Umfassende Planung notwendig:
Thema der Woche: Virtualisierung als Instrument für Green-IT, Teil 2

von Werner Veith (werner.veith@networkcomputing.de), vu

10.11.2008

Speicher- und Server-Virtualisierung werden beide als Green-IT vermarktet. Genaues Hinschauen ist gefragt, um alle möglichen Einspareffekte zu realisieren. Eine gemeinsame Betrachtung ist dabei unverzichtbar.

Network Computing unterhielt sich mit Ernst & Young [1], Hewlett-Packard [2], Logica [3], Redhat [4] und Siemens [5] über Virtualisierung bei Servern und Storage. Dabei ging es insbesondere darum, inwieweit sich die Technologien für den Einsatz im Rahmen von Green-IT eignen. Lesen Sie im Folgendem den zweiten Teil der Aussagen. Den ersten Abschnitt finden Sie hier [6]. Den Beitrag gibt es auch in den »IT-Solutions Storage 3/2008«, S. 34f.

Network Computing: Was macht die Virtualisierung mit Blick auf Kosten- und CO2-Einsparungen so interessant?


Michael Garri, Enterprise-Server-Business-Unit bei HP Deutschland

Michael Garri, Enterprise-Server-Business-Unit bei HP Deutschland: »Hardware, die abgeschrieben ist, oder neue Softwareversionen bilden meist den Anstoß von Konsolidierungs- und Virtualisierungsprojekten. Der Vorzug der Virtualisierung besteht darin, dass sich dadurch der Hardwareeinsatz deutlich reduzieren lässt. Sowohl die flexible logische Zuordnung von Kapazitäten als auch leistungsstärkere Hardware fördern diese Reduzierung. Das drosselt unter dem Strich auch den Energieverbrauch.«

Peter Arbitter, Leiter Portfolio- und Technologie-Management bei Siemens IT-Solutions und Services: »Durch die Virtualisierung lassen sich Speicher- und Server-Kapazitäten logisch zuordnen, losgelöst von der Physik. Diese Flexibilität spart bis zu 30 Prozent der bestehenden Hardware und dadurch Strom, CO2 und Entsorgungslasten ein. Aber zu viele Neuanschaffungen an Hardware und Software können einen Strich durch die Rechnung machen. Neue Simulationsprogramme unterstützen darin, nur an den dringend erforderlichen Stellen zu investieren.«

Network Computing: Lohnt es sich, für Green-IT und Kosteneinsparungen von Speicher und Server getrennt zu betrachten?


Wolfgang Möller, Senior-Consultant Virtualisierung bei Logica

Wolfgang Möller, Senior-Consultant Virtualisierung bei Logica: »Ohne die Speichereinheiten einzubinden, ist keine Virtualisierung im vernünftigen Stil möglich. Dies wird schon dadurch deutlich, dass auch die virtuellen Maschinen Speicherplatz benötigen. Deshalb müssen Speichersysteme in ein ganzheitliches Virtualisierungskonzept einbezogen werden. Virtualisierung sollte also unbedingt umfassend greifen.«

Arbitter: »Server beziehen die Daten aus Speichern. Diese residieren oft auf Servern. Schon deshalb ist es wenig sinnvoll, Green-IT-Konzepte getrennt für Speicher und Server zu entwickeln. Nur die Gesamtsicht und Wechselwirkungen von Storage- und Server-Kapazitäten machen es möglich: Der Stromverbrauch wird im Sinne der Umwelt und des Klimas nachhaltig reduziert.«

Network Computing: Inwieweit lässt sich durch die Kombination von Storage- und Server-Virtualisierung die Einsparungen erhöhen?


Jan Wildeboer, E/ME/A-Evangelist bei Redhat

Jan Wildeboer, E/ME/A-Evangelist bei Redhat: »Die Virtualisierung von Storage wird sich mit Blick auf Budget und Klima selten rechnen. Die Unternehmen werden dennoch diese Virtualisierung anpacken müssen. Es geht einmal darum, das stark steigende Datenwachstum in den Griff zu bekommen und zu behalten. Zum anderen kommen optimierte Geschäftsprozesse ohne dynamisch zuweisbare Server- und Speicherkapazitäten nicht aus. Beides ist nur mit Virtualisierung zu bewerkstelligen.«

Dr. Robert Heinrich, Partner-Advisory Services bei Ernst & Young: »Die logische Verbindungs- und Ausführungsschicht beider Virtualisierungsbereiche birgt für die Unternehmen lukrative Einsparungspotenziale. Das gilt vor allem, wenn sie so gestaltet werden, dass sie möglichst gut zusammenwirken. Aber Vorsicht: Wird die logische Komplexität dieser Schicht nicht hineinreichend durchdrungen, kann dies umgekehrt den Stromverbrauch und CO2-Ausstoß steigern.«

Network Computing: Sehen Sie bei der Virtualisierung auch Aspekte, die sich im Blick auf das Budget und die Umwelt kontraproduktiv auswirken?


Peter Arbitter, Leiter Portfolio- und Technologie-Management
bei Siemens IT-Solutions und Services

Arbitter: »Neue Hardware sowie die Software für die Virtualisierung und das Management solcher Lösungen kosten Geld. Auch ihre Projektierung verursacht Kosten. Deshalb sollte nur so viel wie notwendig und lohnend auf der Storage- und Server-Seite investiert werden. Dann wird sich das zweifach auszahlen: in einer schnellen Amortisierung sowie einer Verringerung von Produktions- und Entsorgungslasten. Auch das sind Umweltfaktoren.«

Garri: »Eine Virtualisierung ohne klare Strategie, Konzept und Vorgehensweise wird zu mehr Hardware bei zusätzlichen Softwarekosten führen. Sie trägt also weder zur Entlastung des IT-Budgets noch des Klimas bei. Der erwartete Nutzen stellt sich nur ein, wenn einmal die Virtualisierung zielgerichtet geplant wird. Zum anderen müssen die Zwischenergebnisse im Projektverlauf immer wieder kontrolliert werden. Das wird bisher leider nur selten befolgt.«

Network Computing: Was sollte ein Unternehmen bei der Gesamtrechnung mit Blick auf das eigene Budget und die Umwelt keinesfalls vergessen?


Dr. Robert Heinrich, Partner-Advisory Services bei Ernst & Young

Dr. Heinrich: »Wie gesagt: zusätzliche Hardware ist immer ein umweltbelastender Faktor. Das gilt auch für die Geräteperipherie. Außerdem: Die wenigsten Unternehmen werden per Virtualisierung tatsächlich den Stromverbrauch und CO2-Ausstoß auf Dauer drosseln können. Die anvisierten Einsparungen werden in der Regel schon nach drei Jahren durch das Wachstum bei den Daten und Verarbeitungskapazitäten aufgezehrt sein.«

Möller: »Eine seriöse Rechnung sollte alle Kostenfaktoren für die umfassende Virtualisierung einkalkulieren. Kein Unternehmen investiert nur der Umwelt und des Klimas zuliebe. Kosten- und Emissionseinsparungen sind aber nicht die einzigen Nutzen, die sich aus der Virtualisierung ziehen lassen. Auch darüber generierbare Leistungsvorteile sind viel Geld wert und für möglichst gut e Geschäftsprozesse unverzichtbar.«

[1] http://www.ey.com/
[2] http://www.hewlett-packard.de/
[3] http://www.logica.com/germany
[4] http://www.redhat.de/
[5] http://www.siemens.de/
[6] thema-der-woche-virtualisierung-als-instrument-fuer-green-it-teil-1/

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