Reine Kostenbetrachtung greift zu kurz:
Das sind die Risiken der Virtualisierung

von Werner Veith (werner.veith@networkcomputing.de), vu

24.03.2009

Den Nutzen der Virtualisierung kennt jeder. Unternehmen unterschätzten aber die Risiken dabei, so Statements von Hewlett-Packard, Logica oder Redhat. Eine einseitige Virtualisierung von Servern oder Speicher spart zwar Kosten, verfehlt letztlich aber das Ziel.

(Fortsetzung des Artikels von Seite 4)

Network Computing sprach mit Datacore Software [1], Hewlett-Packard [2], Logica [3], Redhat [4] und Siemens [5] über Virtualisierung. Fällt ein Unternehmen die Entscheidung über Server- und Speichervirtualisierung rein aus Kostengründen, greift dies zu kurz. Einen umfassenden Nutzen gibt es nur, wenn beides gemacht wird. Einen Schleichweg, um die dabei entstehende Komplexität zu umgehen, gibt es nicht!

Lesen Sie im Folgenden den zweiten Teil der Statements. Den ersten Abschnitt finden Sie ebenfalls auf Networkcomputing.de [6]. Die Aussagen erschienen auch in den IT-Solutions Storage IV/2008, S.6f.

Network Computing: Was macht die Virtualisierung von Servern- und Speichern für die Unternehmen so interessant?

Jan Wildeboer, E/ME/A-Evangelist bei Redhat

Jan Wildeboer, E/ME/A-Evangelist bei Redhat: »Geschäftsprozessverbesserung lässt sich ohne Virtualisierung von Server- und Speicherkapazitäten nicht planen und umsetzen. Die Verbesserung fordert den Unternehmen eine größere Flexibilität, Dynamik und Performance bei der Zuweisung der IT-Kapazitäten ab. Spätestens mit Web-Services, die selbstständig interagieren, wird diese Zuweisung automatisch im Hintergrund erfolgen müssen. Die Virtualisierung ist sowohl Trend als auch ein Muss.«

Wolfgang Möller, Senior-Consultant Virtualisierung bei Logica: »Die Virtualisierung wichtiger IT-Ressourcen ist doppelt wichtig: Erstens lassen dadurch diese deutlich wirtschaftlicher ausschöpfen. Zweitens macht die Virtualisierung eine dynamische Zuweisung von IT-Ressourcen möglich. Die ist für angepasste Geschäftsprozesse unverzichtbar, die ihre Funktionen und Informationen aus mehreren Applikationen und Datenbasen beziehen.«

Network Computing: Auf welcher Seite, Server oder Speicher, sehen Sie durch die Virtualisierung die größeren Einsparungspotenziale?

Michael Garri, Business-Unit Enterprise-Server bei HP Deutschland

Michael Garri, Business-Unit Enterprise-Server bei HP Deutschland: »Ich rate dazu, die Server- und Speicher-Virtualisierung ganzheitlich zu betrachten und anzugehen. Angepassten Geschäftsprozessen darf es weder an den Server- noch an den Speicherkapazitäten fehlen. Deshalb greift eine reine Einsparungsbetrachtung auf der einen oder anderen Seite zu kurz. Aus der würden aber mit Sicherheit die Server als Sieger hervorgehen, ohne Virtualisierung bei weitem aber nicht ausgenutzt.«

Wildeboer: »Die meisten Server-Kapazitäten liegen ohne Virtualisierung fast immer brach. Deshalb rentiert sich eine Virtualisierung für die Unternehmen auf dieser Seite besonders. Das liegt auch daran, dass Speichermedien wie Online-Festplatten ihrerseits auf Servern residieren. Eine reine Kostenbetrachtung ist dennoch zu wenig. Denn verbesserte Geschäftsprozesse erfordern sowohl virtualisierte Server als auch virtualisierte Speicher.«

Network Computing: Auf welcher Seite, Server oder Speicher, sehen Sie durch die Virtualisierung die größeren Nutzenpotenziale?

Peter Arbitter, Leiter Portfolio und Technologie-Management bei Siemens IT Solutions and Services

Peter Arbitter, Leiter Portfolio und Technologie-Management bei Siemens IT Solutions and Services: »Der Nutzen ist das Produkt aus beidem: der Virtualisierung von Server- und Speicher-Ressourcen. Wenn verbesserte, onlinefähige Geschäftsprozesse nie ins Stocken geraten sollen, muss die Zuordnung beider Ressourcen jederzeit anstandslos funktionieren. Aus dem Kostenblickwinkel heraus ist die Bestimmung eines Favoriten zwar möglich. Die Nutzen-Leistungsbetrachtung lässt aber auf keiner Seite Kompromisse zu.«

Garri: »Das Prinzip, IT-Ressourcen auf logischer Ebene zuzuordnen, wirkt im Gesamtkonzept am Besten. Nur mit einer ganzheitlichen Betrachtung von Server- und Speicherkapazitäten wird ein größtmöglicher Nutzen erreichbar sein. Zumal eine durchgehende Virtualisierung weitere Nutzungspotenziale erschließt. Dadurch können auch IT-Prozesse besser automatisch ablaufen, also effizienter gestaltet werden.«

Network Computing: Wie hoch erachten Sie den Projektaufwand, um die Virtualisierung auf der einen oder anderen Seite umzusetzen?

Wolfgang Möller, Senior-Consultant Virtualisierung bei Logica

Möller: »Durch die Einführung einer logischen Zuordnungs- und Ausführungsschicht wird das Projekt zweifellos aufwändiger. Das gilt sowohl für die Server- als auch die Speicherseite. Dabei fällt der Projektaufwand tendenziell auf der Storage-Seite höher aus. Das liegt an komplexen Infrastrukturen wie SAN, gegebenenfalls kombiniert mit NAS, und der Vielzahl an Zusatzwerkzeugen.«

Siegfried Betke, Director Central-Europe bei Datacore Software: »Der Aufwand für die Speichervirtualisierung bewegt sich im Rahmen eines Umstiegs von einem auf das andere Speichersystem. Bleibt ein Unternehmen bei der Virtualisierung, ist dies eine einmalige Sache.«

Network Computing: Mit welchen Aufwänden zur Absicherung von Hochverfügbarkeit und IT-Sicherheit für die zusätzliche logische Verbindungs- und Ausführungsschicht muss ein Unternehmen rechnen?

Siegfried Betke, Director Central-Europe bei Datacore Software

Betke: »Speichervirtualisierungsprojekte sind zu über 90 Prozent High-Availability-Projekte (HA). Wie in jedem guten HA- und DR-Projekt (Disaster-Recovery) liegt der größte Teil des Aufwands in der Planung. Wenn solche Projekte sauber geplant sind, dann ergeben sich im laufenden Betrieb keine zusätzlichen Aufwände.«

Arbitter: »Je intelligenter die Ebene und die Funktionen sind, um so größer ist der Aufwand. Das gilt auch für die Planung und Umsetzung von Hochverfügbarkeit und IT-Sicherheit im virtuellen Verbund. Das einzige, was von dieser Komplexität und dem damit verbunden Aufwand einigermaßen befreit, ist viel Know-how und Erfahrung mit solchen Landschaften. Dann fallen HV- und Sicherheitsmaßnahmen weniger aufwändig aus.«

[1] http://www.datacore.de/
[2] http://www.hewlett-packard.de/
[3] http://www.logica.com/germany
[4] http://www.redhat.de/
[5] http://www.siemens.de/
[6] virtualisierung-nutzen-mit-hoher-komplexitaet-verbunden-teil-1/

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