Wireless LANs: IEEE 802.11n:
High-Speed-WLANs könnten Kabel ersetzen

von Werner Veith (werner.veith@networkcomputing.de)

07.11.2007

Mit 802.11n scheint erstmals ein allgemeiner drahtloser Zugang zu Unternehmensnetzen denkbar. Darüber diskutierte ein Roundtable, zu dem Network Computing und das Forum Konvergenz & Wireless eingeladen hatten. Das Thema 11n führte die Runde aber auch zu Fragen der WLAN-Architektur und zu Power-over-Ethernet.

Analysten der Burton Group meinen in einem White-Paper, dass der kommende Standard 11n bereits beginnt, drahtgebundenes Ethernet als vorherrschende Zugangstechnologie im Unternehmen abzulösen. Die Teilnehmer sahen zwar, dass bestimmte Trends dies begünstigen. Allerdings gaben sie zu bedenken, dass dies keine rein technische Frage sei. Wireless-Controller haben sich als Infrastrukturlösung für WLANs etabliert. Während es zu Beginn vor allem zentrale Systeme gab, entwickeln Hersteller vermehrt auch dezentrale Lösungen.

Den Teilnehmern ging es um das Für und Wider der verschiedenen Ansätze, auch im Blick auf einen Wechsel zu 11n. Mit diesem Standard stellt sich auch die Frage, ob der Einsatz von Wireless-Mesh verstärkt ein Thema wird. Beim Gespräch hatte die Runde aber eher Wireless-Distribution-Systeme (WDS) im Blick. Durch den vermehrten Strombedarf beim Highspeed-Standard lassen sich 11n-APs nicht mehr vollständig über einen Ethernet-Anschluss mittels Power-over-Ethernet (PoE) 802.af versorgen.

In der Gesprächsrunde zeigte sich, dass der Nachfolgestandard 3at nicht das Allheilmittel ist. Mit zunehmender Mobilität taucht auch IPv6 wieder als Möglichkeit auf. Bisher kam das Protokoll aber nicht aus den Startlöchern. Der Roundtable diskutierte über den aktuellen Stand und das Für und Wider eines Umstiegs. Während LAN und WLAN in der Regel in der Hand des eigenen Unternehmens sind, gilt dies nicht für das WAN. Wann also empfiehlt es sich für einen Betrieb das WAN-Management außer Haus zu geben, war für die Teilnehmer des Roundtables die Frage.

Dominanz von WLAN bleibt umstritten

In ihrer aktuellen Studie »802.11n: The End of Ethernet?« beschäftigt sich die Burton Group mit den Auswirkungen von 11n. Die Schlussfolgerung lautet unter anderem, dass der 802.11n-Standard der Anfang des Endes von Ethernet als vorherrschendem LAN-Zugang in Unternehmen sei. Wolfgang Berger, Sales-Manager bei Communigate Systems, sieht hier keinen schnellen Umschwung. Verkabelte Lösungen werde es aus zahlreichen Gründen wie Sicherheit oder Access weiter geben.

Auf der anderen Seite steht für ihn aber, dass der Anwender mit drahtlosen Clients relativ unabhängig ist. Einen vollständigen Ersatz erwartet Berger nicht. Auch Wolfram Maag, Consulting-Systems-Engineer bei Cisco Systems, rechnet mit keinem raschen Wechsel: »Der normale Client-Wechsel beträgt bei den meisten Unternehmen drei bis fünf Jahre.« Bestimmte Komponenten wie Server oder andere Geräte werde derzeit niemand drahtlos anbinden. Axel Simon, Sales-Director D/A/CH bei Colubris Networks, gibt zu bedenken, dass es sich bei 11n nach wie vor um ein Shared-Medium handle. »Ein großer Hemmschuh für die Einführung ist die mangelnde Verfügbarkeit von Clients.«

