Thema der Woche: Services entscheidend für Carrier bei Unified-Communications:
Das Problem sind die Carrier, Teil 2
Für einige Anbieter sind lokale Netze bei Unified-Communications & Collaboration (UCC) weniger das Problem. Handlungsbedarf sehen sie vor allem im WAN und beim Mobilfunk. Die Schwerpunkte dabei sind allerdings unterschiedlich.
Network Computing sprach mit Alcatel-Lucent [1], Helpline [2], Logica [3], Reliance Globalcom [4], Siemens IT-Solutions and Services [5] und T-Systems [6] über Unified-Communications & Collaboration (UCC). In ihren Statements schieben sie vor allem Service- und Mobilfunk-Providern den schwarzen Peter zu. Hier ist in ihren Augen großer Handlungsbedarf. Lesen Sie im Folgenden den zweiten Teil der Aussagen. Den ersten Abschnitt finden Sie auf Networkcomputing.de [7].
Network Computing: Wie bewerten Sie die Kommunikationsvoraussetzungen für konvergente Echtzeit-Ströme innerhalb der lokalen Firmennetze?
Thomas Gläsner, Practice-Manager Strategy & Business-Transformation bei Logica
Thomas Gläsner, Practice-Manager Strategy & Business-Transformation bei Logica: »Mit der Verbesserung von Geschäftsprozessen rücken Ende-zu-Ende-Abläufe und -Qualitäten in den Fokus der Entscheider. Das gilt besonders für Prozesse mit integrierten Echtzeit-Sprach- und -Videoströmen. So besehen mögen die Bandbreitenvoraussetzungen im LAN noch so gut sein. Die Performance und Qualität steht und fällt mit dem schwächsten Glied entlang der Ausführungskette, also den WAN- und mobilen Verbindungen.«
Frank Westermann, verantwortlich für Strategie und Marketing-Kommunikation Telekommunikation bei T-Systems
Frank Westermann, verantwortlich für Strategie und Marketing-Kommunikation Telekommunikation bei T-Systems: »Viele Unternehmen haben im LAN inzwischen die Bandbreite sukzessiv mit Hilfe Ethernet-Technologien vergrößert: 100 MBit/s am Endgerät sind hier Standard. Rechner mit großer Belastung werden zum Teil sogar mit 1 GBit/s angebunden. Von diesen guten Voraussetzungen profitieren natürlich gerade solche Applikationen wie Unified-Communications & Collaboration (UCC) oder Video-Konferenzen.«
Jürgen Sebulke, Experte für Unified-Communications bei Siemens IT-Solutions and Services: »Innerhalb lokaler Netzwerke ist Bandbreite nahezu unbegrenzt verfügbar. Unternehmen können entsprechende Managementlösungen einsetzen, um eine hohe Verfügbarkeit und Performance der LAN-Verbindungen zu erzielen. Damit stellen sie auch die darauf laufenden Anwendungen wie Unified Communications & Collaboration sicher. Hochwertige Service-Levels nach Maß lassen sich dadurch problemlos realisieren.«
Network Computing: Wie sehen die Voraussetzungen für UCC in den Weitverkehrsnetzen aus?
Jürgen Sebulke, Experte für Unified-Communications bei Siemens IT-Solutions and Services
Sebulke: »Für Unternehmen ist es wichtig, dass die Mitarbeiter flexibel agieren können. Die Voraussetzungen dafür sind in der Fläche geschaffen. Zumal in der Kombination von Daten und Audio für die Unternehmen die größeren Kosten- und Leistungsvorteile stecken. Bandbreiten-intensive Video-Konferenzen oder Online-Collaboration sollten Firmen nur dort einsetzen, wo es sinnvoll ist.«
Ingo Wupper, Director Solutions-Consulting Central-Europe bei Reliance Globalcom: »Im WAN bestehen andere Anforderungen als im LAN, so bei Verzögerung und Bandbreite. Beide müssen aber ineinander greifen, um die Applikationen auf den höheren Schichten zu transportieren. Das erfordert eine Ende-zu-Ende-Betrachtung. Mit der Bereitstellung der richtigen Technologien an den einzelnen Standorten, ihrer Integration sowie fein steuerbaren dynamischen QoS lässt sich die nötige Leistung auch im WAN garantieren.«
Westermann: »Die Provider bauen die Bandbreite auf ihren Netzplattformen aus. Das betrifft die Verbindungen im Kernnetz via MPLS und die DSL-Abdeckungen in der Fläche. Parallel erweitern sie für eine höhere Verfügbarkeit die Managementfunktionen zügig. Netzmanagement und -Performance erlangen eine zentrale Bedeutung. Gerade hier muss investiert werden, um Echtzeit-Anwendungen auch ortsübergreifend performant zu halten.«
Network Computing: Wie sieht speziell bei den Anforderungen für drahtlose Kommunikation bei Prozessen mit integrierter Sprache und Video?
