Konvergenz:
Thin-Client und Unified-Communications Hand in Hand
Server-Based-Computing-Umgebungen bieten zahlreiche Vorteile bei der Einführung von Unified-Communications-Lösungen.
Telefon, E-Mail, Unified-Messaging, Instant-Messenger, Online-Collaboration und Application-Sharing – die modernen Kommunikationswege sind vielfältig. Laut Marktforschungsinstitut Sage Research kommunizieren Manager heute im Schnitt mit sechs verschiedenen Endgeräten.
Sie sorgen für ständige Erreichbarkeit, erfordern aber auch einiges an Koordinationsaufwand. Die Synchronisation zwischen den einzelnen Geräten ist nicht immer trivial, Adressbücher sind mal auf dem Handy, mal in Outlook und mal auf dem Festnetztelefon aktualisiert.
So führen schlechte Erreichbarkeit und nicht aufeinander abgestimmte Kommunikationsabläufe bei 27 Prozent der Unternehmen, die von Forrester Research diesbezüglich befragt wurden, zu Terminschwierigkeiten und einer deutlichen Verzögerung des Geschäftsablaufes.
Ein Endgeräte für alle Kommunikationsformen
Unified-Communications, oder kurz UC, heißt das Zauberwort, das den Kommunikationswirrwarr entzerren soll. Das Ziel: die einzelnen Tools zusammenzuführen, zu koordinieren und so effizient zu nutzen. Der Anwender wird im Idealszenario automatisch über das richtige Endgerät erreicht – im Büro über Festnetz, in einer Besprechung etwa über Instant-Messaging und unterwegs über das Mobiltelefon.
UC sorgt dafür, dass die Nachricht an die entsprechende Stelle geleitet wird. Doch die Umsetzung von solchen Konzepten ist in technischer, inhaltlicher und organisatorischer Hinsicht eine Herausforderung für die Unternehmen.
Zwei entscheidende Faktoren lassen sich für den langfristigen Erfolg von Unified-Communications ausmachen: die Geräteunabhängigkeit der Lösung und die intelligente und effiziente Verknüpfung aller Kommunikationskanäle auf einer homogenen Plattform. Zwei Faktoren, für die das Konzept des Server-Based-Computing, kurz SBC, eine gute Basis bietet.
Zugriff über Thin-Client-Systeme
So hat ein Anwender beim SBC immer Zugriff auf seine Applikationen und Daten, unabhängig davon, welcher Arbeitsplatz und welches Endgerät ihm zur Verfügung steht. Alle Anwendungen und Informationen werden zentral auf dem Server vorgehalten, auf sie kann von stationären Thin-Clients im gesamten Unternehmensnetz ebenso zugegriffen werden, wie von mobilen Thin-Clients oder gegebenenfalls sogar von PDAs.
Auch das Vorhandensein einer homogenen Plattform ist für das SBC nichts Neues. Der Prozess, den die IT-Infrastruktur vor allem großer und geografisch verteilt liegender Unternehmen in den vergangenen Jahren im Zuge der Einführung von SBC bereits durchlaufen hat, steht nun auch der TK-Infrastruktur bevor: die Zentralisierung. Denn heutzutage verfügen die meisten Unternehmen noch über eine heterogene, dezentrale TK-Infrastruktur. Dies gilt besonders für traditionelle analoge oder ISDN-basierte Systeme.
VoIP als erster Ansatzpunkt
Ein großes Potenzial, TK-Infrastrukturen standortübergreifend zusammenzufassen, bietet Voice-over-IP. Die Zentralisierung der Kommunikationsinfrastruktur durch VoIP ist relativ einfach durchzuführen und bietet Vorteile vor allem bei den Kosten. Teure und komplexe Systemkomponenten wie Nebenstellenanlagen müssen nicht mehr gekauft und betrieben werden, Gesprächsgebühren für unternehmensinterne Gespräche zwischen den Standorten fallen weg, wenn diese über ein IP-basiertes WAN laufen.
Je nach Unternehmensgröße und Integrationsgrad schätzen Analysten die möglichen Einsparungen auf 20 bis 40 Prozent. Aber auch im Hinblick auf die Funktionsvielfalt hat VoIP Vorzüge: Durch die interne Vernetzung und die gemeinsame Nutzung von zentralen Rufnummernverzeichnissen sind Funktionen wie Rufumleitungen, Teamschaltungen, Kurzwahl oder Konferenzschaltungen über die Standorte hinweg möglich.
