IP-Telefone auf dem Prüfstand: Teil 3:
Test: IP-Telefon Siemens Gigaset S675 IP
Es muss nicht immer Skype sein, auch andere VoIP-Provider bieten guten und kostengünstigen Service. Und das Gigaset S675 IP ist genau das richtige Telefon dafür. Das belegt Test von Network Computing.
Skype [1]-Fans schauen beim Gigaset S675 IP von Siemens [2] in die Röhre. Denn das IP-Telefon unterstützt zwar das Session-Initiation-Protocol (SIP), nicht aber Skype. Das ist schade, denn ein VoIP-Telefon mit dieser Funktionsvielfalt und Qualität ist im Skype-Umfeld kaum zu finden.
Hinterließ im Test einen ausgezeichneten Eindruck: das Gigaset S675 IPvon Siemens. Ein Manko: Es unterstützt leider kein Skype.
Ein komfortables Dual-Phone mit integriertem Anrufbeantworter für Skype-Nutzer ist bekanntlich schon lange überfällig. Aber an VoIP-Service-Providern mangelt es nicht, und für diejenigen, die SIP unterstützen, ist das S675-IP eine exzellente Wahl.
Das S675-IP ist ein schnurloses Dual- oder Hybrid-Telefon. Das heißt, es unterstützt neben Voice-over-IP auch Anrufe über das normale öffentliche Telefonnetz. Dazu ist das Telefon mit beiden Anschlüssen zu verbinden, der VoIP- und der Standard-Telefonschnittstelle.
Über Gigaset.net kostenlos telefonieren
Voraussetzung für VoIP-Anrufe ist eine Registrierung bei einem Provider, beispielsweise 1&1, Freenet, Sipgate oder T-Online. Außerdem muss das Telefon für den entsprechenden VoIP-Dienst konfiguriert werden.
Das S675-IP erleichtert diese Konfiguration durch einen Installationsassistenten. Einzugeben sind lediglich der Provider, die eigene SIP-ID und das SIP-Passwort.
Außerdem unterstützt das Telefon den Service »Gigaset.net [3]«. Bei diesem Dienst ist keine Anmeldung bei einem VoIP-Provider erforderlich: Telefon auspacken, an eine Breitband-Verbindung anschließen, und schon kann der Nutzer telefonieren oder andere Informationsservices verwenden. Telefonate mit anderen Gigaset.net-Benutzern sind kostenlos.
Basisstation für bis zu sechs Endgeräte
Das Gigaset S675 IP besteht aus einem Endgerät, einer Basisstation und einer Ladestation. Die Basisstation wird über ein Standard-Ethernet-Kabel mit dem Router verbunden. Über das mitgelieferte Telefonkabel stellt der Benutzer die Verbindung zum Festnetzanschluss her.
Eine Basisstation unterstützt bis zu sechs Telefone, die unterschiedliche VoIP-Provider nutzen können. Allerdings sind gleichzeitig nur bis zu zwei VoIP-Verbindungen und ein Festnetz-Gespräch möglich.
Die Reichweite des Telefons beträgt im Gebäude bis zu 50 Meter, im Freien bis zu 300 Meter. Bei diesen Werten handelt es sich allerdings Werte, die unter optimalen Bedingungen zu erzielen sind. In der Praxis hängt die Reichweite stark von der Struktur eines Gebäudes ab. In einem Altbau mit massiven Wänden kann die Reichweite deutlich weniger als 50 Meter betragen.
Einfache Bedienung
Das Gerät sieht hochwertig aus und liegt gut in der Hand. Es besitzt ein hintergrundbeleuchtetes Farbdisplay mit einer Auflösung von 128 x 160 Pixeln. Das ist guter Durchschnitt.
Die Menüführung ist einfach. Wem die Konfiguration von Telefoneinstellungen über das relativ kleine Display und die Telefontasten zu umständlich ist, kann sich von einem Computer aus via Browser bei der Basisstation anmelden und auf diesem Weg alle wichtigen Einstellungen vornehmen.
An die Basisstation des Gigaset S675 IP lassen sich bis zu sechs Endgeräte anschließen.
Ein nettes Feature: Über die Web-Schnittstelle lassen sich auch bis zu 250 vCards importieren. Das Telefon speichert unter anderem den Vor- und Nachnamen, bis zu drei Telefonnummern und die E-Mail-Adresse eines Kontakts.
Bessere Klangqualität durch High-Definition-Sound-Performance
Ein Pluspunkt des S675-IP ist die Unterstützung von HDSP (High-Definition-Sound-Performance). Diese Technik verbessert die Klangqualität, indem sie VoIP- und interne Gespräche mit 8 kHz statt mit den sonst üblichen 4 kHz überträgt. Tatsächlich war im Test die Stimme des Gesprächspartners erheblich klarer zu hören.
Besonders deutlich wurde der bessere Klang beim Einschalten des Lautsprechers der Freisprecheinrichtung. Der Wermutstropfen dabei: Um in den Genuss der verbesserten Soundqualität zu gelangen, müssen beide Gesprächspartner ein Telefon benutzen, das HDSP unterstützt.
Das sind in der Regel Telefone, die den DECT-Nachfolgestandard CAT-iq mit dem Wideband-Codec G.722 nutzen. Nach und nach werden wohl alle wichtigen Hersteller diesen neuen Standard in ihren Geräten implementieren.
Siemens gibt die Gesprächszeit des Gigaset mit bis zu zehn Stunden und die Standby-Zeit mit bis zu 180 Stunden an. Siemens bietet das Gerät für rund 140 Euro an. Im Online-Handel ist es nicht allzu viel günstiger zu bekommen - für etwa 120 bis 130 Euro, zuzüglich Versandkosten.
Fazit
Das Gigaset S675-IP ist ein überdurchschnittlich gut ausgestattetes Gerät. Es stellt beispielsweise und einen Anrufbeantworter zur Verfügung, der bis zu 30 Minuten aufzeichnet, außerdem einen Raumalarm, der sich beispielsweise zur Baby-Überwachung eignet, sowie eine Kalender- und Weckfunktion.
Ein weiteres Extra sind kostenlose Info-Dienste: der Bildschirmschoner des Telefons zeigt auf Wunsch Wettervorhersagen und RSS-Feeds an.
Das S675 bietet darüber hinaus den Komfort der E-Mail-Benachrichtigung: Es zeigt eingegangene Nachrichten mit Betreff, Zeit und Datum an, ohne dass der Benutzer sein E-Mail-Konto am PC öffnen muss.
Als Resümee lässt sich festhalten: Wer auf Skype verzichten kann, dafür aber ein flexibles und qualitativ hochwertiges IP-Telefon mit reichhaltiger Ausstattung sucht, ist mit dem Gigaset S675 IP bestens bedient.
[1] http://www.skype.de/
[2] http://www.siemens.de/
[3] http://www.gigaset.net
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