Virtualisierung von Servern und Storage notwendig:
Server-Virtualisierung ist kein Selbstläufer
Wichtige IT-Ressourcen wie Server müssen konsolidiert und virtualisiert werden: Darin sind sich Technologie- und Marktkenner einig. Über das Wie und die Geschwindigkeit gehen die Meinungen hingegen auseinander. Denn die so erreichbaren Kosteneinsparungen und Leistungszuwächse hängen von vielen Faktoren ab.
(Fortsetzung des Artikels von Seite 2)
Hersteller im Server-Bereich entwickeln gern verkaufsüberzeugende Modellszenerien. Nur haben die in der Regel wenig mit der gewachsenen Server-Infrastruktur in den Unternehmen zu tun. Selbst einzelne Analystenhäuser wie die Experton Group operieren mittlerweile mit idealisierten Modellen, um vor allem eines zu erreichen: die Hersteller in diesem Feld zur kostenpflichtigen Studienteilnahme zu bewegen. Wichtige Kostenfaktoren rund um die Server-Virtualisierung werden in diesem Fall gleich mit ausgespart. So soll den Herstellern mit blendenden Einsparungszahlen ein verheißungsvolles Absatzgebiet signalisiert werden. Die Welt der Server-Virtualisierung ist jedoch weitaus komplizierter, nicht nur bei den Kosten.
Stefan Kellerwessel, Practice-Manager bei Logica
Die Installationswelt ist heterogen
»Wir treffen in den Unternehmen auf heterogene Server-Infrastrukturen. Sie setzen sich aus Plattformen mit verschiedenen Betriebssystemen und -versionen zusammen«, berichtet Stefan Kellerwessel, Practice-Manager bei Logica [1], von Projekten. »Dazu kommen die unterschiedlichen Abschreibungsstände der einzelnen Installationen.« Aus beidem ergäben sich Probleme: »Eine durchgehende Server-Konsolidierung und -Virtualisierung erfordert, sich auf nur ein, maximal zwei Betriebssysteme zu konzentrieren. Demzufolge sollten die anderen Installationen bereinigt werden.«
Diese Bereinigung kollidiert mit dem jeweiligen Abschreibungsstand einzelner Installationen. »Wird vor Ablauf der Frist, in der Regel fünf Jahre, ausgemustert, entstehen daraus Abschreibungsverluste.« Sie schmälerten die anvisierten Kosteneinsparungen und verringerten den ROI (Return-on-Investment), so Kellerwessel. Hinzu käme, dass Virtualisierungsprogramme längst nicht auf jedem Betriebssystem beziehungsweise jeder -version liefen.
Außerdem zögen sie Lizenzkosten nach sich, von der Virtualisierungs-Software aus der Open-Source-Ecke einmal abgesehen. Für Kellerwessel steht deshalb außer Frage: »Die Konsolidierung und Virtualisierung der Server sollte vorher sowohl aus dem technischen als auch kaufmännischen Blickwinkel unter die Lupe genommen werden.« Als Konsequenz daraus ergebe sich meist eine Migrationsstrategie, die sich über mehrere Jahre erstrecke.
Unterschiedliche Verfahren
Zudem ist Virtualisierung nicht gleich Virtualisierung. Jan Wildeboer, E/ME/A-Evangelist bei Redhat [2], unterscheidet drei Verfahrensweisen: Full-Virtualization (FV), Para-Virtualization (PV) und Single-Kernel-Image (SKI). »FV ist nur auf neuen Maschinen mit Virtualisierungstechnologie (VT) möglich. Vertreter sind Vmware, Xen und »Virtual PC«. Dies stellt Wildeboer im Hinblick auf die meist älteren Server in den Unternehmen fest.
Jan Wildeboer, E/ME/A-Evangelist bei Redhat
Bei Servern ohne VT bleibe nur die Wahl, die virtualisierten Instanzen im PV-Modus zu betreiben. Dies setze einen modifizierten Kernel voraus. Die VT-Maschinen neueren Datums, aber auch nur die, könnten außerdem im PV- und SKI-Modus betrieben werden. »Durch den modifizierten Kernel ist der PV-Modus, etwa von Xen unterstützt, sogar etwas leistungsfähiger als der FV-Modus«, so Wildeboer.
Dem SKI-Modus erteilt er hingegen eine Absage: »Sie ist die langsamste der drei Möglichkeiten, weil das Betriebssystem in mehrere Bereiche aufgeteilt wird, die die einzelnen virtuellen Maschinen repräsentieren. Zudem kann diese Architektur bei Ausfall einer Instanz gegebenenfalls das Gesamtsystem zum Absturz bringen«, gibt er zu bedenken. Für kritische, verkettete Applikationen, um die es im Rahmen der Geschäftsprozess-Verbesserung zunehmend gehe, sei SKI somit kaum geeignet. Solaris-Zones, Virtuozzo und Open-VZ sind typische SKI-Produkte. Wildeboer plädiert für die neue Xen-Technologie im Linux-Kernel mit den Möglichkeiten FV und PV.
