Grundlagen: Netzwerkanalyse und -Monitoring:
Praxis: Worauf IT-Profis bei der Auswahl von Netzwerk-Monitoring-Tools achten sollten
Monitoring-Werkzeuge sind gewissermaßen die »Augen« eines Netzwerk- und IT-Verwalters. Sie erleichtern das Beheben von Fehlern und optimieren das Netz. Wir zeigen, auf welche Funktionen solche Tools bieten sollten.
(Fortsetzung des Artikels von Seite 2)
Es ist weder eine angenehme noch eine kurzfristige Aufgabe, alle Netzwerkgeräte, Server, Arbeitsstationen, Applikationen und mobilen Geräte in einem Netzwerk unter Kontrolle zu halten. Zum Glück gibt es Softwarepakete, welche die Aufgaben erleichtern, die mit dem Management dieser Systeme verbundenen sind.
Programme, die einen Administrator davon befreien, ständig vor einem Computerbildschirm zu sitzen und Server, Clients, Netzwerkgeräte, Dienste, Protokolle und Applikationen auf mögliche Probleme hin zu untersuchen, nennt man Netzwerk-Monitoring-Tools. Solche Werkzeuge arbeiten rund um die Uhr und lösen viele Probleme automatisch. Der Fachmann muss selbst aktiv werden.
Unterschiedliche Tools für jeden Zweck
Natürlich eignet sich nicht jedes Netzwerk-Monitoring-Tool für jede Netzwerkumgebung und jede Monitoring-Aufgabe gleichermaßen. Bei der Auswahl eines solchen Produkts sind also die Eigenarten der jeweiligen Netzwerkumgebung zu beachten.
Einige Monitoring-Tools strotzen nur so vor Features, während andere sich auf fest umrissene Analyse-Aufgaben konzentrieren. Welche Funktionen ein Administrator benötigt, hängt von folgenden Faktoren ab:
- den Anforderungen der Infrastruktur,
- dem gewünschten Monitoring-Typ,
- den erforderlichen Alerts und
- der Art und Weise, wie der IT-Fachmann solche Alarmmeldungen Alerts empfangen möchte.
Hat ein Administrator seine Hausaufgaben gemacht, sein Netzwerk untersucht und diese Dinge geklärt, kann er sich auf die Auswahl des für seine Umgebung am besten geeigneten Tools konzentrieren.
Netzwerk-Monitoring-Tools gibt es für unterschiedliche Monitoring-Typen, genauer gesagt für die Beobachtung unterschiedlicher Komponenten: angefangen beim Service-Monitoring (DNS, POP3, TCP et cetera) über Datenbank- und WAN-Monitoring bis hin zum Performance-Monitoring (Prozessornutzung, verfügbarer Festplattenspeicher, Hauptspeichernutzung).
Einige Produkte, beispielsweise von TNT Software [1] und Paessler [2], beobachten sogar die Umgebungstemperatur und Luftfeuchtigkeit im Server-Raum. Nicht jede Organisation benötigt allerdings solche Spezialfunktionen.
LAN-Analyse und Server-Monitoring
Eine besondere Gattung der Monitoring-Tools beobachtet und analysiert Netzwerkverkehr. Solche »Sniffer« sind allerdings nicht Gegenstand dieses Beitrags. Unberücksichtigt bleiben auch spezielle Server-Monitoring-Tools, welche die Servertemperatur, Netzteile und Hardwarekomponenten wie Festplatten-Controller beobachten.
Software, die solche Faktoren beobachtet, ist in der Regel sehr spezifisch: Sie funktioniert beispielsweise auf IBM-Servern, nicht aber auf HP-Rechnern.
Grundsätzlich sollte ein Monitoring-Produkt sich so erweitern lassen, dass es alle Systeme im Netzwerk unterstützt und noch Raum für Erweiterungen bietet. Für kleinere Unternehmen empfiehlt sich jedoch, keine Produkte auswählen, die für Enterprise-Umgebungen ausgelegt sind. Sonst zahlen sie nur für eine Skalierbarkeit, die sie kaum benötigen dürften.
Alarmmeldungen auf vielen Wegen
Alarmmeldungen (Alerting) und das Erstellen von Berichten sind Schlüsselkomponenten jedes Monitoring-Produkts. Aber wie benachrichtigt das Programm den Administrator, wenn es Probleme im Netzwerk erkennt?
Gute Monitoring-Produkte schlagen Alarm bei Applikations- und Gerätefehlern, beim Überschreiten von Schwellenwerten und bei sich ändernden Systemzuständen. Allerdings muss der Administrator entscheiden, auf welchem Weg er benachrichtigt werden möchte. Viele Produkte sind in dieser Hinsicht flexibel und senden Meldungen via E-Mail, Pop-up-Message, SMS, Syslog, auf Pager und Mobiltelefone.
Automatische Reaktion
Vielen Administratoren reicht es nicht, nur benachrichtigt zu werden. Sie möchten, dass die Monitoring-Applikation selbstständig Maßnahmen ergreift, um Fehler zu korrigieren.
Die meisten Monitoring-Tools erfüllen diesen Wunsch, indem sie dem Administrator erlauben, Aktionen zu konfigurieren, die das Programm in bestimmten Situationen automatisch ausführt. Das können einfache Dinge sein, wie etwa der Neustart eines Dienstes, aber auch komplexe Aktionen wie etwa eine skriptgesteuerte Programmausführung, Software-Downloads und SQL-Queries.