Die meisten vorhandenen oder angekündigten Access-Points seien reine 11n-Systeme. Im Kompatibilitätsmodus für 11a/b/g-Geräte komme es zu einer Reduktion der Bandbreite auf das, was es auch so mit 11a/b/g gebe. »Deshalb ist unser AP zusätzlich mit einem 11a/b/g-Funk-Interface ausgestattet.« Bei genauem Hinsehen hält Reinhard Müller, Regional-Presales-Manager Central-Europe bei Trapeze Networks, die Aussage der Burton Group für nicht so dramatisch: Sie spreche nur von einem Beginn des Endes von Ethernet als vorherrschende Technologie für den Zugang im LAN. Weiter gehe es vor allem um Anwendungen im Bürobereich, nicht etwa um Logistik. »Dann schränkt die Burton Group noch ein: Es müsse genügend Bandbreite für den Zugang vorhanden sein. Außerdem dürfe die Sicherheit auf der physikalischen Netzwerkebene kein Thema sein.«

Für Maag kann auch das Sicherheitsbedürfnis der Unternehmen ein Hindernis für die Verbreitung sein. »Objektiv betrachtet kann ich ein Wireless-LAN so sicher machen, wie wir es in einem drahtgebundenen LAN nur selten sehen.« Die subjektive Wahrnehmung sei aber oft anders. Ein weiterer Punkt liegt für Maag in dem Management der WLAN-Clients. Viele hätten relativ große Schwierigkeiten, ihren Rechner in ein gesichertes Funknetz einzubinden. »Auch deshalb wollen viele Unternehmen weiterhin eine Netzwerkdose.« Simon ist die WLAN-Security dagegen als Mittel zur Benutzerakzeptanz: Der Schutz sorge für verfügbare Dienste.

Müller bringt die Flexibilität durch drahtlose Netze ins Spiel: »Strom habe ich überall, aber nicht notwendigerweise eine Netzwerk-Infrastruktur.« Kabelpflege koste Geld. Daher geht Müller davon aus, dass die Zahl der drahtlosen Installationen zunehmen werde. Hans-Jürgen Jobst, Produktmanager IP-Lösungen bei Avaya, stellt die Frage, was mit den Telefonen geschehe: Sollten es dann WLAN-Geräte sein? Außerdem spiele die Bandbreitenfrage in einer Filiale, die mit 2 MBit/s angebunden sei, auch nicht die Rolle. Müller meint jedoch, dass, sobald die 11n-Hardware-Komponenten da seien, es schnell geschehen könne, dass der Anwender gar nichts anderes mehr machen könne.

Jobst sieht die Diskussion zu einseitig technisch geführt: »Der Treiber der Entwicklung ist nicht die Datenrate, sondern das Thema Mobilität.« Anwender wollten nicht immer einen Stöpsel ins Notebook stecken, wenn sie immer wieder woanders seien.

Ein komplett drahtloses Netz ist aber möglich. Marcus Birkl, Leiter Produktmanagement »HiPath«-Wireless-LAN bei Siemens Enterprise Communications, bringt ein Beispiel: »Ein Krankenhaus in Deutschland ist im Zuge der Erneuerung der Telefonanlage komplett drahtlos gegangen.« Es gebe noch sechs drahtgebundene Fax-Anschlüsse. »Es ist aber derzeit sehr exotisch«, schränkt er ein. Kunden testeten aber auch ohne 11n bereits komplett drahtlose Anwendungen. Anstoß sei etwa, wenn die Verkabelung nicht ausreiche und der Anwender bereit sei, einen vollständig neuen Schritt zu wagen. Im Logistikbereich sei, so Maag, Wireless-LAN der Regelfall. Allerdings bleibt für ihn Wireless-LAN weiter ein Overlay-Netzwerk. Für Simon kommt letztlich kein Unternehmen um Wireless-LAN herum: Gebe es in einem Betrieb ein Verbot von Funknetzen, müsse dieses trotzdem zur Überwachung zumindest eine WLAN-Security-Lösung aufbauen.

Flexibilität ist wichtig

Immer mehr Hersteller haben Wireless-Controller-Architekturen im Programm. Neben einem zentralen Ansatz, bei dem alle Daten über den Controller laufen, kommen jetzt auch verstärkt dezentrale Ansätze. Für Müller ist bei der Diskussion zunächst die Unterscheidung zwischen der Data- und der Admin-Plane wichtig. Bei Ersterer gehe es um den Transport der Nutzdaten, und bei Zweiter um das Management der Access-Points (APs). »Historisch gesehen, hat man eine zentrale Verwaltungsinstanz mit einem System kombiniert, über das alle Clientpakete in einem Tunnel laufen.« Ziel sei es gewesen, dass die Systeme unabhängig von dem Subnetz werden, in dem der AP sitze.