Die Komplexität steigt
Es werden oft die Auswirkungen unterschätzt, dass mit der Virtualisierung von Servern eine logische Verwaltungs- und Ausführungsschicht hinzu kommt. »Das steigert die Komplexität des Gesamtsystems«, so die Erfahrung von Michael Ziegler, Teamleiter Virtualisierung und Security bei Materna [3]. »Sowohl Projektierung, Installation und Konfiguration als auch der IT-Betrieb mit dem Server-Management wird dadurch komplizierter.« Hinzu komme, dass Unternehmen neben den Servern die Speicher-Infrastruktur in die Virtualisierung einbeziehen sollten. »Um angepasste Geschäftsprozesse flexibel mit IT-Ressourcen zu bedienen, dürfen die Speicher mit den dort residierenden Daten nicht außen vor bleiben.«
Michael Ziegler, Teamleiter Virtualisierung und Security bei Materna
Nur durch Virtualisierung von Servern und Storage könnten IT-Ressourcen:
- von Hardware zu Hardware verschoben,
- den IT-Services dynamisch zugewiesen,
- Fehlerquellen genauer eingegrenzt,
- sichere Test-Systeme geschaffen,
- Verfügbarkeitskonstellationen differenziert herausgebildet und
- Datenzugriffe besser kontrolliert werden.
Ziegler macht außerdem darauf aufmerksam: »Service-Automation ist ohne eine durchgehende Virtualisierung beider Ressourcen nicht denk- oder machbar. Dadurch entfallen viele manuelle Tätigkeiten.« Diese Automatisierung sei aus dreifacher Hinsicht für die Unternehmen unausweichlich: »IT-Kosten einzusparen, den Betrieb komplexer IT-Landschaften zu beherrschen und IT-Services in hoher Qualität bereitzustellen.« Nach der aktuellen Executive-Befragung von Materna planen 60 Prozent der Unternehmen, IT-Services gezielt zu automatisieren. Dabei wurden 176 IT-Entscheider im deutschsprachigen Bereich interviewt.
Virtualisierung zwischen Pflichtprogramm und Einsparungen
Damit beide Ziele aufgehen, fordert Peter Arbitter, Leiter Portfolio- und Technologie-Management bei Siemens IT Solutions and Services [4], die Entscheider zu einer realistischen Betrachtung des Virtualisierungsprojekts auf. »Das Machbare muss technisch, zeitlich, kaufmännisch und organisatorisch determiniert sein, also geklärt und abgegrenzt werden.« So sei die Virtualisierung von Servern und Speichern für die meisten Unternehmen ein Langzeitvorhaben.
Peter Arbitter, Leiter Portfolio- und Technologie-Management bei Siemens IT Solutions and Services
Das müsse mit dem Fortschritt bei der Verbesserung von Geschäftsprozessen Hand in Hand gehen. »Auf diesem Weg sollten keinesfalls die Maßnahmen und Aufwendungen fehlen, die für die doppelte Absicherung der logischen Verbindungs- und Ausführungsschicht anfallen«, rät Arbitter. Dabei gehe es um Hochverfügbarkeit und IT-Sicherheit. Denn virtualisierte Server- und Speichersysteme bräuchten mehr Schutz als klassische Installationen.
Die zunehmende Virtualisierung führt dazu, dass immer mehr Applikationen auf weniger Speichern laufen. Dadurch nimmt die Komplexität zwangsläufig zu. »Um Angreifern möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten, müssen Prozesse stringent gehalten. Außerdem geht es darum, Transparenz und hohe Qualität auf allen Ebenen zu etablieren«, so Arbitter.
Die Einführung von Best-Practices als Sicherheitsstandards sei eine gute Möglichkeit, für einen umfangreichen Schutz in diesem Bereich zu sorgen. Das setze voraus, dass sie konsequent eingehalten und umgesetzt werden würden. »Wenn eine Anwendung ausfällt, müssen alle anderen Anwendungen weiterhin zur Verfügung stehen und einwandfrei laufen«. Für Arbitter steht deshalb außer Frage: »Zur Virtualisierung gehört eine umfassende, vorbeugende Sicherheitsstrategie.»
Hadi Stiel, freier Journalist in Bad Camberg.
[1] http://www.logica.com/germany-logica+home+page/350235585
[2] http://www.redhat.de/
[3] http://www.materna.com/nsc_true/DE/Home/Home__N.html__nnn=true
[4] https://www.it-solutions.siemens.com/b2b/it/de/deutschland/Pages/home.aspx
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