Test: LAN-Switch:
Network-Computing-Test: LAN-Switch »Netgear Prosafe GS724AT«

von Bernd Reder (bernd.reder@networkcomputing.de), Dirk Jarzyna

31.10.2008

Der Netgear Prosafe GS724AT hat viel mehr auf Lager, als lediglich Netzwerksegmente miteinander zu verbinden. Er bringt zusätzliche Sicherheit ins Data-Center, ist fehlertolerant und nutzt die Bandbreite effizient, wie sich im Test von Network Computing zeigte.

Netzwerk-Switches sind unscheinbare Geräte. Sie sitzen im Rack und verbinden Netzwerksegmente. Generell schenkt ihnen niemand viel Aufmerksamkeit – solange sie funktionieren.

Switches, die eher am oberen Ende des Leistungsspektrums angesiedelt sind, tun allerdings doch einiges mehr, als nur Netzwerkverkehr von einem Segment in ein anderes zu leiten. Einen solchen Switch hat Netgear [1] mit dem »Prosafe-GS724AT« im Angebot. Das Gigabit-Ethernet-System mit 24 Ports ist ein Musterbeispiel dafür, welche Funktionsvielfalt ein Switch inzwischen bietet.

Das Testgerät

Zum Test lieferte Netgear ein Paket mit folgendem Inhalt: das Gerät, Gummifüße für die Installation auf einem Tisch, ein Netzkabel, ein 19-Zoll-Einbau-Set, eine Smart-Switch-Ressourcen-CD und Garantie-/Support-Informationen.


Der Netgear Prosafe GS724AT hat 24 Gigabit-Ethernet-Ports und vier SFP-Schnittstellen.

Der Switch ist werkseitig für die Nutzung von DHCP konfiguriert, womit er in einem funktionierenden Netzwerk sofort einsatzbereit ist. Ist kein DHCP-Server erreichbar, nutzt er eine fest codierte IP-Adresse – sehr bequem fürs Setup.

Mit 3,1 Kilogramm ist der GS724AT ein Leichtgewicht. Und mit Maßen von 43 x 440 x 205 Millimetern passt das System auch in volle Racks.

Wizard spürt Switch auf

Das Gerät besitzt einen integrierten Web-Server und eine Management-Software. Auf der Ressourcen-CD befindet sich ein Smart-Wizard, der den angeschlossenen Switch erkennt.

Tatsächlich fand der Wizard den GS724AT, aber auch noch zwei weitere Switches im Testnetzwerk. Nach der Geräteentdeckung bietet die Managementkonsole mehrere Konfigurationsoptionen: Konfigurationseinstellungen, Passwortänderung, Web-Zugriff, DHCP-Refresh und Discover.

Die Web-Zugriffsoption öffnet die Konsole im Browser und bietet dem Systemverwalter Zugriff auf eine Vielzahl von Administrationsfunktionen. In der System-Registerkarte gibt der Fachmann den Systemnamen, den Standort des Geräts und Kontaktinformationen ein.

Managementsystem zeigt Switch als Grafik an

Es gibt auch eine Einstellung für Jumbo-Frames. Ist sie aktiviert, leitet der Switch auch Ethernet-Frames weiter, die größer als 1500 Byte sind. Dieser Bereich der Managementschnittstelle dient außerdem zur Einstellung der Idle-Timeout-Periode, von IP-Informationen und der SNTP-Server-Definition.

Die Managementkonsole bietet eine grafische Repräsentation des Switches, die den LED-Status und die Port-Nutzung zeigt. So kann der Administrator den Switch »sehen«, selbst wenn er sich an einem anderen Standort befindet.

Überzeugen kann der GS724AT durch die erweiterten Features und deren einfache Konfiguration. Getestet wurde unter anderem das SNMP-Monitoring. Die Schnittstelle machte es sehr einfach, diese Funktion zu aktivieren.

Der Switch unterstützt SNMP V1, V2 und V3. Getestet wurde mit V1. Zu definieren war lediglich eine Netzwerkmaschine, zu der SNMP-Traps gesendet werden konnten. Die gesammelten Netzwerkinformationen lassen sich mit Applikationen von Drittherstellern analysieren, etwa mit Wireshark [2].

Lastausgleich und Port-Aggregation inklusive

Der Switch kann auch LLDP (Link Layer Discovery Protocol) nutzen, um Switches anderer Hersteller im Netzwerk zu entdecken und zu verwalten. Die Voraussetzung ist, dass diese Geräte ebenfalls LLDP unterstützen.

Eine Funktion namens Link-Aggregated-Groups, kurz LAG, erlaubt eine virtuelle Port-Aggregation. Dies multipliziert die Bandbreite und bietet Link-Redundanz für mehrfache Geräte sowie Load-Balancing.

Hohe Durchsatzwerte

Mit Hilfe der Chariot-Utility von Ixia [3] führte Network Computing in einem 100-MBit/s-Ethernet-Netz einige Durchsatztests durch. Am Switch waren der Desktop-Client, eine weitere Arbeitsstation und der Server angeschlossen.

Die Resultate waren beeindruckend: Beim Single-Direction/One-Pair-Test erreichte der Switch im Durchschnitt 90 MBit/s, beim bidirektionalen Test mit 100 Transaktionen pro Sekunde waren es 90,136 MBit/s.

Das Gerät bietet zudem mehrere Sicherheitsoptionen. Es unterstützt Radius und Tacacs+, und für IEEE 802.1x lässt sich Port-Authentifizierung einstellen.

Nur was den technischen Support betrifft, sind beim Prosafe GS724AT Abstriche zu machen: Ein Klick auf die entsprechende Registerkarte führt zu einer Knowledge-Base und einem Online-Handbuch. Die Eingabe von Begriffen wie LLDP, SNMP und LAG im Suchfeld – alles Features des Switches – brachte jedoch keine Resultate.

Technische Daten und Preis

Hier noch ein Blick auf die wichtigsten technischen Daten des Switches: Er hat 24 Gigabit-Ethernet-Ports, dazu vier SFP-Schnittstellen (Small Form Factor Pluggable) für den Anschluss von Glasfaserkabeln.

Wichtig für Anwender, die Echtzeitdaten wie Voice-over-IP über das Netz laufen lassen: Der GS724AT unterstützt das Priorisieren von Paketen auf Basis von IEEE 802.1p und Bandbreiten-Begrenzung (Rate-Limiting). Hinzu kommen Quality-of-Service-Funktionen auf Layer 3 und 4.

Laut Datenblatt beträgt die Backplane-Bandbreite des Systems 48 GBit/s. Die Latenzzeit beim Transport von 64-Byte-Frames im Store-and-Forward-Modus gibt Netgear mit 3 ms an.

Der Straßenpreis des Switches liegt zwischen etwa 360 und 430 Euro (inklusive Mehrwertsteuer).

[1] http://www.netgear.de/
[2] http://www.wireshark.org/
[3] http://www.ixiacom.com/