Generell ist der Einsatz von IP-basierter Technologie eine grundlegende Voraussetzung für die Integration der TK-Systeme in IT-Anwendungen und visuelle Kommunikation wie Videokonferenzen. Auf IP-Netzen bauen neben VoIP-Anwendungen auch Instant-Messaging, Presence-Lösungen oder E-Mail- beziehungsweise Personal-Information-Management-Systeme (PIM) auf.
Experten wie die Forrester-Analystin Elizabeth Herrell sehen daher auch in VoIP einen der Treiber hin zu einheitlichen Kommunikationsstrategien. Gerade in Hinblick auf die sinkenden Preise für IP-Telefonie könnte sie damit Recht behalten und zahlreiche Unternehmen könnten diese Technologie als ersten Migrationsschritt in Richtung UC nutzen.
Ein starkes Duo: VoIP und SBC
Weitere Vorteile ergeben sich bei der Kombination von VoIP und SBC. Hersteller wie die deutsche Igel Technology bieten mit ihren Thin-Clients kombinierte Endgeräte an: In die Firmware der Linux-basierten Thin-Clients ist standardmäßig ein VoIP-Client integriert.
Bei Geräten mit Windows-XP-Embedded lässt sich das Feature nachinstallieren. Als Basistechnologie nutzt beispielsweise Igel den weltweit verbreiteten Standard SIP. Das Open-Source-Protokoll dient der Lokalisierung der Gesprächspartner vor dem Verbindungsaufbau, richtet die Kommunikationssitzung ein und beendet sie wieder. Das Standardprotokoll hat die IETF bereits 1999 genormt.
Nicht zuletzt auf Grund seiner Einfachheit hat es sich inzwischen gegenüber dem konkurrierenden H.323-Standard durchgesetzt. Ein weiterer Vorteil solcher SIP-Clients ergibt sich aus den geringen Hardwareanforderungen, die er an die Endgeräte stellt. Die Leistungsfähigkeit der Thin-Clients wird kaum beeinflusst. Für den internen Einsatz von VoIP bedarf es mit solchen Thin-Clients lediglich eines SIP-Servers und eines Headsets.
Wird neben dem SIP-Server zusätzlich etwa die Open-Source-Software Asterisk auf dem Server implementiert, kann damit aus dem LAN heraus weltweit IP-Telefonie betrieben werden.
SBC verringert Datenaufkommen
Das Datenaufkommen, das die weltweiten Netzwerke durchläuft, wird mit der Einführung von UC weiter steigen und auch Performance-Verluste nach sich ziehen. In einer weltweiten Umfrage des Anbieters Network General gab die absolute Mehrheit der Unternehmen an, dass sie mit mehr Datenverkehr rechnen.
Und sie konnten dies auch aus ihren Erfahrungen heraus belegen: Drei von vier der befragten Anwenderunternehmen erklärten, dass in den letzten drei Monaten ein Viertel ihres Netzwerkdatenverkehrs aus Unified-Communications-Anwendungen bestand. Nahezu 40 Prozent der befragten Firmen haben Probleme mit der Anwendungs-Performance, die Ursache ist die Konvergenz von Kommunikationsapplikationen im IP-Netz.
Beim Server-Based-Computing werden solche Datenaufkommen verringert, denn die entsprechenden Kommunikationsprotokolle haushalten effizient. Folglich steht dem IP-Datenstrom tendenziell mehr Bandbreite zur Verfügung als beispielsweise in typischen Client-Server-Architekturen mit gemappten Netzlaufwerken, Performance-Probleme werden verringert.
Als Beispiel kann auch hier die integrierte VoIP-Funktionalität bei den Igel-Thin-Clients dienen: Beim Gesprächsaufbau wird die VoIP-Verbindung zwischen SIP-Client und SIP-Server ausgehandelt.
Der Sprachdatenstrom wird per Realtime-Transport-Protocol (RTP) übertragen. Dieses Protokoll wurde speziell für die Übertragung von Echtzeitdaten wie interaktives Audio oder Video entwickelt. Vor der Übertragung wird die Sprache komprimiert. Wie stark diese Kompression ist, hängt von den verwendeten Sprachcodecs ab. Die verwendete VoIP-Soft- oder Hardware kann diese je nach verfügbarer Bandbreite zudem automatisch anpassen. Je nach Kompressionsgrad liegt die Datenmenge dann zwischen 12 kBit/s und 80 kBit/s.
