Server-based Computing in der Praxis:
Test: Thin-Client-System »Igel Universal Desktop«
Bei den Thin-Client-Angeboten treffen IT-Verwalter erstaunlich häufig auf recht komplexe Portfolios. Auch Igel hat seine Geräte- und Systemauswahl neu geordnet. Network Computing hat sich die »Universal-Desktop«-Linie der Firma aus Bremen angesehen.
(Fortsetzung des Artikels von Seite 1)
Unter dem Oberbegriff »Universal Desktop« vereint Igel [1] insgesamt fünf unterschiedliche Geräteklassen. Der UD9 integriert sich dabei direkt in einen 19-Zoll-TFT, während die Clients der Serie UD2, 3, 5 und 7 als kompakte, lüfterlose Stand-alone-Boxen auftreten.
Ein bisschen wuchtig, dafür mit guten Management-Tools: der Universal Desktop von Igel.
Alle Geräte arbeiten mit Via-Prozessoren in Geschwindigkeiten von 400 MHz bis 1,5 GHz. Die Geräte unterscheiden sich zudem bei der I/O-Ausstattung. Ab UD3 gibt es serielle Schnittstellen, UD5 steuert zwei und UD7 bis zu vier Bildschirme.
Von Windows bis Linux
Als Betriebssysteme offeriert Igel Windows-CE, Windows-Embedded-Standard (basiert auf Vista) oder die Igel-eigene Linux-Variante. Alle drei Systeme bietet der Hersteller mit verschiedenen Ausstattungen an. Je nach Paket sind dabei mehr oder weniger viele Client-Programme enthalten.
Die Entry-Varianten beschränken sich auf Funktionen wie ICA, X und RDP, während die Advanced-Pakete Tools wie eine Java-VM, den Nomachine-NX-Client, eine Vmware-View-Client-Software sowie das SAP-GUI enthalten.
Für eine Umgebung mit Igel-Terminals liefert der Hersteller zudem die Universal-Management-Suite aus. Diese katalogisiert alle Terminals im LAN und kann profilbasiert deren Konfigurationen steuern.
Die Testsysteme
Zum Test entsendete Igel gleich drei Maschinen ins Labor Poing: Eine UD2 mit Linux, einen UD3 mit Windows-Standard und einen UD5 mit Linux.
Alle drei Universal-Desktops stecken in schicken schwarzen Gehäusen, verziert mit silbernen Lüftungsgittern für die Wärmeabfuhr. An der Rückseite findet der Anwender alle wesentlichen Anschlüsse wie LAN, vier Mal USB, einen digitalen Videoausgang (DVI) und einen PS/2-Anschluss, sodass der Anwender zwischen USB- und PS/2-Tastatur wählen kann.
Die größeren Maschinen verfügen zudem über eine größere Zahl von DVI-Anschlüssen sowie über serielle Schnittstellen. Hinter einer Klappe an der Gehäusefront verbergen sich die Audio-Anschlüsse (UD2/UD3) beziehungsweise weitere USB-Ports (UD3/UD5).
Im Inneren der Thin-Clients arbeitet eine passiv gekühlte Via-CPU. Als Festplattenersatz baut Igel eine CF-Karte mit dem jeweiligen Betriebssystem ein. Optional offeriert Igel ab dem UD3 einen Smartcard-Reader für die Benutzerauthentifizierung.
Wuchtiger Auftritt
Der UD5 fällt bereits recht wuchtig für einen Thin-Client aus. Hier hatte Network Computing bereits voll ausgerüstete Mini-PCs mit Festplatte (siehe »Cigar Box«, Ausgabe 7-8/2009) im Labor, die weniger Platz beanspruchen. Diese geschlossenen Designs kamen dazu ohne Staub fangende Lüftungsöffnungen aus und lassen sich auch in schmutzigen Umgebungen wie Werkstätten betreiben.
Bei der Software nimmt das Labor-Team vor allem das Igel-eigene Linux unter die Lupe: Igel beschränkt das OS auf das Wesentliche und startet den Client mit einem abgespeckten Windows-Manager und ohne die sonst üblichen Linux-Tools. Das Starter-Tool, ebenfalls eine Eigenkreation des Herstellers, gibt dem Anwender Zugriff auf die Remote-Sitzungen.
Setup-Tool sorgt für Klarheit
Das Terminal und die Sitzungen richtet der Verwalter über das Setup-Tool von Igel ein. Diese Software bewahrt die Übersicht, obwohl das Programm Unmengen an Konfigurationsoptionen in einem Fenster vereint.
Der Administrator stellt hier die komplette UD-Konfiguration vom LAN über das Display bis hin zu Wählverbindungen ein. Zudem listet das Programm alle unterstützten Client-Protokolle mit möglichst einheitlichen Konfigurationsdialogen auf.
Negativ fällt dabei lediglich auf, dass das Igel-Setup selbst auf dem üppig ausgerüsteten UD5 recht lange zum Starten braucht – hier bleibt Platz für künftige Optimierungen. Die eigentlichen RDP-, ICA-, NX- oder sonstigen Remote-Verbindungen arbeiten recht flüssig.
Ausgefeilte Management-Software
Ein Highlight des UD-Produktportfolios stellt die UD-Management-Suite 3 (UMS) dar. Der Verwalter richtet den Management-Server auf einer Linux- oder Windows-Maschine ein. Ein Java-Client stellt vom Desktop des Systemverwalters eine Verbindung zum Management-Server her.
UMS sucht im LAN nach UD-Geräten und listet diese auf. Der Administrator kann dann Konfigurationen und Profile zentral verwalten und einzelnen Geräten oder Gruppen zuordnen. Auch das Klonen bestehender Gerätekonfigurationen ist möglich.
Fazit
Die Hardware der UD-Geräte gefällt. Es bleibt jedoch anzumerken, dass aktuelle Mini-PCs mehr Leistung bei noch kompakterem Design offerieren. Dabei sind die Mini-PCs oft günstiger als Igels Thin-Clients.
Sehr gut hingegen gefällt das Igel-eigene auf Linux basierende Thin-Client-OS in Verbindung mit dem zentralen Management-Server. Erst die Kombination aus UD, UMS und Terminal-Services oder Desktop-Virtualisierung bietet dem Anwender eine komplette Lösung mit klaren Vorteilen gegenüber einer Umgebung mit Mini- oder sonstigen voll ausgestatteten PCs.
Was der Anwender anfangs mehr in die Thin-Client-Lösung investiert, kann er später über die geringeren Unterhaltskosten wieder zurückerhalten – vorausgesetzt, er entscheidet sich für die zu seinem Unternehmen passende Terminal- oder Virtual-Desktop-Lösung.
Wer bestehende PCs weiterverwenden möchte, kann übrigens das Igel-Linux-OS als bootfähigen USB-Stick erwerben und seine Rechner in Thin-Clients wandeln.
[1] http://www.igel.de/
- 1. Seite: Test: Thin-Client-System »Igel Universal Desktop«
- 2. Seite: Wuchtiger Auftritt
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