Umfrage von Cognizant in Europa:
Outsourcing-Trends: Kosten-Reduktion verliert Alleinherrschaft

von Lars Bube (lars.bube@crn.de), Werner Veith

29.01.2010

Es sind beim Outsourcing nicht mehr die Kosten beziehungsweise der Return-on-Investment, das Unternehmen treibt. Sie schauen vermehrt darauf eine langfristige Wertschöpfung, um etwas eigene Kapazitäten besser zu nutzen.

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Technologien wie Cloud Computing verändern die Outsourcing-Landschaft zunehmend. (Quelle: Fotolia, Kempf)

Auch im Jahr 2010 ist bei den IT-Budgets keine merkliche Erholung zu erwarten (siehe: IT-Budgets bleiben auf dem Niveau von 2005). Damit rücken gerade Themen wie Outsourcing und Cloud Computing, mit denen sich schnell und ohne große Investitionen Sparpotentiale erschließen lassen, noch weiter nach oben auf der Agenda der IT-Verantwortlichen. Allerdings verändert sich auch die Herangehensweise an solche Projekte inzwischen, wie eine Studie des IT-Experten Cognizant in Zusammenarbeit mit der britischen Warwick Business School zeigt, in deren Rahmen CFOs und CIOs in sechs europäischen Regionen und aus mehr als 260 Großunternehmen zu ihren Meinungen zum Thema Outsourcing befragt wurden.

Demnach wird es beispielsweise für die Unternehmen zunehmend schwerer, Fachpersonal zu akquirieren, wodurch der Zugang zu Fachkräften beim Outsourcing inzwischen einen höheren Stellenwert einnimmt, als die reine Kostenbetrachtung. So gaben 64 Prozent der Befragten, die IT- und Geschäftsprozesse auslagern, an, dadurch auf Qualifikationen zurückgreifen zu können, die ihnen intern nicht zur Verfügung stehen. Die Kosteneinsparungen stehen hingegen nur bei 41 Prozent der Auslagerungsbestrebungen und –Projekte im Vordergrund. Damit ist den Verantwortlichen dieser Aspekt ebenso wichtig, wie über den Dienstleister Zugang zu innovativen Prozessen und Praktiken zu erhalten. Weitere 40 Prozent lagern IT- und Geschäftsprozesse aus, um interne Hardware- und Human-Ressourcen freizulegen.

Sechs Trends verändern die Outsourcing-Landschaft

Aufgrund der Ergebnisse der Studie identifiziert Cognizant sechs Trends, die 2010 die Outsourcing-Landschaft für Unternehmen und Anbieter nachhaltig verändern werden:

1. Langfristige Wertschöpfung: Früher wurden IT-Projekte in erster Linie ausgelagert, um Kosten zu sparen, wobei ein schnellstmöglicher Return on Investment (RoI) stets oberstes Gebot war. Viele Manager haben hier bereits im vergangenen Jahr umgedacht und erkennen zunehmend Vorteile des Outsourcings für ihr Unternehmen, die weit über eine reine Kostenersparnis hinausreichen. Dazu gehört insbesondere, dass das Auslagern von Prozessen ihnen hilft, interne Kapazitäten zu befreien.

Die langfristige Wertschöpfung bei Auslagerungen rückt zunehmend in den Fokus der Unternehmen. (Quelle: Fotolia, dinostock)

Neben dem Branchenwissen, über das zu den Anforderungen passende Outsourcing-Anbieter verfügen sollten, bieten diese den Firmen oft auch Expertise, die Unternehmen aus Zeit- und Kostengründen in dieser Tiefe gar nicht eigenständig aufbringen können. Darüber hinaus geht Cognizant davon aus, dass Verantwortliche 2010 verstärkt realisieren werden, dass sie durch externe Dienstleister einen breiteren Zugriff auf neueste Technologien und Innovationen erhalten. Dennoch bleibt ein schneller RoI in der aktuellen Wirtschaftslage allerdings unabdingbar.

