Sorgfältige Toolauswahl wichtig:
Kein Königsweg: Performance-Monitoring bei virtuellen Anwendungen

von Werner Veith (werner.veith@networkcomputing.de), Michael Biddick

19.02.2009

Mit der Virtualisierung erhöht sich die Komplexität bei Application-Perforamance-Management (APM) deutlich. Daher ist es wichtig, dass Unternehmen sich mit den passenden Tools ausrüsten. Es gibt für verschiedene Aufgabenbereiche Lösungen, aber kein Universalwerkzeug.

(Fortsetzung des Artikels von Seite 3)

Viele Hersteller haben den Fokus bisher eher auf reine Management-Tools für Virtualisierung gelegt. Dabei wird ihnen erst langsam klar, dass Anwender mehr Werkzeuge wollen, die sie in ihre bestehenden Management-Lösungen integrieren können. Unternehmen wollen nicht mit Virtualisierung ein weiteres Silo bekommen, nach dem sie gerade solche für Windows, Cisco oder Storage-Systeme beseitigt haben.

Vier Fragen an Hersteller für virtuelles Application-Performance-Management

1. Welche Virtualisierungsplattformen unterstützt das Produkt?

Viele Lösungen arbeiten nur mit Vmware zusammen. Besser ist es, einen Hersteller zu nehmen, der dies pragmatisch sieht.

2. Wie gelangen Performance-Daten von und zu der eigenen Management-Plattform?

Es wird unübersichtlicher, wenn das Management-Tool einen separaten Bildschirm verwendet. Dieser muss ebenfalls überwacht werden.

3. Welchen Funktionsumfang bietet die Lösung?

Als Basis-Funktion sollte es mindestens einen Alarm auslösen. Ausgereiftere Produkte rekonfigurieren zumindest die virtuelle Maschine.

4. Wie gut lässt sich die Lösung integrieren?

Tools von VM-Herstellern mögen nicht exakt für das eigene Netzwerk passen. Aber sie führen vielleicht komplizierte Aufgaben aus wie Suche und Zustands-Tracking von VMs.

Wenn Application-Performance-Management (APM) auch Virtualisierung berücksichtigen soll, gilt es verschiedene Dinge zu beachten. Vermeidet ein Unternehmen Engpässe bei der Performance, ist das immer besser als jede Strategie, diese wieder zu beseitigen. Deshalb gilt es, darauf zu achten, dass die Anwendung für den Einsatz in einer physikalisch-virtuellen Landschaft korrekt konfiguriert ist. Genauso wie bei physikalischen Servern verringern schlecht konfigurierte Applikationen auch auf virtuellen Maschinen (VMs) die Performance. Auch unerwartete Lastspitzen haben auf VMs ebenso negative Auswirkungen.

Die Einstellungen der VMs ist der nächste Punkt, den es zu betrachten gilt. Es ist nicht ganz einfach, die VM so zu konfigurieren, dass sie möglichst gut auf dem physikalischen Server laufen. Richtschnur sind dabei die Ressourcen, die die jeweilige Anwendung benötigt. Hier können Produkte wie die »Advanced Analytics Engine« von Cirba helfen, die vorhandenen Applikationen zu untersuchen.

Den Überblick in der virtuellen Landschaft behalten

Für Infrastrukturen mit Hochverfügbarkeit erleichtert Vmwares [1] »VMotion [2]« das Leben. Hiermit verschiebt der Administrator VMs zwischen verschiedenen physikalischen Maschinen. Das »VirtualCenter [3]« von Vmware kann selbständig entscheiden, wann es VMs mit den jeweiligen Applikationen zwischen den einzelnen Hardware-Servern transferiert. Dieser Verschiebebahnhof erschwert es allerdings, die Performance einer Applikation zu verfolgen. Auch die Überwachung von SLAs wird nicht einfacher.

Die verschiedenen Typen von Tools für Application-Performance-Management

Packet-Capture-Analyse

Sie entdecken Applikationen, ordnen die Datenströme Applikationen zu und analysieren Service-Levels und Gesamtverzögerungen.

Enterprise-Management-Systeme

Sie verwalten die Application-Performance in Systemlandschaften mit physikalischen und virtuellen Servern.

Physikalisch-zu-Virtuell-Planungswerkzeuge

Sie analysieren die vorhandenen Anwendungen und planen den Wechsel von physikalisch zu virtuell.

Application-Performance-Monitore

Sie behalten virtuelle Applikationen im Auge, auch wenn sich der Host sich ändert oder umbenannt wird.

Migrations-Tools

Die Werkzeuge erleichtern den Wechsel zwischen physikalischen Maschinen und über das Netzwerk hinweg.