Nun gebe es aber Situationen, in denen das ein Problem sein könne. »Ein Anwender startet in einem Satelliten-Office über seinen Wireless-Client einen Printjob.« Dann gingen zehn MByte zum Controller und zurück. »Dafür hat man die Trennung wieder eingeführt.« Das Management der APs bleibe zentral. Für bestimmte Aufgaben werde aber auf das Tunneling verzichtet. Birkl greift dies auf: Die Lösung liege in einem »Fit-Access-Point«, wie Siemens ihn nenne. Dieser sei intelligent genug, zu entscheiden, welcher Verkehr über den Controller und welcher lokal laufen soll.

»Es gibt nicht die eine Lösung mit zentral oder dezentral.« Dies hänge vom jeweiligen Unternehmen ab. Auch Michael Marsanu, Chief-Technology-Officer bei Funkwerk Enterprise Communications, betont, dass sich die Erkenntnis durchgesetzt habe, dass »dezentral doch nicht so schlecht ist.« Es gebe Vorteile, was die Ausbaufähigkeit und die Verfügbarkeit anbelangt. Für ihn gehört die Zukunft Systemen, die ihren Schwerpunkt im dezentralen Bereich haben, aber die Anpassung des Netzes zentral regeln.

Simon gibt aber zu bedenken, dass es ein Problem bei der Ausbaufähigkeit gebe, wenn alles über den Controller läuft. Er hält eine dezentrale Architektur »für essenziell, um vernünftig zu 11n zu wechseln, ohne dass die Kernkomponenten aufgerüstet werden müssen«. Ansonsten erfordere dies 10-Gigabit-Schnittstellen auf den Controllern. Dies verlange eventuell neue Geräte und eine Verbreiterung des Backbones. Rahul Bobba, Produktmanager Wireless-LAN bei Lancom Systems, ist die Flexibilität wichtig: Es gehe darum, dass die Datenauskopplung »je nach Anwendungsfall« am Access-Point oder am Controller erfolgen könne.

Maag greift die Frage nach 11n auf: Zwar redeten derzeit alle über einen Durchsatz von 300 MByte/s. »Eine solche Performance ist aber nur erreichbar, wenn es sich um ein reines 11n-Netz handelt.« Die Erfahrungen zeigten aber, dass es drei bis fünf Jahre dauere, bis die Clients erneuert seien. Marsanu betont, dass Unternehmen den Nutzen einer Infrastrukturinvestition über mehrere Jahre kalkulieren müssen. »Deshalb wird eine neue Technologie flächendeckend meist erst im ausgereiften Zustand eingesetzt«. Bei WLANs gelte dies derzeit für 802.11g und 802.11ah , jedoch nicht noch für den kommenden 802.11n-Standard.

Als Lösungsanbieter im Bereich von drahtlosen Kommunikationsapplikationen sei es für Avaya essenziell, so Jobst, dass die Netze sprach- und multimediafähig seien. Kritische Punkte sind für ihn das Roaming und die Verzögerung. Bei einem Printauftrag in einer Filiale sei die Übertragungsdauer beim Gang über die Zentrale nicht so zeitkritisch. Bei der Sprache komme aber eine deutliche Verzögerung dazu. »Dies spricht hier für einen dezentralen Ansatz.«

Auch bei VoIP-Systemen würden bestimmte Sachen wie Rufnummernpläne vom System zentral gehandhabt. Die Medienströme flössen aber direkt zwischen den Teilnehmern. Frank Radeck, Berater bei QSC, sieht hier die gleiche Vorgehensweise wie bei Next-Generation-Networks (NGNs): Dahinter steckt ein zentralistischer Ansatz mit der kompletten Trennung der Controller- von der Daten-Ebene. »Das hat natürlich zur Folge, dass die Netzwerke besser ausgelastet sind.« Allerdings werde es immer wieder Anwendungen geben, bei denen dies nicht möglich sei. Deshalb werde auf Dauer die Kombination der beiden Ansätze die Lösung sein. Berger sieht die Sache als Softwareanbieter relativ entspannt: »Wir sind für jede Lösung offen, so lange sie auf Standards basiert.«


