Thomas Bruckbauer im Gespräch:
Neuer Funkwerk-Chef soll es retten
Die Funkwerk Enterprise Communications entstand aus verschiedenen Einzelfirmen. Doch das Konzept ging so nicht auf. Jetzt soll sie der neue Chef Thomas Bruckbauer restrukturieren.
Im Exklusiv-Interview befragte unsere Schwesterzeitschrift Computer Reseller News den neuen Chef Bruckbauer von Funkwerk Enterprise Communications. Der Netzwerk- und Telekommunikationstechnik-Anbieter Funkwerk [1] musste im zweiten Quartal einen Rückgang beim Ergebnis verbuchen. Während andere Unternehmensbereiche zum Teil ganz gut dastehen, bereitet insbesondere die Sparte »Funkwerk Enterprise Communications [2]« (FEC) Probleme. Um FEC wieder auf Kurs zu bringen, wird das aus den zusammen gekauften Einzelfirmen Artem, Bintec, Elmeg und Funktel jetzt wieder ein Teil herausgelöst: Funktel wird künftig ein Bestandteil der Sicherheits-Sparte »Secrity Communication« werden. Der neue Bereich enthält die Produktgruppe Messaging (Lösungen zur Personensicherung) und die bisher bei »Traffic & Control Communication« angesiedelten Videosysteme.
Will Funkwerk in das Carrier-Geschäft lotsen. Der neue Funkwerk-Chef Thomas Bruckbauer
Die übrige FEC mit Hauptsitz in Nürnberg soll sich künftig noch stärker auf professionelle Netzwerk- und Telekommunikationslösungen fokussieren. Als neuen Geschäftsführer hat Funkwerk für FEC Thomas Bruckbauer, den bisherigen Alleingeschäftsführer der zur Sagem-Gruppe gehörenden Dr. Neuhaus Telekommunikations GmbH, verpflichtet. Der Diplom-Ökonom kann 20 Jahre Berufserfahrung in leitenden und geschäftsführenden Positionen in der IT- und TK-Branche vorweisen, war vor Dr. Neuhaus unter anderem bei Siemens, Tellabs und Newbridge Networks tätig.
Im Gespräch umreißt Bruckbauer, was sich bei FEC ändern soll. So will er nach der Funktel-Ausgliederung neben dem Channelvertrieb die Belieferung von Netzbetreibern als zweites Standbein ausbauen. »Wir wollen verstärkt in das Carrier-Geschäft vordringen. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir dieses Ziel erreichen können,. Zahlreiche unserer Produkte sind sehr gut für die Vermarktung über den Channel wie auch für Netzbetreiber geeignet «.
Vorgänger Domröse agierte unglücklich
Der neue Vertriebsarm gilt zwar als margenarm, bringt aber anderweitig Vorteile: Da die Carrier in der Regel große Stückzahlen eines Produktes abnehmen, kann FEC bei Zulieferern größere Mengen ordern. Auch bessere Einkaufspreise lassen sich dadurch durchsetzen. Davon soll mittelfristig auch der Channel durch eine verbesserte Margensituation profitieren. Zudem bekämen FEC-Partner – insbesondere im Projektgeschäft – mehr Spielraum für Rabatte. Einige der FEC-Produkte gelten in der Branche zwar als technisch und qualitativ gut, aber als zu teuer. Das hat negative Auswirkungen: »Wir nehmen FEC im Projektgeschäft derzeit kaum als Konkurrenten war«, sagt dazu ein Mitbewerber.
