Energei sparem im Data-Center:
Bitkom: Kostenloser Leitfaden zum Energie-Check im Rechenzentrum

von Bernd Reder (bernd.reder@networkcomputing.de)

18.12.2008

Praxistipps, mit deren Hilfe Unternehmen die Stromkosten in ihren Rechenzentren auf einfache Weise um 20 Prozent und mehr senken können, hat der High-Tech-Verband Bitkom zusammengestellt. Sie sind in einem Leitfaden zusammengefasst, der kostenlos von der Web-Seite der Organisation heruntergeladen werden kann.

(Fortsetzung des Artikels von Seite 1)

»Energieeffizienz-Analysen in Rechenzentren – Messverfahren und Checkliste zur Durchführung«, so der offizielle Titel der Broschüre des Bitkom [1], wurde im Rahmen des IT-Gipfels erarbeitet. Auf 32 Seiten erläutern die Autoren zunächst, wie Betreiber den Stromverbrauch und die Temperaturverteilung im Data-Center ermitteln können.

In kleineren Rechenzentren reichen Spot-Messungen aus. In großen Anlagen müssen dagegen bis zu 20 Messpunkte eingerichtet werden.

Den Großteil der Broschüre nehmen Checklisten ein. Mir ihrer Hilfe können die IT-Experten eines Unternehmens oder einer Behörde eine detaillierte Bestandsaufnahme der Systeme im Data-Center vornehmen. Dabei wird unter anderem erfasst, welche Kühlanlangen und Stromversorgungsgeräte verwendet werden, welche Hard- und Software im Rechenzentrum zum Einsatz kommt und wie viele Client-Systeme das Data-Center versorgt.

Den Abschluss bilden Empfehlungen zu den Bereichen Energie-, Klima- und IT-Management. Eine Maßnahme kann beispielsweise darin bestehen, Server zu virtualisieren oder ein Kühlkonzept mit Kalt-/Warmgang und Doppelboden einzuführen.

Vier Kraftwerke arbeiten für Deutschlands Rechenzentren

Mit einer solchen Energieberatung können Unternehmen nach Angaben des Verbandes viel Geld sparen.

Nach einer aktuellen Studie, die das Borderstep-Institut im Auftrag des Bitkom durchführte, verbrauchen Server und Rechenzentren in Deutschland in diesem Jahr 10,1 Terawattstunden (TWh) Strom. Das entspricht der Produktion von vier mittelgroßen Kohlekraftwerken und einem Anteil von rund 1,8 Prozent am gesamten Stromverbrauch hierzulande.

Die Stromkosten für die rund 2,2 Millionen installierten Server betragen in diesem Jahr 1,1 Milliarden Euro. Die Server und zentrale IT von kleineren Verwaltungen und mittelständischen Unternehmen (KMU) mit je bis zu 250 Mitarbeitern verbrauchen rund 3,6 TWh. Damit sind Energiekosten von 400 Millionen Euro verbunden.

»Im Schnitt verbraucht die eigentliche IT nur die Hälfte der Energie eines Rechenzentrums. Die andere Hälfte geht zu Lasten der Klimatisierung und der unterbrechungsfreien Stromversorgung«, sagt Martin Jetter, Mitglied des Bitkom-Präsidiums.

Einsparungen von 20 Prozent möglich

»Erfahrungsgemäß lassen sich durch eine erste Energieanalyse und einfache Sparmaßnahmen im Schnitt rund 20 Prozent an Energie einsparen«, so Jetter weiter. Sollte dieses Potenzial erschlossen werden, könnten allein im deutschen Mittelstand und bei kleineren Verwaltungen in den Jahren 2009 und 2010 die Energiekosten um rund 200 Millionen Euro gesenkt werden.

Im Rahmen des Effizienz-Checks wird unter anderem ermittelt, wie es um die Belüftung des RZ bestellt ist.

Falls der Mittelstand umfangreiche Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz umsetzt, kann er laut der Studie in den Jahren 2009 bis 2013 die Energiekosten von Servern und Rechenzentren sogar um rund 1,3 Milliarden Euro verringern.

Erste Praxistests hat der Check bereits bestanden. Die Rechenzentren des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie sowie des Otto-Versands sind mit ihm erfolgreich auf ihre Energieeffizienz überprüft worden.

Der Leitfaden steht unter folgendem Link [2] auf der Homepage des Bitkom zum Download bereit.

[1] http://www.bitkom.org/
[2] http://www.bitkom.org/de/publikationen/38337_55559.aspx