Trends bei VoIP und Unified Communications:
Rückblick 2008: Mit Voice over IP vertraut werden

von Werner Veith (werner.veith@networkcomputing.de), bre

30.12.2008

Während die Firmen noch zu ergründen versuchen, was es mit Voice-over-IP auf sich hat und wie sie damit Kosten reduzieren können, kommt auf sie schon die nächste Welle über sie: Unified-Communications (UC).

(Fortsetzung des Artikels von Seite 2)

Mit Voice-over-IP ändert sich die TK-Welt grundlegend. Sie ist nicht mehr eine eigene Sphäre, sondern wird Teil der IT-Welt und deren Gesetzen. Sprache wandert nun als ein Strom von IP-Paketen durch das Netz.

Sie erbt auch alle Probleme und Gefahren. Ein Vergleich [1] zeigt die Unterschiede zwischen der alten und neuen TK-Welt.

Inzwischen machen die Unternehmen ihre Erfahrungen mit VoIP. Dabei sind sie interessanterweise vor allem auf den Kostenaspekt eingestellt.

Doch der lässt sich nicht immer realisieren, wie eine Studie [2] von Mummert Consulting und Information Week zeigt. Dabei ist die Zahl der eingeführten Systeme in den vergangenen Jahren gleich geblieben.

Hat Ihr Unternehmen bereits Voice-over-IP eingeführt oder ist die Einführung geplant?

2008

2007

2006

Ja, bereits eingeführt

33,5

33,2

33,3

Nein, ist aber geplant

25,0

27,8

30,2

Nein, ist auch nicht geplant

39,2

37,7

33,7

Weiß nicht/ keine Angabe

2,1

1,3

2,8

Angaben in Prozent

Ein Grund, warum Unternehmen keine Kostenvorteile durch den Einsatz von VoIP erzielen konnten: Der Aufwand wurde an anderer Stelle wieder größer, beispielsweise beim Monitoring der Sprachqualität.

Ohne das geht es aber nicht. Hersteller von Netzwerk-Monitoring-Software haben auch in 2008 ihre Lösungen entsprechend erweitert wie Netiq mit »Vivenet Diagnostics [3]«.

»Vivinet Diagnostics« von Netiq verfolgt den Pfad, den der VoIP-Verkehr nimmt. Dabei zeigt es mögliche Probleme auf, die auf dem Übertragungsweg auftreten können.

Verfahren für VoIP-Installationen

IP-Telefonie ist den gleichen Gefahren ausgesetzt wie das LAN. Hinzu kommen noch spezifische Probleme, wie Abhören von VoIP-Telefonaten. Deshalb sind spezielle Sicherheitsmaßnahmen erforderlich. Eine Möglichkeit ist, dass Daten und Sprache durch unterschiedliche VLANs wandern (siehe dazu unseren Artikel [4] zum Schutz von VoIP).

Über VLANs lassen sich Voice- und Daten-Verkehr von einander trennen, was die Sicherheit fördert. Viele Telefone verfügen bereits über einen integrierten Mini-Switch mit 802.1p/Q. Der Data-Center-Switch leitet die Sprache dann zur PBX und die Daten zu den Servern.

Stromverbrauch von VoIP-Anlagen

Green-IT ist sicher ein Hype. Und bei manchen Herstellern sind mittlerweile fast alle Produkte auf die eine oder andere Weise »Green«. Tatsache ist jedoch, dass die steigenden Stromkosten Unternehmen – und IT-Abteilungen – immer mehr zu schaffen machen.

Auch bei VoIP gibt es mehrere Studien zum Thema Energieverbrauch. Eine Studie [5] dazu kommt Bundesverband für Telekommunikation. Diese wurde von verschiedenen Seiten stark kritisiert.

Ein Argument der Kritiker ist, dass die Studie davon ausgeht, dass Telefonie-Software auf Standard-Hardware läuft. Spezialisierte Hardware kann aber zu einem deutlich niedrigeren Stromverbrauch führen. Gut ist aber, dass durch solche Untersuchungen die Diskussion auch in diesem Bereich in Gang kommt.

Immer mehr Deutsche telefonieren über IP-Netze

Bei den Bundesbürgern ist VoIP auf jeden Fall »angekommen«. Jeder achte telefoniert bereits über das Internet, so eine Untersuchung [6] des Branchenverbands Bitkom.

Allerdings hat dies relativ wenig mit dem zu tun, was in den Unternehmen geschieht. Denn die setzen VoIP vor allem für die Kommunikation zwischen ihren Standorten ein.

Der Anschluss an das öffentliche Netz über SIP-Provider, wie es Privatleute tun, ist hier erst im Kommen. Immerhin implementieren immer mehr Hersteller das dafür notwendige SIP-Trunking in ihren IP-Telefonie-Anlagen.

Telefone, wie hier das Fritzfon 7150 von AVM, ermöglichen Gespräche über das IP- und das normale Telefonnetz.

Mittlerweile ist es klar. Der IP-Telefonie-Standard ist SIP (Session Initiation Protocol). H.323 hat den Kampf verloren.

Auch die IP-TK-Anlagen-Hersteller implementieren SIP in ihre Anlagen. Ein Beispiel dafür ist Avaya, das seinen Contact-Center-Lösungen [7] SIP »beigebracht« hat.

Problematisch ist allerdings, dass jeder Hersteller SIP ein bisschen anders gestaltet. Und das kann zu Schwierigkeiten führen, wenn Geräte unterschiedlicher Anbieter in einem Netz aufeinander treffen. Aber auch hier lernen die Hersteller dazu.

Das Agent-Deskphone 16CC von Avaya

Was ist »Unified Communications«?

Die Definition von Unified-Communications (UC) ist derzeit noch etwas schwammig. Im Prinzip macht jeder Hersteller im IP-Telefonie-Bereich auch irgendwie UC.

Trotzdem ist das bei den Unternehmen noch nicht richtig angekommen, wie eine Studie [8] der Experton Group zeigt. Nur sehr wenige haben UC bereits durchgängig implementiert.

Die Analysten definieren UC folgendermaßen: Es geht um »einen Ansatz für die Integration verschiedenster Kommunikationskanäle und Anwendungen mit dem Ziel, Geschäftsprozesse zu optimieren und zu beschleunigen.

Dabei werden existierende Silo-Infrastrukturen durch Middleware und SOA-Ansätze untereinander verknüpft oder komplett auf neue UC-Lösungen migriert.«

Unified-Communications-Studie (UC) der Experton Group: Ziele, die Unternehmen mit einer Einführung von UC verbinden.

[1] praxis-warum-voice-over-ip-nicht-gleich-ip-telefonie-ist/
[2] studie-unternehmen-werden-zurueckhaltender-bei-der-einfuehrung-von-voip/
[3] vivenet-diagnostics-ueberwacht-sprachqualitaet-in-vlans/
[4] tipp-wie-man-voip-telefonie-vor-angriffen-schuetzt/
[5] analyse-durch-voip-steigt-der-stromverbrauch/
[6] jeder-achte-bundesbuerger-telefoniert-ueber-das-internet/
[7] avaya-setzt-auf-sip-fuer-ihre-contact-center-loesungen/
[8] unified-communications-studie-wenige-vollstaendige-implementierungen-aber-viele-hindernisse/