Data-Center-Konzept:
Cisco will mit »Unified Computing« das Rechenzentrum revolutionieren

von Bernd Reder (bernd.reder@networkcomputing.de)

17.03.2009

Um 20 bis 30 Prozent niedrigere Kosten verspricht Cisco Anwendern, die auf das »Unified-Computing«-Konzept des Netzwerkherstellers setzen. Das Kernstück des Ansatzes ist die Kombination von Blade-Servern, 10-Gigabit-Ethernet, Virtualisierungsfunktionen und Schnittstellen zu Storage-Geräten.

Ob Cisco [1] nun mit »Unified Computing« das Rechenzentrum völlig neu definiert hat, wie das Firmenchef John Chambers bei der Präsentation des Konzepts gestern sagte, sei dahin gestellt. Mit dem »Unified Computing System« (UCS) stellt der weltweit größte Hersteller von Netzwerkausrüstung einen Ansatz vor, der mit dem Wildwuchs von Systemen und Technologien im Data-Center Schluss machen soll.

Die Komponenten von Ciscos Unified-Computing-System: Die Basis bilden Fabric-Interconnect-Switches und Blade-Server.

Nach Angaben von Cisco lassen sich durch die Zusammenfassung von Servern, Netzwerkkomponenten, Schnittstellen zu Storage-Area-Networks und Speichersystemen alleine bei den Anschaffungskosten rund 20 bis 30 Prozent sparen.

Die Basis von Unified Computing sind »Fabric-Interconnect-Switches« der Reihe USCS 6100. Sie unterstützten 10-Gigabit-Ethernet und lassen sich mit Modulen für Fibre-Channel (FC) ausrüsten. Cisco bietet zwei Switches an: einen mit 20 Ports (eine Höheneinheit) und einen mit 40 Ports (2 HE).

Über die Switches kann ein Unified-Computing-System die Verbindung zu Storage-Geräten herstellen, und zwar über Ethernet- und FC-Verbindungen, Fibre Channel over Ethernet (FCoE) oder iSCSI.

Blade-Server mit »Xeon«-Prozessoren

Die wohl wichtigste Ankündigung im Rahmen von Unified Computing betrifft jedoch ein Chassis und dazu passende Einschübe für Blade-Server. Damit steigt Cisco in den Server-Markt ein, was allerdings den führenden Blade-Server-Anbietern IBM [2] und Hewlett-Packard [3] nicht gefallen dürfte.

Ein UCS-5100-Blade-Server-Chassis kann bis zu acht Server-Blades aufnehmen.

Das UCS-5100-Series-Blade-Server-Chassis (6 HE) fasst bis zu acht Server-Blades und zwei Fabric-Extender. Das Gehäuse bietet Platz für bis zu 40 Server. Die UCS-2100-Fabric-Extender sind Schnittstellenkarten mit bis zu vier 10-GBit/s-Interfaces. Sie verbinden die Blades mit dem Fabric-Interconnect.

Zur Wahl stehen zwei UCS-B-Series-Blades, beide auf Basis von »Xeon«-Prozessoren von Intel. Bei den CPUs handelt es sich um die Server-Versionen der Core-i7-Modelle, die Intel Ende März offiziell vorstellen wird. Neben einem Modell mit vier CPUs bietet Cisco eines mit acht Prozessoren an.

Fünftes Element des UCS-Produktportfolios sind Netzwerkadapter im Mezzanine-Formfaktor. Sie sind laut Cisco speziell für Anwendungen im Bereich Virtualisierung optimiert.

Steuerung über UCS-Manager

Fehlt noch eine Steuerzentrale für die genannten Komponenten. Diese Funktion übernimmt »UCS Manager«. Mithilfe der Software kann der Administrator Service-Profile erstellen, die für bestimmte Anwendungen Server- und I/O-Kapazitäten bereitstellen, auch in virtualisierter Form. Gespeichert werden diese Profile in den UCS-6100-Fabric-Interconnects.

Die Management-Architektur von UCS

In den Profilen sind unter anderem hardwarenahe Informationen enthalten, etwa RAID-Level, BIOS-Einstellungen und Vorgaben für virtuelle LANs (VLANs) und VSANS (virtuelle Storage Area Networks), zudem Quality-of-Service-Anforderungen.

Damit, so Cisco, lassen sich einheitliche Richtlinien für Anwendungen oder Services festlegen und gewissermaßen auf die System- und Netzwerk-Hardware »abbilden«. Solche Templates erleichtern es dem Systemverwalter, bis zu 320 Blade-Server und die darauf installierten Virtual Machines zu konfigurieren. UCS unterstützt die Virtualisierungssoftware von Vmware, Microsoft (Hyper-V) und Citrix (Xen).

Gegen Hewlett-Packard und IBM

»Wir konzentrieren uns nicht auf den Mitbewerb, sondern darauf, wohin sich der Markt bewegt«, sagte Ciscos Chief Executive Officer John Chambers bei der Vorstellung von Unified Computing. Klar ist jedoch, dass das Unternehmen mit dem neuen Ansatz sehr wohl auf Konkurrenten zielt, speziell auf Hewlett-Packard sowie IBM und Juniper Networks.

Die beiden letztgenannten Unternehmen sind derzeit dabei, im Rahmen des »Stratus«-Projekts eine vergleichbare Architektur zu entwickeln. Allerdings dürfte diese erst 2010 oder 2011 marktreif sein.

HP wiederum hat Einzelkomponenten, aus denen sich eine UCS-ähnliche Infrastruktur zusammenbauen ließe. Mit »Virtual Connect« verfügt das Unternehmen zudem über eine Technik, mit der sich I/O-Schnittstellen virtualisieren und nach Bedarf Systemen und Anwendungen zur Verfügung stellen lassen.

Bislang hat HP allerdings keine Anstalten gemacht, Server, Storage-Geräte, die Netzwerksysteme der »Procurve«-Serie und Virtualisierungslösungen in einer Architektur zusammenzufassen. Möglicherweise liefert nun Cisco den Anstoß, das nachzuholen

[1] http://www.cisco.de
[2] http://www.ibm.com
[3] http://www.hp.com/de