Gelungene Server-Virtualisierung ist kein Zufall:
Thema der Woche: Erfolgreiche Server-Virtualisierung, Teil 1

von Werner Veith (werner.veith@networkcomputing.de)

26.01.2009

Es zeichnet sich ab, dass Server-Virtualisierung zu einem Standard-Thema im Rechenzentrum wird. Es ist aber kein Selbstläufer und Unternehmen sollten sich vorher ausreichend Gedanken machen und den Einsatz entsprechend planen.

Network Computing befragte Bechtle München/Regensburg [1], Citrix Systems [2], Microsoft Deutschland [3], MicroVation [4] und VMware Global [5]. Lesen Sie im folgenden den ersten Teil der Aussagen. Die Statements erschienen auch im Special 1/09 »Data-Center« der Network Computing, S. 24f.

Network Computing: Für welche Applikationsszenarien ist eine Server-Virtualisierung sinnvoll? Wo sollte ein Unternehmen es lassen?

Carsten Böckelmann, Regional-Director Server-Virtualization Central-Europe bei Citrix Systems

Carsten Böckelmann, Regional-Director Server-Virtualization Central-Europe bei Citrix Systems: »Prinzipiell kommt Virtualisierung für alle Applikationen in Frage. Bei Echtzeit-Anwendungen ist eine genauere Überprüfung sicher angeraten, wenn diese eine I/O-Last erzeugen, die auch aktuelle, leistungsstarke Hardware an ihre Grenzen bringt. Aber auch wenn Konsolidierung nicht realisierbar wäre, würden die generellen Vorzüge der Virtualisierung wie Hochverfügbarkeit und Hardware-Unabhängigkeit greifen.«

Ralf Uwe Barth, Produkt -Manager Virtualisierung bei Microsoft Deutschland: »Beim Stand der heutigen Technik ist eine Server-Virtualisierung immer sinnvoll, unabhängig von der Applikation. Virtuelle Maschinen laufen mittlerweile mit 64-Bit und lassen sich auch mit den entsprechenden Ressourcen ausstatten. Mit der Virtualisierung bekommen die Anwender für alle Applikationen günstig Hoch-Verfügbarkeit und einfaches Disaster-Recovery.«

Markus Hutter, Geschäftsführer – Infrastructure-Services bei Microvation: »Hier lässt sich kein pauschales Ja oder Nein für bestimmte Szenerien angeben. Die Eignung einer Applikation zur Virtualisierung hängt von vielen, meist unternehmensspezifischen Faktoren ab. Beispielsweise müssen I/O-intensive Anwendungen sehr genau betrachtet werden.«

Network Computing: Welche Risiken geht ein Unternehmen ein, wenn es alle Server virtualisiert?

Ralf Uwe Barth, Produkt -Manager Virtualisierung bei Microsoft Deutschland

Barth: »Die Risiken sind geringer als ohne Virtualisierung. Wenn ein physikalischer Server ausfällt, fallen zwar mehrere virtuelle Server aus. Diese lassen sich dann aber automatisch in kurzer Zeit wieder starten. Dies bedeutet eine höhere Verfügbarkeit. Ein Unternehmen muss darauf achten, dass die Dateien, aus denen die virtuellen Server bestehen, zentral verfügbar sind. Außerdem müssen sie, wie bei physikalischen Servern auch, gesichert werden.«

Hutter: »Ein Risiko entsteht eigentlich nur dann, wenn vorher bei der Planung und Konzeption geschlampt wird. Dies gilt insbesondere beim zentralen Storage, der das Herzstück einer guten Virtualisierung ist. Zudem halte ich es für unrealistisch, alle Server zu virtualisieren. Es gibt etwa Server, die einfach da sein müssen, bevor die Hosts der Virtualisierungssysteme gestartet werden können.«

Martin Niemer, Group-Manager, Product-Marketing bei Vmware Global: »Bei einer guten Planung keine. Es zeigt sich ganz klar, dass die Gesamtverfügbarkeit der Systeme nach oben geht. Dies liegt an der Hardwareunabhängigkeit von virtuellen Maschinen (VM) und der Verringerung der Downtime (Wartung und Ausfall). Dies setzt eine Virtualisierungslösung voraus, die es einmal ermöglicht VMs im Betrieb zu verschieben. Zum anderen muss sie diese bei Ausfall eines Servers auch sofort wieder neu starten.«

Network Computing: Was sind die größten Herausforderungen bei einem Projekt für Server-Virtualisierung?

