Intel will Smartphones erobern
Nach IT-Unternehmen wie Dell und Google will jetzt auch Chip-Riese Intel vom boomenden Smartphone-Markt profitieren. Auf der CES wurde angekündigt, dass noch dieses Jahr ein erstes Mobiltelefon von LG mit Intel-Prozessor in den Verkauf kommen soll.
Der große Erfolg der Smartphones lockt immer mehr Unternehmen aus anderen Bereichen in den Sektor der mobilen Kommunikation. Nachdem etwa Dell ein Smartphone mit dem Betriebssystem Android angekündigt hat und auch dessen Initiator Google zum neuen Jahr sein erstes eigenes Smartphone vorstellte, will jetzt sogar der Chip-Hersteller Intel [1] bei den mobilen Alleskönnern mitmischen. Auf der CES (Consumer Electronics Show) in kündigte Intel-Chef Paul Otellini an, dass mit dem »GW900« noch diesen Sommer ein erstes Smartphone von LG Electronics [2] mit einem Intel-Prozessor auf den Markt kommen soll, von dem auf der Messe in Las Vegas auch bereits einen Prototypen präsentiert wurde. Weitere LG-Handys mit »Intel inside« seien für den Herbst geplant, so Otellini.
Intel setzt damit seine Strategie fort, sich weitere Bereiche außerhalb des PC-Bereiches als Markt für seine Chips zu erschließen. Dabei profitiert man von der Entwicklung einer neuen Generation von Chips vie der Atom-Baureihe, die sich durch besonders geringen Stromverbrauch bei ordentlicher Leistung auszeichnen. Der im LG GW900 eingesetzte Moorestown Prozessor soll das Telefon etwa bei aller Energiesparsamkeit mit einer solchen Rechenpower ausstatten, dass darauf sogar Kinofilme in HD-Qualität ruckelfrei abgespielt werden können, was selbst vielen aktuellen Netbooks Probleme bereitet. Auch Videokonferenzen können laut Intel und LG mit der neuen Geräteklasse in guter Qualität abgehalten werden. Als Betriebssystem kommt die mobile Linux-Variante »Moblin« zum Zug, die maßgeblich von Intel mitentwickelt wurde und die gerade auch die ersten Netbooks erobert (z.B. MSI U135 mit Suse Moblin) erobert. Otellini prognostizierte dabei, dass sich das Computing mit solchen Lösungen immer mehr von den eigentlichen Computern lösen wird und weitere Lebensbereiche und Geräte erobern.
Angriff auf Apple
Mit Geräten wie dem LG GW900 zeigt sich auch ein neuer Trend zu Geräten, die sich in Größe und Leistung zwischen Smartphones, Netbooks und Mini-Tablets bewegen. Mit sensiblen Touchscreens ausgestattet sollen sie von Telefonfunktionen über Multimedia-Anwendungen bis hin zu PC-Software wie Office alles können und damit teilweise auch die bisherigen Geräteklassen ablösen. Allerdings sind sie dadurch oft schon wieder so groß, dass fraglich ist, ob die Kunden sie wirklich als Ersatz für ihre bisherigen Smartphones im Hosentaschenformat akzeptieren, oder ob sie doch lieber auf getrennte Geräteklassen für die verschiedenen Aufgabenbereiche und Funktionen setzen.
Branchenkenner sehen in Intels Angriff auf den Smartphone-Markt auch einen kleinen Seitenhieb auf Apple, das dort mit seinen zugekauften ARM-Prozessoren bisher einer der wichtigsten Chip-Lieferanten ist. Zwischen den beiden Unternehmen kriselt es derzeit ein wenig, nachdem Apple für sein angeblich geplantes Tablet entgegen erster Planungen offenbar doch nicht auf Intel Chips setzt, sondern lieber die Prozessoren aus eigenem Hause verwendet. Intel hatte deshalb bei der Vorstellung seiner neuen Atom-Prozessoren bereits über die ARM-Chips gelästert, die Statements jedoch später wieder zurückgezogen.
Ein Video, in dem das LG GW900 in Aktion zu erleben ist, können Sie hier [3] sehen.
[1] http://www.intel.com/index.htm#/de_DE_03
[2] http://www.lge.com/de/index.jsp
[3] http://www.viddler.com/explore/engadget/videos/954/
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