2. Kompakte, stark fokussierte Verträge: Outsourcing-Verträge werden immer kürzer, bei einer gleichzeitig immer stärker werdenden Fokussierung auf individuelle Bereiche. Unternehmen wollen dadurch flexibler werden und schneller evaluieren können, welche Geschäftsanforderungen sich verändern. Besser als ein großes Gesamtprojekt lassen sich mehrere kleinere Outsourcing-Projekte einfacher verwalten und Ergebnisse besser messen. Mehrere kleine Verträge werden zudem immer häufiger auf verschiedene Outsourcing-Dienstleister verteilt, um Risiken zu minimieren. Dies erhöht allerdings die Anforderungen an ein professionelles Lieferantenmanagement und die Interoperabilität der Anbieter.

Outsourcing kommt im Mittelstand an

3. Breitere Akzeptanz: Outsourcing wurde lange ausschließlich von großen Unternehmen praktiziert. Mittlerweile ist die Akzeptanz für Outsourcing jedoch auch unter kleinen und mittleren Unternehmen gestiegen und wird sich 2010 weiter entwickeln. Erfahrungen großer Unternehmen mit professionellen Anbietern lassen Bedenken anderer schrumpfen. Dieser Trend verstärkt sich durch die Wahrnehmung weiterer Geschäftsnutzen, da die Kostenoptimierungspotenziale kleiner und mittlerer Unternehmen begrenzt sind.

Auch Outsourcing wird zunehmend globalisiert. (Quelle: Fotolia, Ioannis Kounadeas)

4. Globalisierte Prozesse: Internationalisierung wird im Outsourcing weiterhin eine große Rolle spielen. Gerade Technologien wie Cloud Computing führen hier zu einer völlig neuen Ortsunabhängigkeit. Durch globale Kollaborationsprojekte können IT-Entwicklungen rund um die Uhr bearbeitet und Markteinführungszeiten enorm verkürzt werden. Die Zusammenarbeit mit international aufgestellten Dienstleistern ermöglicht außerdem den Zugriff auf kostengünstige, qualitativ hochwertige Ressourcen, durch die Unternehmen effizienter arbeiten und so auch im Heimatmarkt wachsen können. Abstriche an Termintreue und Qualität werden hier jedoch weiterhin nicht toleriert.

5. Business-Process-Outsourcing: Um Arbeitsabläufe zu optimieren, werden Unternehmen neben IT-Dienstleistungen verstärkt auch Geschäftsprozesse ausgelagert. Egal, ob es um die Beurteilung von Schadensfällen im Versicherungswesen, die Marktforschung im Investmentbanking, Vertrieb und Marketing in der Hotellerie, Buchhaltung in den verschiedensten Branchen oder Medikamententests in der Pharmaindustrie geht: Unternehmen werden 2010 weitere Prozesse auslagern, um sich verstärkt auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren und Kosten, insbesondere im Personalbereich, zu variabilisieren.

Virtualisierung und Cloud Computing

6. Virtualisierung: Die Verfügbarkeit und steigende Akzeptanz von Cloud Computing-Technologien werden in diesem Jahr weiter an Bedeutung gewinnen und das Auslagern von IT-Services beeinflussen. IT-Services können durch diese Möglichkeiten künftig jeweils dort erbracht werden, wo dies am effizientesten möglich ist. Die IT-Infrastrukturen in den Unternehmen selbst werden gleichzeitig immer schlanker und lassen sich somit einfacher verwalten. Gleiches gilt für Geschäftsprozesse. Auch hier werden erste Prozesse auf Abruf bereitgestellt werden.

Dieter Berz ist Country Managing Director von Cognizant Deutschland.

»Eine der wichtigsten Entwicklungen wird sein, dass deutsche Unternehmen den eigentlichen Mehrwert von Outsourcing besser erkennen und messen – auch jenseits der kurzfristigen Kosteneinsparung«, fasst Dieter Berz, Country Manager von Cognizant Deutschland, zusammen. »Unternehmen werden weiterhin vorsichtig mit Investitionen umgehen. Sie sind jedoch auf der Suche nach Möglichkeiten, Prozesse flexibler und effizienter zu gestalten. Dabei vertrauen sie auf starke externe Dienstleister. Wir erwarten daher ein Marktwachstum, auch wenn es krisenbedingt in Teilbereichen etwas langsamer voran gehen wird.«

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