Virtual-Desktop-Infrastructure in Betracht ziehen:
Praxis: Nicht nur auf die Stromkosten im Rechenzentrum schielen

von Werner Veith (werner.veith@networkcomputing.de)

07.04.2009

Unternehmen unterschätzen die Energiekosten im Büro. Sie machen neben dem Rechenzentrum einen fast gleich großen Posten aus. Deshalb lohnt es sich, hier für ein Green-Office anzusetzen und etwa bei der Beschaffung genauer hinzuschauen.

Den Stromverbrauch von IT-Geräten im Büro haben viele Unternehmen nicht im Fokus. Sie unterschätzen die Höhe, den dieser im Vergleich zu den Kosten für das Rechenzentrum ausmacht. Außerdem kommt hinzu, dass die Stromkosten hier oft nicht im IT-Budget auflaufen, sondern bei der Gebäudeverwaltung. Nun hat das Analystenhaus Experton [1] ermittelt, dass der Stromverbrauch der Büro-IT je nach Unternehmen zwischen 40 und 60 Prozent der Gesamt-IT liegt. Als mögliche Maßnahmen schlagen die Analysten vor, bei Ersatzinvestitionen auf energiesparende Hardware zu achten. Viel verspricht sich das Unternehmen auch vom Desktop-Management, um gezielt Clients ein- und auszuschalten. Daneben sollten sich Unternehmen auch das Thin-Client-Konzept anschauen. Außerdem gibt es da noch das Thema Druckerkonsolidierung.

Verteilung der IT-Stromkosten im Unternehmen

Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten rechnet sich ein kompletter Austausch der Hardware nicht. Daher sollten Unternehmen etwa bei Ersatzinvestitionen auf energiesparende Komponenten achten. Bei neuer Hardware ist es wichtig, dass diese für die Aufgaben angemessen ist.

Für Büroarbeitsplätze kann die Grafikkartenleistung eher gering sein. CPUs mit zwei Kernen und niedriger Taktzahl reichen meistens aus. Notebooks verbrauchen nach wie vor weniger Energie als Desktops. Es rechnet sich aber nach Experton nur, wenn die Mitarbeiter damit auch effizienter arbeiten.

Mit Hilfe einer Desktop-Management-Software lassen sich gezielt Rechner ein- und ausschalten, um etwa Software außerhalb der Arbeitszeiten zu installieren. Allerdings werden solche Instrumente nach wie vor wenig genutzt. Die Druckerkonsolidierung ist dagegen nicht nur ein Instrument, um weniger Energie zu verbrauchen, sondern auch ein politisches Thema. Es empfiehlt sich, dass Thema nur mit der klaren Unterstützung durch die Geschäftsführung anzugehen.

Mit der Virtual-Desktop-Infrastruktur (VDI) geraten auch Thin-Clients wieder mehr in das Blickfeld. Die Geräte verbrauchen deutlich weniger Energie als PCs. Auf der anderen Seite muss aber auch eine entsprechende Serverinfrastruktur bereitstehen. Deshalb gilt es, sowohl Energie- als auch Betriebskosten auf Client- und Serverseite vor einer Entscheidung zu berechnen. Zudem hängt es immer vom konkreten Fall ab, ob eine VDI überhaupt Sinn macht.

Experton fordert, an ein Green-Office-Projekt die gleichen Anforderungen wie bei einem im Rechenzentrum zu stellen. Dazu gehören, den Energieverbrauch deutlich zu senken und die Betriebskosten für die Infrastruktur zu verringern oder zumindest nicht erhöhen. Außerdem muss sich das ganze wirtschaftlich rechnen.

[1] http://www.experton-group.de/

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