Da es zunehmend einfacher wird, eine virtuelle Server-Landschaften aufzusetzen, entsteht ein Problem: Es gibt zwar mehr VMs, aber es geht der Überblick verloren, was auf diesen Systemen installiert ist. Gleiches gilt für die Konfiguration der VMs. Herkömmliche Discovery-Tools orientieren sich an der Netzwerk-Technologie und führen Scans in IP-Subnetzen aus. Damit kommen sie aber bei VMs an ihre Grenzen. Denn eine VM kann zu verschiedenen Zeitpunkten zu unterschiedlichen Subnetzen gehören. Gleichzeitig muss ein Discovery-Tool eine VM in verschiedenen Subnetzen identifizieren, deren Performance verfolgen und die installierten Applikationen erkennen.

Zu den wesentlichen Informationen bei Suche gehören die Anzahl und die Namen der VMs, deren Konfiguration oder das dort installierte Gast-Betriebssystem. Auch der zugeordnete und der verwendete Speicher ist wichtig, Wie bei den meisten Management-Tools gibt es auch keins für APM in virtuellen Landschaften, das alle Anforderungen erfüllt. Ohne entsprechende Investitionen in passende Management-Tools wird es nicht abgehen. Spezielle Virtualisierungsprodukte haben ihren Wert, aber es fehlt ihnen wahrscheinlich an einer Ende-zu-Ende-Sicht im Netzwerk.

Das richtige Set an Tools wählen

Bevor es um die Auswahl eines APM-Werkzeugkastens für Virtualisierung geht, muss ein Unternehmen klären, welche Plattformen dieser unterstützen soll. Viele haben ihren Fokus auf Vmware. Diese unterstützt aber nur x86-Plattformen. Für Systeme von HP, IBM, Sun oder anderen Nicht-Windows-Plattformen sind andere APM-Tools notwendig. Zudem ist Microsoft [4] mit Hyper-V [5] dabei, viel in Virtualisierung zu investieren.

»Advanced System Management [6]« von CA [7] und ähnliche Produkte sind herstellerneutral. Sie stellen AMP-Funktionen für gemischte virtuelle Server-Landschaften bereit. Dabei gilt es herauszufinden, wie das gewünschte Werkzeug Application-, Netz-Performance und Basis-Informationen zum Betriebssystem erfasst und bereitstellt. Die virtuelle Landschaft ist nur ein Teil des APM-Kuchens, aber die Daten müssen in eine Gesamt-APM-Sicht einfließen. Ein entsprechendes Tool sollte mindestens einen Alarm auslösen, wenn es zu Performance-Problemen kommt. Besser ist es, wenn das Tool auch die VM rekonfigurieren kann. Im Highend-Bereich verschieben die Werkzeuge auch VMs zwischen verschiedenen physikalischen Hosts, falls eine VM zu viele Ressourcen verschlingt.

Die Software für virtuelles APM sollte mit den bereits vorhandenen Tools zusammenarbeiten. Die Werkzeuge von VM-Hersteller sind nicht immer genau das, was der Anwender vielleicht sucht. Aber sie übernehmen schwierige Aufgaben, indem sie etwa VMs und der Ausstattung verfolgen, wenn diese zwischen physikalischen Systemen wandern. Stattdessen Agenten zu installieren, kann ein Weg in eine Sackgasse sein.

Beispiele für Tools

Der »AppManager [8]« von NetIQ [9] fährt einen Hybrid-Ansatz. Er schaut sich sowohl die physikalischen als auch die virtuellen Server an. Über eine Konsole lassen sich Server als Services, Abteilungen oder andere logische Einheiten gruppieren.

Vmware hat kürzlich »B-hive Conductor [10]« erworben. Dabei handelt es sich um eine agentenlose Appliance für virtuelle Infrastrukturen. Sie nutzt Kontroll-Technologien, um über Service-Levels die Geschäftsanforderungen mit der Infrastruktur zu verknüpfen. Die Appliance sucht Ende-zu-Ende nach Aplication-Flows. Weiter wertet sie die Service-Levels für Nutzer aus und untersucht die Verzögerungen. Mit diesen Informationen kann der Administrator die virtuelle Infrastruktur in Abhängigkeit von Service-Levels anpassen. Für jede VM bekommt er eine Übersicht über die Auslastung durch die Anwendungen. Leider gibt es keine Unterstützung für Vmware-fremde Systeme. Auch die Integration in eine umfassende APM-Lösung könnte schwierig sein, wie es für viele Lösungen auf Appliance-Basis gilt.

[1] http://www.vmware.de/
[2] http://www.vmware.com/de/products/vi/vc/vmotion.html
[3] http://www.vmware.com/de/products/vi/vc/
[4] http://www.microsoft.de/
[5] http://www.microsoft.com/windowsserver2008/en/us/hyperv.aspx
[6] http://www.ca.com/us/systems-management.aspx
[7] http://www.ca.com/de/
[8] http://www.netiq.com/products/am/default.asp
[9] http://www.netiq.com/worldwide/default.asp?countryid=de
[10] http://www.bhive.net/products/conductor.html

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