Breitbanddienste über Mobilfunk und WLAN:
Test: Breitband-Internet über Radiofrequenzen
Der Mobilfunk-Service-Provider E-Plus und Telekommunikationsausrüster Ericsson starten in Mecklenburg-Vorpommern einen Test, bei dem ländliche Gebiete via Mobilfunk mit Internet-Breitbandzugängen versorgt werden. Als Trägermedium dienen nicht mehr benötigte Rundfunkfrequenzen.
(Fortsetzung des Artikels von Seite 1)
Die Versorgung von ländlichen Regionen mit Breitbanddiensten ist in Deutschland ein heiß diskutiertes Thema.
Über diesen Sendemast werden 50 Haushalte und Firmen in Mecklenburg-Vorpommern mit Breitband-Internet-Diensten versorgt - über Radiofrequenzen.
Nach Schätzungen des Deutschen Städte- und Gemeindebundes stehen derzeit in 800 Städten beziehungsweise 2000 Ortschaften in Deutschland weder ein DSL-Anschluss noch eine Breitbandverbindung über Mobilfunk oder Richtfunk zur Verfügung. Betroffen sind etwa fünf Millionen Bürger.
Nach Angaben des High-Tech-Verbandes Bitkom [1]hatten 2008 75 Prozent der deutschen Haushalte einen Internet-Zugang. Damit lag die Bundesrepublik in Europa auf Platz fünf. Spitzenreiter waren die Niederlande (86 Prozent) vor Schweden (84 Prozent) und Dänemark (82 Prozent).
E-Plus [2] und Ericsson [3] starten im Januar nun in Mecklenburg-Vorpommern einen Test, bei dem freie Rundfunkfrequenzen für die Datenübertragung via Mobilfunk herangezogen werden.
Die Frequenzbereiche stammen aus der so genannten »Digitalen Dividende« und wurden durch die Digitalisierung des Rundfunks frei. Zur Diskussion stehen die Bereiche 790 und 862 MHz. Sie bieten im Vergleich zum 3G/UMTS eine höhere Reichweite. Diese Bänder eigenen sich daher besonders gut zur Anbindung von ländlichen Regionen, weil weniger Sendestationen benötigt werden.
Download bis 7,2 MBit/s
An dem Test nehmen zunächst 50 Haushalte und Betriebe im Raum Grabowhöfe nordwestlich von Müritz teil. In einem Umkreis von 20 Kilometern um die dortige Sendestation können die Teilnehmer den mobilen Breitband-Service bis Ende des Jahres nutzen.
Auf den zur Verfügung stehenden Frequenzen kommt die HSDPA-Mobilfunktechnik mit einer Download-Datenrate von bis zu 7,2 MBit/s zum Einsatz. Den Tester werden die Endgeräte und SIM-Karten kostenlos gestellt. Auch die Kosten der Datenübertragung im E-Plus-Netz tragen die am Projekt beteiligten Firmen.
Ericsson stellt die Netztechnik für die Sendestation. Die für den Test benötigten Frequenzen wurden von der Bundesnetzagentur vor kurzem freigegeben.
Ein Notebook wird mithilfe eines Empfängers im Format eines USB-Sticks an das Breitband-Mobilfunknetz angebunden.
»Die genutzte Technik hat sich bereits im Ausland bewährt. Weltweit hat Ericsson 109 von 239 mobilen Breitbandnetzen mit aufgebaut«, so Carsten Ahrens, Geschäftsführer von Ericsson in Deutschland. »Dieses Projekt ist also kein Labortest, sondern baut auf kommerziell verfügbarer Technik auf.«
Test soll Wirtschaftlichkeit prüfen
Deshalb geht es laut Ericsson und E-Plus bei dem gemeinsamen Projekt auch nicht darum, die technische Machbarkeit zur prüfen. Vielmehr sollen das Nutzerverhalten und die Dimensionierung eines mobilen Breitbandnetzes unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten analysiert werden.
Thorsten Dirks, Geschäftsführer von E-Plus, erhofft sich von dem Feldversuch, dass die Diskussion über die Digitale Dividende sachlicher als bislang abläuft.
Letztlich, so Dirks, profitierten auch die Rundfunksender von einer gemeinsamen Verwendung der Digitalen Dividende unter Einbeziehung der Mobilfunker: »So können beispielsweise die immer wichtiger werdenden Internet-Angebote der Sender auch in strukturschwachen Regionen angeboten werden. Dadurch kommen die Anbieter mit Kunden in Kontakt, die sie über ihre klassischen Verbreitungswege mit diesen Angeboten bislang nicht erreichen.«
Alternative: WLAN-Richtfunk
Auf Wirelesss LANs bei der Versorgung abgelegener Gebiete mit Breitband-Internet setzt dagegen die österreichische Linz AG. Das Unternehmen hat im Hinterland der oberösterreichischen Stadt zwischen 2004 und 2008 mehrere Hundert WLAN-Richtfunkstrecken aufgebaut.
Die Linz AG verwendet Richtfunkstrecken und WLAN-Outdoor-Access-Points von Lancom, um abgelegene Ortschaften an einen Internet-Backbone anzubinden.
Diese binden Dutzende von abgelegenen Orten im Umland der Stadt an das die nächstgelegenen Internet-Backbones an.
Auf Wirelesss LANs bei der Versorgung abgelegener Gebiete mit Breitband-Internet setzt dagegen die österreichische Linz AG. Das Unternehmen hat im Hinterland der oberösterreichischen Stadt zwischen 2004 und 2008 mehrere Hundert WLAN-Richtfunkstrecken aufgebaut.
Diese binden Dutzende von abgelegenen Orten im Umland der Stadt an das die nächstgelegenen Internet-Backbones an.
Die Linz AG setzt dabei Outdoor-WLAN-Access-Points der deutschen Firma Lancom Systems [4] sowie entsprechende Richtfunk-Antennen ein. Die Geräte stellen nach Angaben der beiden Unternehmen auch bei schlechtem Wetter eine zuverlässige Datenübertragung sicher.
Als Verteiler dienen Strom- oder Mobilfunkmasten, aber auch Trafostationen des Netzbetreibers. Diese Einrichtungen verfügen häufig über eine Anbindung an ein Backbone-Netz.
[1] http://www.bitkom.org
[2] http://www.eplus.de
[3] http://www.ericsson.de/
[4] http://www.lancom.de
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