Preisverfall und geringere Nachfrage setzt IT-Outsourcer unter Druck:
Outsourcing: Krise nährt die Krise
Paradoxe Situation im IT-Oursourcing-Markt: Firmen sparen auch da, wo eigentlich Sparpotenziale möglich sein sollten. Es gibt aber auch noch andere Gründe, warum die Anbieter von IT-Outsourcing nicht mehr mit einer Rückkehr zu zweistelligem Wachstum rechnen.
Vom Wachstum erfolgsverwöhnte IT-Dienstleister rechnen nicht mehr mit zweistelligen Wachstumsraten
Ökonomen rufen zwar ein Ende der Weltwirtschaftskrise aus, doch die Dominoeffekte der schwersten Krise der letzten 80 Jahre sind noch lange nicht vorbei. Nach wie vor sparen viele Unternehmen eisern, und sie tun das auch dort, wo eigentlich jetzt Investitionen für die Zukunft notwenig wären, um mittel- bis langfristig Kosten zu senken, Geschäftsprozesse zu optimieren und so Effizienz und Produktivität zu erhöhen. Wie eine zukunftsfähige IT-Infrastruktur aussehen könnte, darüber wird zwar nachgedacht, mehr aber zurzeit auch nicht.
Die Zurückhaltung spüren IT-Dienstleister, die mit ihren Outsourcing-Services in der Vergangenheit mit zweistelligen Wachstumsraten rechnen konnten. Laut einer Befragung des Marktforschungsunternehmens Lünendonk [1] rechnet keiner der führenden Beratungs- und Dienstleistungsanbieter damit, in diesem Jahr einen Umsatzanstieg über 10 Prozent erreichen zu können. Lediglich die Hälfte geht generell von einem Wachstum aus, und wenn überhaupt Wachstum, dann lediglich magere 1,1 Prozent, rechnet Lünendonk den Durchschnitt aus. 27 Prozent stellten sich gar auf eine Stagnation der Erlöse ein.
Im Gegensatz zum eigenen Geschäft, das bei solchen Umfragen immer schlechter beurteilt wird als der Gesamtmarkt, sehen die Anbieter die Perspektiven für den IT-Service-Markt generell etwas rosiger. Die Umsätze in den nächsten fünf Jahren würden im Durchschnitt um 8,7 Prozent zulegen, glauben die von Lünendonk befragten IT-Häuser. Vorausgesetzt, die jetzt schon beunruhigende Wettbewerbssituation wird sich nicht weiter verschlechtern.
Krise verstärkt gnadenlosen Preisdruck
Preisnachlässe: Kunden wälzen in der Krise den Druck auf IT-Outsourcer ab
Ähnlich wie seit Jahren die Preise für Hardware kontinuierlich sinken, ist dieser Preisverfall auch im IT-Service-Markt zu beobachten. Dienstleister und IT-Beratungsfirmen geraten zunehmend unter Druck, weil sie Preiszugeständnisse bei neuen Outsourcing-Ausschreibungen oder Anschlussverträgen machen müssen. Daher rührt die pessimistische Umsatzplanung bei den Anbietern von Services wie Wartung oder Desktop-Betrieb. Der Preisverfall des Outsourcing-Geschäfts ist darin begründet, dass Kunden den Kostendruck in der Krise an ihre Dienstleister weitergeben, schreibt Lünendonk.
Zum anderen sinkt aber auch die Nachfrage nach IT-Kapazitäten. Maschinen- und Autobauer haben ihre Produktion gedrosselt, beschäftigen weniger Mitarbeiter als vor der Krise oder stehen in Kurzarbeit. Das erschwert die Planung für IT-Dienstleister, weil sie den zukünftigen Bedarf nicht einschätzen könnten und nicht wissen, wann Kunden ihre Investionszurückhaltung aufgeben.
Preisspirale gefährdet alle
Viele Systemhäuser sind dem Marktdruck nicht gewachsen und mussten Insolvenz anmelden
Dass Kunden mehr und mehr dazu übergehen, in der Krise die Daumenschrauben am Lieferanten anzusetzen, ist freilich ein probates, aber keineswegs ungefährliches Mittel. Ein Beispiel aus einer anderen Branche: Zahlreiche Zulieferer der Automobilhersteller beklagen den rigiden Sparkurs ihrer Großabnehmer, den sie teilweise für die Insolvenzen der Zulieferbranche verantwortlich machen. Auch wenn das Herbert Diess, Vorstand Einkauf und Lieferantennetzwerk bei BMW, so nicht öffentlich zugeben will [2].
Fakt ist: Neben hausgemachten Problemen bei den Zulieferbetrieben - meist mit Finanzinvestoren als Gesellschafter - fürchten die Automobilhersteller den »Insolvenz-Tsumani«, der über die Zulieferbranche hereinbricht und sehen sich teilweise gezwungen, ihre in Existenznot geratenen Zulieferer mit finanziellen Zugeständnissen zu stützen [3]. Nicht ganz uneigennützig freilich, denn die sinkende Fertigungstiefe der Autobauer und die Verlagerung technologischer Kompetenz hin zu den Zulieferern macht sie auch ein Stück weit abhängig von strategischen Partnern.
Einen ähnlich gnadenlosen Preisdruck kennt auch die IT-Branche, mit ähnlichen Konsequenzen wie in der Automobilbranche. Vor allem die mittelständischen IT-Häuser, die in den letzten Jahren große finanzielle und personelle Anstrengungen unternommen haben, ihr Geschäftsmodell in Richtung zukunftsweisende IT-Services oder IT-Beratung zu verändern, geraten bei nun stagnierenden Umsätzen im IT-Service-Markt unter die Räder.
Größere Systemhäuser wie TDMi [4] mit ihren vielen Tochterunternehmen, Probusiness [5], A&O Systems + Services Germany [6] oder Rznet [7] waren dem Preisdruck bei gleichzeitigem Auftragsschwund nicht gewachsen und mussten Insolvenz anmelden. Das hat auch negative Auswirkungen auf die Kunden dieser IT-Häuser.
[1] http://www.luenendonk.de
[2] http://www.automobil-industrie.vogel.de/oems/articles/193676
[3] http://www.faz.net/s/Rub1C361F33FC404444A08B1CFAE205D3E4/Doc~EB393BBA31C7F4A48B8213A5BC856BA55~ATpl~Ecommon~Scontent.html
[4] http://crn.de/showArticle.jhtml?articleID=218600653
[5] http://crn.de/showArticle.jhtml?articleID=219500435
[6] http://crn.de/showArticle.jhtml?articleID=217700016
[7] http://crn.de/showArticle.jhtml?articleID=219500446
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