Thema der Woche: Kosten und Nutzen bei Virtualisierung:
Virtualisierung: Nutzen mit hoher Komplexität verbunden, Teil 1
Virtualisierung von Servern und Storage ist eine komplexe Angelegenheit. Da stellt sich die Frage nach den Kosten und dem Nutzen des Ganzen. Statements von Unternehmen betonen zwar, dass Virtualisierung sinnvoll ist. Sie verschweigen aber auch nicht die Komplexität des Vorhabens.
Network Computing sprach mit Datacore Software [1], Hewlett-Packard [2], Logica [3], Redhat [4] und Siemens [5] über Virtualisierung unter dem Blickwinkel von Kosten und Nutzen. Sie alle sehen den Nutzen und die Einsparungspotenziale. Sie verschweigen aber auch nicht, dass sich ein Unternehmen damit eine gewisse Komplexität einhandelt. Hinzu kommt, dass für die meisten nur eine gemeinsame Virtualisierung von Servern und Storage einen Sinn macht. Lesen Sie im Folgenden den ersten Teil der Statements. Die Aussagen erschienen auch in den IT-Solutions Storage IV/2008, S.6f.
Network Computing: Was macht die Virtualisierung von Servern- und Speichern für die Unternehmen so interessant?
Siegfried Betke, Director Central-Europe bei Datacore Software
Siegfried Betke, Director Central-Europe bei Datacore Software: »Mit der Virtualisierung sind Einsparungen möglich. Auch die Administration vereinfacht sich mit virtuellen Speichern und Servern. Administratoren finden die gleichen virtuellen Hardware-Nutzungsoberflächen vor. Sie müssen sich nicht mit jeder neuen Hardware in neue Treiber-, Firmware und Bios-Stände einarbeiten. Dadurch verbessert die komplette Virtualisierung die Nutzung der IT wesentlich bis hin zu einer vollständigen Automation.«
Michael Garri, Business-Unit Enterprise-Server bei HP Deutschland: »Die Virtualisierung passt ins Kostenbild, mit Blick auf die Verbesserung von Geschäftsprozessen auch ins Leistungsbild. Beides macht die Server- und Speichervirtualisierung für die Unternehmen so interessant. Das Ergebnis: Mehr Leistung – Dynamik und Flexibilität – bei der Ressourcenzuweisung zu niedrigeren Kosten. Zudem fügt sich die Virtualisierung der IT-Ressourcen durch die Energieeinsparungen ins Bild einer Green-IT ein.«
Peter Arbitter, Leiter Portfolio und Technologie-Management bei Siemens IT Solutions and Services: »Die Virtualisierung ist die logische Fortsetzung der Konsolidierung, also Zentralisierung von Servern und Speichersystemen. In der Form eines Pool lässt sich durch Virtualisierung die Effizienz und Effektivität beider Ressourcen erheblich steigern. Das Prinzip des Abrufs von Kapazitäten auf logischer Schicht sollte aber hinreichend durchdrungen werden. Letztlich sind die darunter liegenden physikalischen Kapazitäten entscheidend.«
Network Computing: Auf welcher Seite, Server oder Speicher, sehen Sie durch die Virtualisierung die größeren Einsparungspotenziale?
Wolfgang Möller, Senior-Consultant Virtualisierung bei Logica
Wolfgang Möller, Senior-Consultant Virtualisierung bei Logica: »Die Server werden heute in den Unternehmen meist nur zu einem sehr niedrigen Grad genutzt. Kenner der Szene gehen von einem Auslastungsgrad von lediglich 15 bis 25 Prozent aus. Deshalb schlummern in der Virtualisierung von Servern die größeren Einsparungspotenziale. Auf der Storage-Seite verringern neben der höheren Auslastung der Preisverfall bei den Speicherträgern über die letzten Jahre das Einsparungspotenzial.«
Betke: »Ungenutzte Rechnerkapazität ist Verschwendung. Hier bringt die Server-Virtualisierung eine Ersparnis im Energieverbrauch und im benötigten Platz. Trotz des Preisverfalls bei Speicher steigen die Ausgaben durch das Wachstum der Datenmenge kontinuierlich. Mit Technologien wie Thin-Provisioning kann diesem Trend entgegengewirkt werden. In Verbindung mit reduzierten Kosten für Energie und Platz wird mehr eingespart.«
Arbitter: »Das Einsparungspotenzial ist bei den Servern deutlich höher. Das liegt daran, dass ohne Virtualisierung die Kapazitäten des Server-Parks an den Lastspitzen ausgerichtet werden muss. Das heißt, manche Server kommen nur zu diesen Spitzenzeiten zum Einsatz. Genau diese Kapazitätsvergeudung lässt sich durch Virtualisierung erheblich reduzieren. Komplette Server lassen sich damit flexibel zuordnen.«
Network Computing: Auf welcher Seite, Server oder Speicher, sehen Sie durch die Virtualisierung die größeren Nutzenpotenziale?