Aussagekräftige Berichte
Viele Programme bieten zwei Arten von Berichten: Echtzeit- und historische Reports. Zu wissen, was aktuell im Netzwerk geschieht, ist natürlich am wichtigsten, denn das erlaubt einen sofortigen Eingriff.
Historische Berichte beziehungsweise Berichte, welche in der Vergangenheit gesammelte Informationen aufbereiten und präsentieren, sind dagegen nützlich, um Trends zu erkennen und Probleme genauer zu analysieren.
Mit ihrer Hilfe lässt sich unter Umständen eine Fehlerursache rekonstruieren. Der Administrator kann dann Maßnahmen ergreifen, um das Problem künftig auszuschließen.
Spezifische Reports nicht immer möglich
So gut wie jedes Produkt bietet eine Fülle vorgefertigter Berichte für unterschiedliche Situationen. Diese Vorlagen lassen sich verwenden, um benutzerdefinierte Berichte zu erstellen.
Allerdings gestatten nicht alle Produkte dem Administrator, eigene Berichte zu entwerfen. Wem beispielsweise die vorgefertigten Berichte in Alchemy-Eye nicht genügen, muss beim Hersteller Vorlagen ordern, die seinen Vorstellungen entsprechen. Solche Wünsche erfüllt Alchemy Lab zwar gern, lässt sich das aber natürlich bezahlen.
Grundfunktionen häufig identisch
Was die Grundfunktionen betrifft, unterscheiden sich die meisten Netzwerk-Monitoring-Produkte kaum. Bei der Suche nach einem geeigneten Produkt kann es sich also lohnen, auf diejenigen Funktionen zu achten, die nicht jedes Produkt bietet.
Das könnte zum Beispiel eine umfassende automatische Geräte-Discovery sein. Ein solches Feature erleichtert die Aufgabe erheblich, die Gerätelisten und Übersichten der Programme zu bevölkern.
Vor allem bei großen IT-Infrastrukturen ist eine Funktion hilfreich, die automatisch eine Karte der Netzwerk-Topologie erstellt. Nicht jedes Monitoring-Tool bietet das. Der Administrator muss dann jedes Gerät manuell hinzufügen –eine Zeit raubende Aufgabe.
Wichtig: Übersichtliche Darstellung der Informationen
Benutzerfreundlichkeit und Schnelligkeit (der Schnittstelle) sind sehr wichtig. Tonnen von Features nützen wenig, wenn der Administrator lange nach wichtigen Informationen suchen muss oder das Programm Daten in einer Art darstellt, die mehr Fragen aufwirft als beantwortet.
Auf Web-Technik basierende Schnittstellen sind oft hübsch anzusehen und erlauben einen ortsunabhängigen Zugriff auf die Monitoring-Informationen. Allerdings schleppen sie häufig eine Menge Ballast mit sich herum, was sie nicht immer zu den schnellsten Applikationen macht.
In Organisationen, in denen der Administrator nicht allzu oft an unterschiedlichen Standorten oder von unterwegs aus aktiv ist, kann es sich lohnen, ein Produkt mit Windows-Konsole einzusetzen. Am vorteilhaftesten erscheinen Monitoring-Applikationen, die sowohl eine Windows- als auch eine Web-Konsole offerieren. Beispiele für solche Produkte sind Whatsup-Gold und Alchemy-Eye-Pro.
Uneinheitliche Lizenzmodelle erschweren Vergleich
Bei der Lizenzierung gehen die Hersteller nicht einheitlich vor. Das erschwert Preisvergleiche. Einige Anbieter, darunter Ipswitch, verlangen für jedes überwachte Geräte Geld. Andere Hersteller, beispielsweise Paessler, berechnen den Preis pro Sensor.
Wer beispielsweise den Preis von Ipswitchs Whatsup-Gold mit dem von Paesslers PRTG-Netzwerk-Monitor vergleichen möchte, muss zunächst herausfinden, wie viele Sensoren er pro Gerät benötigt. Denn ein Gerät führt ja mehrere Dienste, Applikationen und Protokolle aus, die möglicherweise jeweils eigene Sensoren erfordern.
Wieder andere Hersteller, unter anderem Alchemy Lab, lizenzieren pro Installation beziehungsweise pro Administratorarbeitsplatz. Wie viele Geräte diese Installation beobachtet und wie viele Sensoren oder Probes sie dazu benötigt, spielt keine Rolle. Diese Art der Lizenzierung ist sehr angenehm. Grundsätzlich empfiehlt es sich, ein wenig zu zählen und zu rechnen, um nicht in eine Lizenzfalle zu tappen.
Prüfen, ob Zusatzprodukte erforderlich sind
Apropos Geld: Bevor sich der Interessent für eine Monitoring-Lösung entscheidet, sollte er prüfen, ob diese nicht den Einsatz anderer Software erfordert. Ipswitchs Whatsup-Gold beispielsweise funktioniert nur in Zusammenarbeit Microsoft-SQL-Server. Das Tool begnügt sich zwar mit Microsoft-SQL-Server-2005-Express, aber diese Version reicht möglicherweise für große Organisationen nicht aus.
Netzwerk-Monitoring muss aber nicht teuer sein. Paessler verlangt für 100 Sensoren nur 195 Euro. Und für rund 300 Euro darf der Administrator Alchemy-Eye-Pro auf seiner Arbeitsstation installieren und damit eine uneingeschränkte Anzahl Netzwerkgeräte überwachen.
[1] http://www.tntsoftware.com/
[2] http://www.paessler.com/
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- 2. Seite: Praxis: Worauf IT-Profis bei der Auswahl von Netzwerk-Monitoring-Tools achten sollten (Fortsetzung)
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