch große Unternehmen daran Interesse haben, wenn sie etwa in einer Filiale keine TK-Anlage betreiben wollen. Zum Probeeinsatz soll es die virtuelle Anlage bis Ende des Jahres geben. Der offizielle Start ist dann April 2010.
Die OCS-Produkte von Microsoft soll es als Software-as-a-Service mit kurzen Vertragslaufzeiten geben. Die Partnerschaft ist aber nicht exklusiv. Zudem überlegt der Mobilfunkanbieter auch Hosted-CRM anzubieten. Daneben hat Vodafone eine Sprach-Konferenz-Lösung von Arcor im Programm. Zudem gibt es eine Video-Konferenz-Lösung von Microsoft. Bei HD-Video-Konferenzen arbeitet Vodafone mit Cisco und Tandberg (Video) zusammen.
Vodafone erwartet nicht, dass der Markt für IP-Centrex explodiert. Ein Punkt ist für das Unternehmen aber, dass derzeit TK-Anlagen über 7 Jahre hinweg abgeschrieben werden. Dies ist aber ein relativ langer Zeitraum. Kurze Verträge für eine virtuelle IP-Anlage geben Unternehmen dagegen mehr Flexibilität. Der Carrier ist sich aber auch der Herausforderung bewusst, dass sich seine aktuelle Struktur mit Direktvertrieb nicht so leicht verändern lässt. Deshalb sollen die Partner hier Lösungen bekommen, mit denen sie ihren Direktverkauf erweitern können.
Bereits jetzt hat Vodafone mit der »EasyBox 802 [2]« ein Produkt im Programm, dass Breitband- und Mobilfunk kombiniert. Der Router verfügt über DSL, WLAN, ISDN, LAN-Switch und UMTS. Letzteres realisiert ein USB-Stick, den der Nutzer abziehen kann, um auch unterwegs online zu gehen. Unter dem Arbeitstitel »Office in a Box« will der Carrier den Router um eine Telefonanlage mit bis zu 9 Nebenstellen ergänzen. Bezahlt wird pro genutzten Arbeitsplatz (Nebenstelle). Handys lassen sich in die Anlage einbinden. Das ganze soll im September kommen.
Bei LTE steht Vodafone in den Startlöchern. Das Unternehmen wartet nur noch auf die Freigabe der Radio-Frequenzen für LTE. Daher werden zunächst die weißen Breitbandflecken in Deutschland in 2010 mit der schnellen Technologie ausgerüstet werden. In Städten soll LTE erst in 2011/12 kommen.
Als große Chance sieht Vodafone auch den Machine-to-Machine [3]-Markt. Deshalb hat es einen robusten SIM-Chip entwickelt, der eine Lebensdauer von 10 Jahren haben soll. Der Chip hält Temperaturen zwischen -60 und 60 Grad aus und auch mehrfache Fliehkräfte. Anwendungsmöglichkeiten sind etwa direkte verbrauchabhängige Abrechnungen bei Druckern und Kopierern. Auch eine monatliche Abrechnung bei Energieversorgern anstatt von Abschlagszahlungen ist eine Idee.
[1] http://www.vodafone.de/
[2] http://www.vodafone.de/business/festnetz-dsl-firma-buero/140087.html
[3] http://www.vodafone.de/business/firmenloesungen-telemetrie-betriebsfunk/97179.html
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