Schon Kalt- und Warmgänge helfen viel:
Energie sparen im RZ: Hier sollte ein Unternehmen anfangen
Bei Green-IT im Rechenzentrum denken viele zuerst an den Energieverbrauch der IT-Ausrüstung. Doch die Klimatechnik ist die deutlich größere Verbrauchsgruppe. Hier lässt sich mit einfachen Maßnahmen schon einiges erreichen.
(Fortsetzung des Artikels von Seite 1)
Im Rechenzentrum Energie sparen, kann zur puren Überlebensstrategie werden. Denn so hat sich ein städtischer Energieversorger geweigert, dem RZ mehr Strom zu liefern. Dies wiederum hat dessen Ausbau in Frage gestellt. Um aber Energie einzusparen, ist es wichtig, die größten Verbrauchsgruppen zu kennen, denn dort ist der Einspareffekt naturgemäß am größten. Hier kommt vielen vermutlich die IT-Ausrüstung im Rechenzentrum (RZ) als erstes in den Sinn. Nach einer Untersuchung von Experton [1] ist dies aber nicht die größte Gruppe: Mit 45 Prozent am gesamten Energiebedarf steht die Klimatechnik vorne. Die IT-Ausrüstung folgt erst mit 30 Prozent. Ein großer Einzelposten sind zudem die USV-Anlagen mit 18 Prozent. Daher empfehlen die Analysten, zuerst diese drei Bereiche zu analysieren. Daneben gibt Experton den Rat, zuvor zu prüfen, ob es sich bei mehreren Rechenzentren nicht lohnt, eines oder mehrere zu schließen.
Energieverbrauch eines typischen Rechenzentrums
Klimatechnik hat nicht nur den größten Energieposten. Hier lassen sich mit relativ einfachen Mittel schon spürbare Verbesserungen erzielen. Dazu gehört etwa, dass die Racks so stehen, dass sich Kalt- und Warmgänge bilden. Weiter hilft es, die die doppelten Böden an den Kabeldurchlässen und zu den Racks abzudichten.
Etwas Geld kostet es dagegen, Daten- und Stromleitungen aus den Doppelböden herauszunehmen. Der Spareffekt ist aber deutlich größer als die Kosten. Daneben kann ein Unternehmen Kaltgangeinhausungen einrichten. Dies verhindert, dass sich kalte und warme Luft vermischen. Weiter sollte die Warmluft an besonders kritischen Racks wie Blade-Servern oder Netzwerkkomponenten direkt abfließen.
Daneben nennt Experton ein paar Maßnahmen wie die Nutzung freier Kühlung, von kaltem Grundwasser, direkter Gerätekühlung oder von Wasser statt Luft. Hier empfiehlt es aber, vorher mindestens eine Wirtschaftlichkeitsanalyse durchzuführen.
Die Virtualisierung von Servern und Storage nennen die Analysten als erste Maßnahme, was die IT-Ausrüstung anbelangt. In diesem Bereich gibt es eher keine einfachen Maßnahmen. Auch bei der Beschaffung kann ein Unternehmen auf den Energieverbrauch der Komponenten achten. Es gibt aber wenige Herstellerangaben, die sich vergleichen lassen. Daher muss die IT-Abteilung hier messen. Auch Alt-Systeme sollten abgeschaltet werden, wenn sie nur wenig oder gar nicht genutzt werden. Dies kann aber oft auch eine politische Frage sein.
Bei den USV-Systemen gibt Experton überhaupt keine direkten Empfehlungen, wie sich hier sparen lässt. Hier muss ein Unternehmen für sich ausrechnen, was für eine USV-Lösung sich rechnet. Die Analysten unterscheiden hier zwischen Batterie- beziehungsweise Akkumulatoren-Speicher und Rotationlösungen. Beide haben ihre Vor- und Nachteile.
Bei Rotationslösungen ist der Wirkungsgrad deutlich höher als bei Batteriesystemen. Hier wird die durch Rotation gespeicherte Energie genutzt, um das RZ zwischen 10 und 30 Sekunden lang mit Strom zu versorgen. Bis dahin muss das Notstromaggregat gestartet sein. Für Experton stellt dies nur eine praktische Lösung dar, wenn Abwärme aus der IT oder der Produktion genutzt wird, um die Notstromaggregate vorzuheizen.
Früher sind mehrere, dezentrale Rechenzentren entstanden, weil die TK-Kosten hoch und die verfügbare Bandbreite beschränkt war. Diese Einschränkungen gibt es heute so nicht mehr. Daher lohnt es sich, darüber nachzudenken, RZs einzusparen. Allerdings ist ein Umzug meisten nicht einfach und erfordert meistens, das zentrale RZ entsprechend vorzubereiten.
[1] http://www.experton-group.de/
- 1. Seite: Energie sparen im RZ: Hier sollte ein Unternehmen anfangen
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