Mobile Computing:
Studie: »iPhone 3G« ist nur bedingt businesstauglich
Eine Untersuchung des Berliner Beratungsunternehmens Berlecon Research bescheinigt dem »iPhone 3G« zwar eine zukunftsweisende Bedienfreundlichkeit. Für den Business-Einsatz könne das Gerät derzeit aber nicht mit der Konkurrenz mithalten.
(Fortsetzung des Artikels von Seite 2)
Apple [1]wirbt bei seinem neuen »iPhone 3G« mit neuen Businessfunktionen um die Gunst der Geschäftskunden. Einer Untersuchung von Berlecon Research [2] zufolge ist das Apple-Handy aber genau hier nur bedingt einsatzfähig. Zwar habe Apple mit dem zukunftsweisenden Bedienkonzept des »iPhone« die alteingesessenen Hersteller wachgerüttelt.
Schön, aber laut Berlecon nur bedingt für den Geschäftsalltag geeignet: dasiPhone 3G von Apple.
Der Erfolg bei den Kunden durch die Interaktion über Gestik, die benutzerzentrierte Bedienlogik, das Design und die schnellen Reaktionszeiten sei für die etablierten Handyhersteller ein Aufforderung, ihre teilweise nicht sehr benutzerfreundlichen Konzepte zu überarbeiten.
Dies reiche aber derzeit nicht aus, die Platzhirsche Blackberry [3] von Research In Motion (RIM [4]) sowie Geräte mit Windows Mobile ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Die etablierten Anbieter könnten auf langjährige, breite Unterstützung von Drittherstellern zurückgreifen, um zusätzliche Geschäftsapplikationen und Dienste beispielsweise für Customer-Relationship-Management (CRM) oder Gerätemanagement für die jeweiligen Systeme anzubieten.
Schwächen bei Bedienung und Administration
Darüber hinaus weisen die Marktforscher auf Schwachstellen bei der Bedienung, bei der Mailsynchronisation und der Administrierbarkeit in Firmennetzwerken hin.
Wer beispielsweise täglich mit dem iPhone seinen Geschäftsalltag bestreitet, werde wesentliche Funktionen vermissen. So fehle für die Textverarbeitung die Funktion »Cut, Copy and Paste«. Diese Lücke könne nur Apple im Betriebssystem selbst schließen.
Auch als UMTS-Modem für das Notebook ist das »iPhone 3G« mit der neuen Firmware nicht zu verwenden. So müssen Dienstreisende, deren Notebook nicht selbst UMTS unterstützt, weiterhin UMTS-USB-Stick oder eine UMTS-Karte mitnehmen.
Als zusätzliches Manko für Vieltelefonierer führt Berlecon die fehlende Möglichkeit auf, einen Zweitakku zu verwenden, da der Akku ist nur durch Apple selbst ausgewechselt werden kann.
Push-E-Mail nur via Exchange-Server
Weitere Minuspunkte: Apple habe für seine neue Software das Microsoft-ActiveSync-Protokoll lizensiert. Damit könnten direkt via Push zwischen dem iPhone und Microsoft [5] Exchange-Server E-Mails, Kontakte und Termine, aber keine Aufgaben synchronisiert werden.
Die bessere Wahl für Business-User: Smartphones wie das Blackberry von RIM.
Firmenkunden, die beispielsweise IBM [6] Lotus Domino oder Novell [7] Group Wise für ihre PIM- und E-Mail-Synchronisation verwenden, schließe Apple als potenzielle iPhone-Kunden solange aus, bis es Synchronisationslösungen von Drittanbietern hierfür gebe.
Der Konkurrent RIM sei hier besser positioniert: »Blackberry Enterprise Server« bediene sowohl MS Exchange als auch Lotus Domino und Group Wise.
Zentrales Management kaum möglich
Auch Systemadministratoren sähen den Einzug des iPhone in den Geschäftsalltag kritisch, glaubt Berlecon. Die vorhandenen Funktionen und Dienste seinen für die zentrale, unternehmensweite Administration nicht ausreichend.
Unternehmen, die bereits eine Blackberry-Infrastruktur für ihre mobilen Mitarbeiter betreiben und das iPhone als Unternehmenshandy integrieren wollen, müssten parallel eine zweite Infrastruktur für die Administration des Apple-Smartphone aufbauen.
Habe man beim Blackberry nur eine Anwendung für Softwareverteilung, Konfiguration und das Ausrollen einer Endgeräte-Policy, so komme Apple mit einem »fragmentierten Strauß« von Anwendungen« daher.
Für die Erstellung von allgemeinen Konfigurationsprofilen, beispielsweise für Active Sync VPN oder Wireless LAN, benötige der IT-Administrator die »Apple iPhone Configuration Utility«. Die firmenspezifischen Konfigurationsprofile könnten dann per Web-Abruf oder E-Mail verteilt werden.
Die Verteilung zusätzlicher Businessapplikationen sei über den von Apple betriebenen »App Store« oder via Kabel über »iTunes« möglich – ein Verfahren, das im Geschäftskundensegment nicht gerade üblich sei.
Sicherheitsregeln schlecht umsetzbar
Remote-Wipe-Funktion und Kennwortschutz werden auf dem Exchange-Server eingestellt und auf die Geräte per Active Sync ausgerollt. Man habe den Eindruck, dass gerade das Device-Management ein unvollständiges Flickwerk darstelle, in dem Sicherheits-Policies, wie das Sperren von Anwendungen und Diensten, nicht umsetzbar seien.
Spätestens bei der Installation von zusätzlichen Applikationen, die Dienste wie CRM oder die Sicherheit des Gerätes verbessern sollen, könne das iPhone mit der Konkurrenz derzeit nicht mithalten.
Hier fehlen gegenwärtig die Applikationen und das Engagement von Drittherstellern. Diese wiederum würden erst einmal abwarten, ob Apple die Geschäftskunden überzeugen könne.
Unternehmen, die eine Integration des iPhone 3G in ihre bestehende ITK-Infrastruktur erwägen, sollten genau prüfen, ob und wie sie die Grundvoraussetzungen für Sicherheit und Administrierbarkeit der Geräte umsetzen können.
Die vollständige Berlecon-Studie »iPhone 3G im Unternehmenseinsatz«, erstellt in Kooperation mit Fraunhofer ESK, bieten die Berliner Marktforscher für 350 Euro (netto) an.
[1] http://www.apple.de
[2] http://www.berlecon.de
[3] http://www.blackberry.com/
[4] http://www.rim.com/
[5] http://www.microsoft.de/
[6] http://www.ibm.de/
[7] http://www.novell.de/
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