Virtualiserungslösungen:
Vmware bringt mit »Vsphere« Cloud-Computing ins Rechenzentrum

von Bernd Reder (bernd.reder@networkcomputing.de)

21.04.2009

Mit »Vsphere 4.0« hat Vmware den Nachfolger seiner Virtualisierungslösung »Infrastructure« vorgestellt. Im Vergleich zum Vorgänger bietet Vsphere erweiterte Möglichkeiten, um Netzwerk-Komponenten und Speicherressourcen zu virtualisieren.

(Fortsetzung des Artikels von Seite 1)

»Vsphere ist das erste Cloud-Computing-Betriebssystem«, so Thomas Kühlewein, Regional Manager Central Europe von Vmware [1], bei der Präsentation von Vsphere 4. Die Software soll es Unternehmen ermöglichen, ihr Rechenzentrum mittels Virtualisierung in eine »private Computing-Cloud« zu verwandeln.

Die Hauptbestandteile von Vmware Vsphere 4.0: Die Software will eine Virtualisierungsplattform für Rechner, Netzwerk und Storage bilden.

Darunter versteht Vmware Server und die entsprechenden Betriebssysteme, Speichersysteme und Netzwerkkomponenten wie Adapterkarten und Switches. Mit Vsphere lassen sich alle diese Ressourcen zu einem Pool zusammenfassen und zentral verwalten. Das Ziel: eine IT-Umgebung, die Anwendungen wie Datenbanken oder CRM-Systeme von der IT-Hardware entkoppelt und ihnen nach Bedarf Rechen-, Speicher- oder Netzwerkkapazitäten zur Verfügung stellt.

Diese private »Wolke« enthält allerdings auch Schnittstellen zu externen »Clouds«, die beispielsweise Service-Provider bereitstellen. Der Anwender hat somit die Wahl, welche Ressourcen und Dienste er intern bereitstellt und welche er von außen beziehen möchte. Die Qualität der Services lässt sich mithilfe von SLAs (Service-Level-Agreements) kontrollieren.

Dieses Modell trägt der Tatsache Rechnung, dass viele Unternehmen aus Sicherheitsgründen wichtige Firmendaten nicht einem externen Service-Provider anvertrauen möchten, etwa Amazon und seinem Elastic-Compute-Cloud [2]-Dienst.

Drei Kernkomponenten

Vsphere besteht aus drei Hauptbestandteilen: Vcompute, Vstorage und Vnetwork. Vcompute ist quasi die Serverkomponente. Im Gegensatz zu Vmware Infrastructure, das bis zu vier virtuelle CPUs pro Virtual Machine (VM) unterstützt, sind es bei Vsphere jetzt acht Prozessoren. Außerdem lassen sich bei der neuen Version der Software bis zu 256 GByte RAM pro VM adressieren (bislang 64 GByte).

Die I/O-Leistung hat sich auf mehr als 300.000 IOPS verdreifacht. Auch die Netzwerkbandbreite kletterte auf 40 GBit/s, von bislang 9 GBit/s.

Thin-Provisioning integriert

Thin-Provisioning ist eine neue Funktion von Vsphere. Damit lässt sich der Speicherplatz für eine Applikation stärker am tatsächlichen Bedarf anpassen und das Überdimensionieren von Speicherressourcen vermeiden. Außerdem, so der Hersteller, soll sich mit der neuen Software die Größe einzelner Volumes einfacher ändern lassen.

Cisco hat mit dem Nexus 1000V bereits einen virtualisierten Switch für Vsphere vorgestellt. Entwickelt hat ihn die Firma in enger Zusammenarbeit mit Vmware.

Erhebliche Änderungen bringt Vsphere bei der Virtualisierung von Netzwerkkomponenten. Zwar gab es bereits bei ESX/ESXi 3.5 die Möglichkeit, virtualisierte »distributed« Switches einzurichten. Allerdings musste für jede Virtual Machine ein separater Switch installiert werden.

Bei Vsphere ist es möglich, einen Switch für ein ganzes Cluster vorzusehen. Cisco [3] hat parallel zur Ankündigung der neuen Vmware-Software mit dem Nexus 1000V ein solches System vorgestellt. Beide Unternehmen arbeiteten bei der Entwicklung des Nexus eng zusammen. Das System ermöglicht es unter anderem, Virtual Machines mithilfe von Vmotion über das Netzwerk zu verschieben. Die Konfigurationsdaten bleiben in diesem Fall erhalten.

Weitere Neuerungen

Noch ein Blick auf einige weitere Funktionen von Vsphere:

Mit Vmware Fault Tolerance können Anwender ausfallsichere Systeme aufbauen. Dazu wird eine Schattenkopier einer VM erzeugt. Das Duplikat übernimmt bei Ausfall der Virtual Machine deren Funktion und erzeugt automatisch eine neue Sicherungskopie.

Vshield Zones stellen Firewalls bereit, und zwar über Single-Host-Grenzen hinweg. Auf diese Weise werden virtualisierte und »echte« IT-Systeme geschützt. Verlagert der IT-Manager eine VM mithilfe des Management-Tools Vmotion, wandern die Sicherheitseinstellungen (Policies) mit. Ab dem zweiten Halbjahr bietet Vmware zudem mit der Vcenter Suite eine erweiterte Version der Software bereit, mit der sich virtualisierte IT-Umgebungen verwalten lassen. Auch kleine Unternehmen angesprochen

Mit Vsphere 4 will Vmware nicht nur Großunternehmen, sondern auch kleine und mittelständische Firmen ansprechen. Für sie ist die »Essentials«-Version gedacht. Sie ist für bis zu drei Server-Hosts ausgelegt und kostet inklusive Management 995 Dollar. Die »Plus«-Variante mit Data-Recovery-Funktionen und erhöhter Ausfallsicherheit ist für rund 3000 Dollar zu haben. Auch sie ist auf drei Server beschränkt.

Die Preise der einzelnen Vsphere-Versionen

Die Versionen mit unbeschränkter Server-Zahl kosten zwischen 795 Dollar (»Standard«) und 3495 Dollar (»Enterprise Plus«). Ein Bestandteil der Enterprise-Plus-Ausgabe ist ein Virtual Switch.

Die Softwarepakete sind allerdings noch nicht erhältlich. Sie sollen noch im Lauf des zweiten Quartals über die Partner von Vmware verfügbar sein.

[1] http://www.vmware.com/de
[2] http://aws.amazon.com/ec2/
[3] http://www.cisco.de/

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