Sicherer Datenaustausch
Nicht zu vernachlässigen ist bei der Einführung von Unified-Communications-Lösungen auch das Thema Sicherheit. Schließlich werden über die zahlreichen Kommunikationswege nicht selten firmeninterne Informationen verbreitet. Auch die Inhalte von Kunden- oder Strategiemeetings, die via Videoconferencing abgehalten werden, sollen schließlich nicht in fremde Hände geraten. Hier bietet das SBC-Konzept inhärente Vorzüge: Der Datenaustausch ist naturgemäß sicherer als in klassischen Client-Server-Umgebungen.
Die Datenströme zwischen Thin-Client und Server beinhalten in der Regel nur Ein- und Ausgabecodes, wie Bildschirmdaten und Tastatureingaben. Die Auswertung ist aufwändig, der Informationsgehalt gering. Zudem ist das Microsoft-Protokoll RDP prinzipiell verschlüsselt, das Citrix-ICA optional. In Linux-Umgebungen lässt sich eine Verschlüsselung durch die Protokollergänzung »NoMachine NX« erzielen.
Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, für die Kommunikation zwischen Endgerät und Rechenzentrum VPN-Verbindungen aufzubauen. Für die drahtlose Anbindung stationärer oder mobiler Thin-Clients empfiehlt sich die Berücksichtigung der Standards WPA beziehungsweise WPA2.
Bestimmte Funktionalitäten, sogenannte Digital-Services, verbessern die Sicherheit beim Datenaustausch weiter. Beispiele hierfür sind der Cisco-VPN-Client, die VPN-Protokolle PPTP und L2TP, das Secure-Realtime-Protocol (SRTP) für VoIP-Gespräche oder Kerberos, eine Single-Sign-On- und Authentifizierungslösung.
Den größten Nutzen bieten Hersteller, deren Digital-Services sich beliebig kombinieren lassen, um letztendlich einen einheitlichen Sicherheitsstandard für alle Anwendungsszenarien im Unternehmen zu etablieren. So können beispielsweise auch Heimarbeitsplätze grundlegende Funktionen der Thin-Client-Umgebung nutzen, beispielsweise Smartcard-basierte Authentifizierung, Single-Sign-On oder mittels VPN verschlüsselte Übertragung von Sprache und Daten via DSL.
Fazit
Das Konzept der Unified-Communications ist auf dem Vormarsch: IDC spricht von einem Marktvolumen von 17,5 Milliarden Dollar im Jahr 2011, In-Stat und Wainhouse Research nennen 48,7 Milliarden Dollar für 2012, berücksichtigt man auch den Servicebereich. Rund 13 Prozent Wachstum stellen beide Analystenfirmen der Branche in Aussicht.
Und auch die Anwender freuen sich auf die vernetzte Zukunft: In einer aktuellen Befragung von Forrester Research gaben 59 Prozent der Befragten an, dass sie pro Tag und pro Kontakt zwei bis fünf Minuten einsparen könnten, wenn sie automatisch Nachrichten über den vom Empfänger bevorzugten Kommunikationskanal senden könnten. Nahezu gleich viel, nämlich 60 Prozent, würden laut eigenen Angaben mindestens eine Stunde pro Tag einsparen, wenn sie Dokumente synchron mit anderen gemeinsam bearbeiten könnten.
Die Voraussetzung ist allerdings klar formuliert: Hinter UC muss eine strategische Entscheidung stehen, die einzelnen Kommunikationstools entsprechend zu integrieren, um den Anwender nicht mit Informationen und Kontaktwegen zu überfordern und im Arbeitsfluss zu hemmen.
Genau dies kann nämlich der Fall sein, wie eine Umfrage von Dimension Data zeigt: Vor allem Angebote wie Instant-Messengers und Blogs werden von den Mitarbeitern bisher eher kritisch betrachtet. Die Kombination von UC-Konzepten mit SBC-Umgebungen hilft, eine intelligente Lösung zu finden.
Frank Lampe,
Marketing Manager bei Igel Technology
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