Martin Niemer, Group-Manager, Product-Marketing bei Vmware Global

Niemer: »Bei diesen Projekten ist vor allem eine perfekte Vorbereitung wichtig, um Strukturen und Applikationen vorher zu identifizieren, und diese möglichst gut auf die virtuellen Infrastrukturen zu migrieren. Dazu zählen auch die vorhandenen Parameter der Systemlandschaft sowie die künftige Entwicklung in der IT und des Unternehmens selbst. Zudem sind Themen wie Management und Ausbaufähigkeit wichtige Faktoren eines solchen Projekts.«

Roland König, Geschäftsführer und Leiter Competence-Center Virtualisierung bei Bechtle München/Regensburg: »Die größte Herausforderung besteht darin, ein stimmiges Design der sich ändernden IT-Prozesse auf die neue Infrastruktur zu übertragen. Meist wachsen die virtualisierten Systemlandschaften sehr schnell. Dies sollte das Konzept berücksichtigen (Virtualisierung als Unternehmensplattform).

Böckelmann: »Auf der technischen Ebene liegt die größte Herausforderung darin, die erforderliche Netzwerk- und Storage-Infrastruktur aufzubauen. Außerdem gilt es, notwendige organisatorische Veränderungen auf die bestehenden IT-Abteilungen abzubilden. Die Abteilungen und die IT-Verantwortlichen müssen eng zusammenarbeiten, was bei der früheren Silo-Organisation nicht in diesem Ausmaß erforderlich war. So muss sich etwa der verantwortliche Mitarbeiter für die Desktops eng mit dem Storage-Leiter abstimmen.«

Network Computing: Was muss die Management-Software für die Server-Virtualisierung aus der Sicht eines Administrators können?

Roland König, Geschäftsführer und Leiter Competence-Center Virtualisierung bei Bechtle München/Regensburg

König: »Sie sollte in der Lage sein, nicht nur die virtuelle Systemlandschaft zu managen, sondern auch die restliche Infrastruktur einzubeziehen.

Böckelmann: »Hier sind folgende Funktionen zu nennen:

- Remote-Zugriff von überall mit jedem System

- Übersichtliche Darstellung der vorhanden Ressourcen im Rechenzentrum

- Dynamische Verwaltung der Ressourcen

- Einfache Bedienung

- Systemvorbereitung in wenigen Minuten

- Einfache Integration in bestehende Infrastrukturen wie Storage und Netzwerk

- Einfache Handhabung von Prozessen für Hochverfügbarkeit und Disaster-Recovery«

Barth: »Die wichtigsten Funktionen sind sicherlich die schnelle Bereitstellung, die Sicherung und das Monitoring der virtuellen Maschinen. Mit den Microsoft-System-Center-Produkten bekommt ein Administrator alle Tools an die Hand, um eine Server- Landschaft effizient zu managen.

Der »System Center Virtual Machine Manager« (SC-VMM) verwaltet die virtuellen Systeme (Hyper-V und Vmware VI3). Der »System Center Configuration Manager« dient dazu Betriebssysteme und Softwareprodukte zu installieren. Der »System Center Operations Manager« überwacht die Systemlandschaft bis hin zu Applikations-Prozessen. Der »System Center Data Protection Manager« dient dazu, Server zu sichern und wieder herzustellen. Bis auf den SC-VMM sind alle Produkte für physikalische und virtuelle IT-Landschaften einsetzbar.«

Network Computing: Warum sollte ein Unternehmen mit einer homogen Server-Landschaft die Server virtualisieren und keine Container-Technologie einsetzen?

Markus Hutter, Geschäftsführer – Infrastructure-Services bei Microvation

Hutter: »Im Gegensatz zu einer auf einem Hypervisor basierenden Virtualisierung ist die Containertechnologie doch schon wieder recht spezialisiert. Ich glaube, die meisten Unternehmen sind mit Hypervisor-Virtualisierung besser beraten. Sie haben damit einfach mehr Möglichkeiten. Aber auch hier ist es im Zweifelsfall so wie überall: Die gezielte Kombination der verschiedenen Möglichkeiten bringt das beste Ergebnis.«

König: »Der X86-Hypervisor bieten wesentlich mehr Funktionen und Unterstützung von Herstellern im Bereich Hard- und Software. Bei Containern ist der Anwender in der Regel von einem Hersteller abhängig. Auch künftige Entwicklungen wie die Clientvirtualisierung lassen sich mit den Containern nicht umsetzen. Der X86-Bereich führt bei Flexibilität, Preis und Unabhängigkeit.«

Niemer: »Container setzen homogene Betriebssysteme und Patchstände voraus. Dies gibt es aber in der Praxis kaum. Außerdem ist durch die Verwendung eines gemeinsamen Kernbetriebssystems die 100-prozentige Isolierung der Systeme gegeneinander nicht gegeben. Den meisten Systemen fehlen darüber hinaus Möglichkeiten, VMs live zu verschieben. Jedes Patchen und Neustarten des Container-Basissystems führt damit zu einer unerwünschten Downtime des Systems. Die meisten Container-Lösungen sind auch nur für spezielle Betriebssysteme verfügbar, aber etwa nicht für Windows- 2008.«

[1] http://www.bechtle.com/
[2] http://www.citrix.de/
[3] http://www.microsoft.com/germany/server/virtualisierung
[4] http://www.microvation.de/
[5] http://www.vmware.de/

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