Dr. Jörg Fischer, Leiter für Strategische Geschäftsentwicklung bei Alcatel-Lucent in Deutschland
Fischer: »Geschäftsprozesse mit integrierten Echtzeitströmen sind besonders kritisch, was den Ablauf anbelangt. Demzufolge müssen die Mobilfunkanbieter zügig HSDPA ausbauen. Danach gilt es, in Richtung WLAN-Hotspots voranschreiten. Denn was nützt die höhere Geschwindigkeit in die eine Richtung, wenn sich die andere Richtung als Schnecke bei der Übertragung erweist. UMTS-Antwortzeiten von 21 Sekunden sind jedenfalls nicht tolerabel.«
Wupper: »Für Sprache und Daten ist die drahtlose Übertragung mittlerweile gut aufgestellt. Allerdings müssen die Dienste immer aus Sicht der Geschäftsanforderungen beurteilt werden: Welchen Mehrwert fügen sie der Lösung hinzu? GSM, Wimax oder Satellit lassen sich beispielsweise schnell an neuen Standorten implementieren. Die drahtlosen Verbindungen empfehlen sich auch für Backup-Verbindungen und Bandbreitenerweiterungen.«
Dirk Martin, geschäftsführender Gesellschafter der Software-Gruppe Helpline: »Bei den drahtlosen Verbindungen werden die Provider hinsichtlich der Bandbreite sowie einer garantierten Verfügbarkeit und Performance zulegen müssen. Sie werden den hohen Grad an Verfügbarkeit und Performance von leitungsgebundener Datenübertragung dennoch kaum erreichen können. Sie bieten möglichst gute Voraussetzung für Prozesse mit Sprach-, Daten- und Video-Integration.«
Network Computing: Was muss passieren, damit bei WAN- und drahtlosen Verbindungen die Kommunikation besser wird?
Dirk Martin, geschäftsführender Gesellschafter der Software-Gruppe Helpline
Martin: »Die Qualität von Kommunikations- und Geschäftsprozessen kann an räumlichen Grenzen scheitern. Damit dies nicht passiert, müssen in der Fläche ähnliche Qualitäts- und Servicemaßstäbe wie in den lokalen Netzwerken einkehren. Dabei ist einmal die mehr oder weniger große Professionalität der angebotenen Managed-Services entscheidend. Dazu gehört auch Bereitschaft der Provider, die erforderlichen Service-Levels ihrer Kunden auf Prozessebene aufzunehmen.«
Gläsner: »Die Service-Provider werden ihre Aufmerksamkeit wieder vermehrt dem Business-Markt widmen müssen. Viele von ihnen erachten mittlerweile den Konsumentenmarkt mit geringeren Servicequalitäten als geschäftswichtiger. Nur mit dem professionellen Markt im Auge werden sie zum einen mehr für genügend Bandbreite tun. Zum anderen führt dieser Blick bei Service-Providern dies dann auch zu qualitativ hochwertigeren Diensten (Managed-Services) und mehr Leistungsverbindlichkeit gegenüber den Kunden.«
Westermann: »Service und Mobilfunk-Betreiber, die die Zeichen der Zeit erkannt haben, haben auf beiden Plattformen reagiert: Sie sichern die Verbindungen zusätzlich über Management- und Security-Funktionen ab. Die Unternehmen erwarten, dass die Performance exakt auf ihre sensiblen Echtzeit-Applikationen wie VoIP und SAP angepasst werden. Dafür bieten progressive Provider auch professionelle Lösungen zur WAN-Beschleunigung an.«
Network Computing: Was müssen die Provider zu den geforderten Verbesserungen beitragen?
Ingo Wupper, Director Solutions-Consulting Central-Europe bei Reliance Globalcom
Wupper: »Das wichtigste ist, einen guten Service zu liefern. Dazu muss das Netzwerk so gestaltet sein, dass es die Anforderungen des Unternehmens bedient und die Dienste mit hoher Qualität verwaltet und bereitgestellt werden. Dann lassen sich neue Technologien und Applikationen jederzeit in die Lösung integrieren.«
Fischer: »Sie werden vor allem in der Fläche im Anschlussbereich an Bandbreite zulegen müssen. Dazu bietet sich die FTTx-Technologie (Fiber-to-the-X) mit 100 MBit/s und mehr in beiden Richtungen an. Bisher sind es aber nicht die Großen, sondern einige City-Carrier, die vorangehen und investieren. Dazu gehören Netcologne (Köln), Hansenet (Hamburg) oder M-Net (München). VDSL mit bis zu 55 MBit/s ist keine Anschlussalternative, weil es Kupferleitungen einsetzt.«
Westermann: »Ich sehe die progressiven Anbieter vor allem gefordert, Aufklärungsarbeit zu leisten. Besonders groß ist der Informationsbedarf hinsichtlich Web 2.0 mit all seinen medialen Kommunikations- und Handlungsmöglichkeiten sowie den dafür notwendigen Kommunikationsvoraussetzungen. Wir folgen dieser Pflicht auf der Cebit mit unseren Webciety-Foren am 4. März, um dort über die sozialen, ökonomischen und technischen Auswirkungen zu informieren.«
Hadi Stiel ist freier Journalist in Bad Camberg.
[1] http://www.alcatel-lucent.com/wps/portal/!ut/p/kcxml/04_Sj9SPykssy0xPLMnMz0vM0Y_QjzKLd4w3cvUESUGYpvqRKGIG8Y4IkSB9b31fj_zcVP0A_YLc0IhyR0dFAP5IQE8!/delta/base64xml/L0lJayEvUUd3QndJQSEvNElVRkNBISEvNl9BXzVGMS9kZV9kZQ!!?lu_lang_code=de_DE&LMSG_CABINET=Corporat
[2] http://www.helpline.de/
[3] http://www.logica.com/germany-logica+home+page/350235585
[4] http://www.relianceglobalcom.com/
[5] http://www.it-solutions.siemens.com/b2b/it/de/deutschland
[6] http://www.t-systems.de/
[7] das-problem-sind-die-carrier/
- 1. Seite: Das Problem sind die Carrier, Teil 2
- 2. Seite: Das Problem sind die Carrier, Teil 2 (Fortsetzung)
- 3. Seite: Das Problem sind die Carrier, Teil 2 (Fortsetzung)
- 4. Seite: Das Problem sind die Carrier, Teil 2 (Fortsetzung)
- 5. Seite: Das Problem sind die Carrier, Teil 2 (Fortsetzung)
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