Kanzlerin Merkel besuchte dieses Jahr den CeBIT-Stand von Funkwerk
Dass sein Vorgänger Hans-Ekkehard Domröse schon beim Aufbau der FEC Fehler gemacht habe, sieht der neue FEC-Chef nicht: Die bisherige Strategie sei nicht fehlgeschlagen sondern werde jetzt »lediglich weiterentwickelt«. Folgerichtig sei deshalb die Herauslösung der früheren Firma Funktel, da sie technologisch nicht zu den anderen Bereichen passe. »Die Technik der Artem-, Bintec- und Elmeg-Lösungen basiert vorrangig auf WLAN und IP. Dagegen basiert ein Großteil der Funktel-Produkte auf DECT und TETRA basiert«, so Bruckbauer. Funktel adressiert in erster Linie öffentliche Auftraggeber, die übrigen FEC-Produkte zielen auf Anwender in kleinen und mittleren Unternehmen. Dass es sein Vorgänger Domröse war, der die Integration von Funktel in FEC erreichen wollte, sagt Bruckbauer nicht. Tatsächlich ist die von ihm erwähnte Weiterentwicklung der Domröse-Politik jedoch eine deutliche Kehrtwende.
Dabei soll Domröse auch intern keine glückliche Hand gehabt haben, erfuhr CRN aus Unternehmenskreisen: Der ausgeschiedene Vorstand habe die Firma geradezu militärisch mit harter Hand geführt. Statt Kreativität zu fördern, habe der Ex-Chef in erster Linie Gehorsamt verlangt und nur zu wenigen Mitarbeitern ein Vertrauensverhältnis gepflegt. Auch sei es bis dato längst nicht gelungen, die früheren Einzelunternehmen zu einer schlagkräftigen Einheit zu verschweißen: »Die Mentalität in Ulm, Nürnberg und Peine ist nach wie vor sehr unterschiedlich«, sagt ein früherer Mitarbeiter.
Schließungen »völlig aus der Luft gegriffen«
Die schwierige Aufgabe von Bruckbauer wird es demnach sein, neben der Restrukturierung und dem Aufbau des Carrier-Vertriebs auch intern für einen Umschwung zu sorgen. Standortschließungen, von denen unter anderem in einer DPA-Meldung die Rede war, wird Bruckbauer hingegen nicht ankündigen müssen: »Die Funkwerk AG – und nicht nur FEC – wird rund hundert von derzeit knapp 1.600 Arbeitsplätzen abbauen. Von diesem Abbau sind rund 60 bis 65 Stellen bei dem erst kürzlich übernommenen, französischen Beschallungsspezialisten Bouyer betroffen«, erläutert Bruckbauer. Über die in einigen Medien verkündeten Schließungen bei FEC habe er sich geärgert, da diese Berichte schlicht falsch seien. »Das ist völlig aus der Luft gegriffen: Es gab bisher keine Schließungen und es sind derzeit auch keine geplant«. Fest steht jedoch ein Teilrückzug: »Wir werden uns im Auslandsgeschäft aus einigen wenigen Ländern wieder zurückziehen, wo wir bislang nur schwach aufgestellt waren«, räumt Bruckbauer ein.
Klar ist dennoch, dass die Muttergesellschaft Funkwerk AG von Bruckbauer erwartet, dass sich seine Rettungsstrategie in absehbarer Zeit auch in Form von besseren Geschäftszahlen bemerkbar macht. Unter Zeitdruck habe ihn die Firmenmutter nicht gesetzt, betont der neue FEC-Chef. »Druck spüren wir vom Markt und von unseren Kunden. Dem stellen wir uns«. Sollte sich jedoch der Ausbau des Carriergeschäft als Flop erweisen und sollte das Partnergeschäft eher ab- als zunehmen, dann könnte dem neuen Chef doch noch die unangenehme Rolle des Hiobs-Botschafters zufallen: »Wenn sich dort nichts entscheidendes verändert, gibt es den Laden spätestens in drei Jahren nicht mehr«, ist ein früherer Mitarbeiter überzeugt. Die Herauslösung der profitablen Funktel könnte ein Indiz dafür sein, dass die Firmenleitung eine Bruchlandung von FEC zumindest nicht völlig ausschließt.
Mit freundlicher Genehmigung der Computer Reseller News [3]
[1] http://www.funkwerk.com/de/
[2] http://www.funkwerk-ec.de/
[3] http://www.crn.de/
- 1. Seite: Neuer Funkwerk-Chef soll es retten
- 2. Seite: Neuer Funkwerk-Chef soll es retten (Fortsetzung)
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