Jan Wildeboer, E/ME/A-Evangelist bei Redhat
Jan Wildeboer, E/ME/A-Evangelist bei Redhat: »Der größere Nutzen entsteht zwischen virtualisierten Servern und Speichern. Zumal dieses Zusammenspiel für geschäftskritische und verzögerungsempfindliche Geschäftsprozesse unverzichtbar ist. Leistung ohne Kostenreue gibt es also nur im virtualisierten Verbund. Eine Schlüsselposition dafür nimmt die Server-Seite ein. Sie sollte sich wie bei der Redhat-Enterprise-Linux-5-Advanced-Platform durch große Leistung auszeichnen.«
Betke: »Mit der Speichervirtualisierung werden alle Storagefunktionen auf eine virtuelle Ebene gehoben. Damit ist das Nutzenpotential größer und es wird einfacher, Speicher-Grids aufzubauen.«
Möller: »Der Nutzen fällt auf beiden Seiten gleich hoch aus, nämlich mehr Flexibilität, Dynamik, Performance und Verfügbarkeit. Das muss er auch, um den größeren Anforderungen an möglichst gute Geschäftsprozesse folgen zu können. Zudem steigert sich der Nutzen wechselseitig. Wenn beispielsweise Server-Kapazitäten immer sehr schnell zur Verfügung stehen, profitieren davon auch die Primär-Speicher auf den Servern.«
Network Computing: Wie hoch erachten Sie den Projektaufwand, um die Virtualisierung auf der einen oder anderen Seite umzusetzen?
Peter Arbitter, Leiter Portfolio und Technologie-Management bei Siemens IT Solutions and Services
Arbitter: »Was mit der Virtualisierung von Servern und Speichern zwangsläufig wächst, ist die Systemkomplexität. Zur physikalischen Zuordnung gesellt sich die logische. Deshalb gehört das Virtualisierungsprojekt unbedingt in fachmännische Hände, damit die hohe Komplexität nicht auf Kosten der Verfügbarkeit und Performance geht. Auch nach dem Projekt ist Spezialisten-Know-how erforderlich, um das Gesamtgebilde zuverlässig zu betreiben.«
Garri: »Die Virtualisierung muss auf beiden Seiten konzeptionell und technisch betrachtet werden. Das ist mit Zeit- und Kostenaufwand verbunden. Besonders die Planung und Realisierung einer virtualisierten Speicherlandschaft stellt hohe Ansprüche an die Projektplaner. Zumal diese nahtlos mit der virtualisierten Server-Infrastruktur auf logischer Ebene harmonieren muss. Diese Kosten sollten vorab einkalkuliert werden.«
Wildeboer: »Virtualisierung macht nur im Ganzen Sinn. Das Alles muss professionell geplant und umgesetzt werden. Die Logik zwischen den IT-Ressourcen führt zu mehr Komplexität, demzufolge zu größeren Aufwänden bei der Projektierung. Komplexität und Aufwand reduzieren sich, wenn der Hersteller Vorarbeit geleistet hat, indem er Cluster-File-Systemen in die virtualisierte Server-Infrastruktur integriert hat. Weiter gehört dazu der Einsatz von Open-Source.«
Network Computing: Mit welchen Aufwänden zur Absicherung von Hochverfügbarkeit und IT-Sicherheit für die zusätzliche logische Verbindungs- und Ausführungsschicht muss ein Unternehmen rechnen?
Michael Garri, Business-Unit Enterprise-Server bei HP Deutschland
Garri: »Mit der Virtualisierung wird eine logische Schicht eingeführt. Das setzt in puncto Hochverfügbarkeit (HV) zusätzliche Konzepte, Mechanismen und Arbeiten voraus und führt somit zu zusätzlichem Aufwand. Nicht anders ist es mit der IT-Sicherheit, um die logische Schicht vor Angriffen jeder Art zu schützen. Die höhere Komplexität virtualisierter Landschaften erweist sich also auch bei HV und IT-Sicherheit als Aufwandtreiber.«
Möller: »Der Aufwand für die flankierenden Maßnahmen für Hochverfügbarkeit und IT-Sicherheit sollte nicht unterschätzt werden. Auch das Management virtueller Systeme mit ihrem komplexen logischen Beziehungsgeflecht verursacht erst einmal Extra-Aufwände und -Kosten. Dafür kann sich das Resultat sehen lassen: eine doppelt abgesicherte virtuelle Infrastruktur und schlanke, beschleunigte IT-Prozesse. Auch das erspart später Kosten, direkt wie indirekt.«
Wildeboer: »Die höhere Komplexität schlägt auch auf diese Maßnahmen durch. Zusätzliche Aufwände sowie Kosten sind die Folgen, einschließlich für den Produktkauf. Aber auch hier gibt es Unterschiede. Bewegen sich die Projektierer im eng begrenzten Produktbereich eines oder nur weniger Hersteller mit ihren spezifischen Schnittstellen? Oder können sie über Open-Source auf offene Schnittstellen und freie Produktauswahl bauen?«
[1] http://www.datacore.de/
[2] http://www.hewlett-packard.de/
[3] http://www.logica.com/germany
[4] http://www.redhat.de/
[5] http://www.siemens.de/
- 1. Seite: Virtualisierung: Nutzen mit hoher Komplexität verbunden, Teil 1
- 2. Seite: Virtualisierung: Nutzen mit hoher Komplexität verbunden, Teil 1 (Fortsetzung)
- 3. Seite: Virtualisierung: Nutzen mit hoher Komplexität verbunden, Teil 1 (Fortsetzung)
- 4. Seite: Virtualisierung: Nutzen mit hoher Komplexität verbunden, Teil 1 (Fortsetzung)
- 5. Seite: Virtualisierung: Nutzen mit hoher Komplexität verbunden, Teil 1 (Fortsetzung)
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