Netzwerkstandards:
Home Grid Forum will Gigabit-Datenraten ins Heimnetz bringen

von Bernd Reder (bernd.reder@networkcomputing.de)

30.04.2008

Dem Wildwuchs bei Netzwerktechniken, die in kleinen Büros und Home-Networks Verwendung finden, will das Home Grid Forum ein Ende bereiten. Das Konsortium möchte Chips entwickeln, die Daten mit einer Rate im GBit/s-Bereich über unterschiedliche Medien transportieren können.

Sei es die Telefonleitung, das Kabel-TV-Kabel oder das Stromnetz – derzeit existieren mehrere Datenübertragungstechniken, die in Home-Networks oder kleinen Büros zum Einsatz kommen. Für die Anwender, und natürlich auch die Hersteller entsprechender Netzwerksysteme, bedeutet dies, dass sie sich mit unterschiedlichen und nicht interoperablen Verfahren konfrontiert sehen.

Dieser Zersplitterung im Sektor Heimnetzwerke will ein Firmenkonsortium entgegenwirken: das Home Grid Forum [1]. Gegründet wurde die Vereinigung von elf Firmen, darunter Infineon, Intel, Panasonic und Texas Instruments. Weitere Mitglieder sind unter anderem Aware, der spanische Powerline-Chip-Hersteller DS2, Ikanos, Pulse Link und Sigma Designs.

Home Grid will der International Telecommunication Union [2] (ITU) Spezifikationen für Chips vorlegen, welche die Datenübertragung auf der physikalischen und Media-Access-Ebene steuern. Die Vorschläge sollen der Arbeitsgruppe G.hn der ITU vorgelegt werden.

Ziel: Einheitliche Technik mit 1 GBit/s

In G.hn arbeiten Anbieter von Lösungen für die Datenübertragung über das Stromnetz (Powerline) und Kupfer-Koaxialkabel zusammen. Ein Ziel ist es, Techniken zu entwickeln, die Datenraten von 400 MBit/s über Koax-Kabel und von 250 MBit/s über Stromleitungen unterstützen.

Powerline-Adapter wie die von DS2 über-tragen Daten mit 200 MBit/s. Prototypenunterstützen bereits 400 MBit/s.

Das Home Grid Forum dagegen möchte genau diese Trennung in zwei Sphären verhindern. Vorgesehen ist ein einheitliches Übertragungsverfahren, das bis zu 1 GBit/s unterstützt, also die derzeit übliche Datenrate in kabelgestützten lokalen Netzen.

Service-Provider setzten auf Powerline

Allzu viel Zeit dürfte das Forum dabei nicht haben. Firmen wie DS2 [3] haben bereits Prototypen von Chips entwickelt, die Übertragungsgeschwindigkeiten von 400 MBit/s über das Stromnetz unterstützen. Inzwischen greifen auch Telekommunikationsfirmen auf Powerline-Communication zurück, um beispielsweise Kunden mit IP-TV-Angeboten zu versorgen.

Portugal Telecom etwa bietet seinen Kunden Settop-Boxen an. Die Geräte verteilen TV-Sendungen, auch im hoch auflösenden Format (HD), über die Stromleitung zu Geräten in der Wohnung des Nutzers. Die Technik stammt von DS2 und unterstützt 200 MBit/s.

Powerline-Communication steht in Konkurrenz zur Wireless LANs. Beide Verfahren sind Shared-Media, das heißt, alle Nutzer müssen sich die Bandbreite teilen.

Das WLAN-Lager setzt beim »Streaming« von Multimedia-Daten auf Endgeräte wie Musik- und Video-Player auf den Standard IEEE 802.11n. Dieser wird zwar voraussichtlich erst 2009 verabschiedet, doch sind bereits jede Menge Pre-Standard-Produkte auf dem Markt. IEEE 802.11n stellt Bruttodatenraten von bis zu 300 MBit/s bereit.

[1] http://www.homegridalliance.org/home
[2] http://www.itu.int/net/home/index.aspx
[3] http://www.ds2.es/