Ein Mesh benötigen nur die wenigsten

Heute könne Wireless-Mesh auch für mittelständische und große Unternehmen interessant sein, so Bobba, wenn es keine kabelgebundene Infrastruktur gebe. Begonnen habe die Entwicklung damit, Städte drahtlos zu vernetzen. Marsanu sieht ein Wireless-Mesh als Nischenanforderung. Besser passt für ihn der Begriff: drahtloses Backbone. Es gehe beim Einsatz in Unternehmen in der Regel nur um eine flexible Erweiterung der WLAN-Infrastruktur per Funk. Hier sei kein komplett drahtungebundenes Netz mit komplexem Routing das Ziel.

Auch nach Birkl zeigt der Bedarf mehr in Richtung eines Wireless-Distribution-Systems (WDS). »Hier fragen Kunden nach: Sie hätten noch einen langen Gang zum Ausleuchten. Dort gebe es aber keine LAN-Anbindung.« Dort lasse sich ein Access-Point über ein WDS an das Wireless-LAN anbinden. Müller betont, dass sich Trapeze bewusst auf die Erweiterung von Inhouse-Netzen mit allen Service-Eigenschaften beschränkt habe. »Mit einem oder zwei Hubs gelingt das noch ganz gut.«

Bei einem vollständigen Mesh werde es aber wegen Quality-of-Service nicht gelingen. Simon entgegnet: »Wir kommen mehr aus der Service-Provider-Ecke: Es ist möglich, größere Mesh-Lösungen aufzubauen.« Aber er stimmt zu: Letztlich gehe es immer darum, ob nur der Parkplatz des Unternehmens oder etwa ein Citybereich ausgeleuchtet werden soll. Für Mesh sieht Simon zur Zeit bei den Unternehmen einen begrenzten Bedarf. Maag entgegnet, dass es durchaus Firmen mit ausgedehnten Flächen wie Flughäfen oder Rennstrecken gebe. »Für diese ist ein Backbone-System zu statisch. Sie brauchen ein Mesh wegen des Roamings.« Das Thema QoS wolle Cisco, so Maag, im nächsten Release lösen.

Das Problem liegt für Bobba bei einem Mesh in einem fehlenden Standard. »Deshalb haben Hersteller hier einen proprietären Ansatz.« Auch Simon sieht dies so. Da spiele es auch keine Rolle, wo ein WDS aufhöre und ein Mesh anfange. Die Aufgaben ließen sich schon jetzt lösen. »Es wird aber auf absehbare Zeit nicht Hersteller übergreifend funktionieren.« Deshalb versehe er einen Standard mit einem Fragezeichen. Maag gibt zu bedenken, dass der kommende Standard 802.11s nur das Thema Verbindung löse. Dinge wie Admission-Control für VoIP oder Location-Services kämen nicht vor. »Aus meiner Sicht ist der Vorteil von 11s für den Anwender relativ gering.« Was er dort sehen werde, habe nur die minimal notwendigen Funktionen. Birkl gibt auch zu bedenken, dass sich dies nicht ändere, so lange Controller-Lösungen existierten, die auf nur einen Hersteller zugeschnitten seien.

Kompromiss unumgänglich

Power-over-Ethernet (PoE) ist als Netzwerktechnologie nicht mehr wegzudenken. Durch den kommenden Standard 802.11n wird das Thema wieder aktuell. Denn mit dem derzeitigen Standard 802.3af lässt sich kein Pre-11n-Access-Point mit mehreren Funkmodulen über ein Interface mit Strom versorgen. Dies bringt Simon auf den kommenden Standard 802.3at. Das Problem bestehe darin, dass dieser bisher nicht verfügbar sei und die Anwender darin auch nicht investiert hätten. »Unternehmen brauchen also eine Möglichkeit, um 11n-Komponenten über 3af mit Strom zu versorgen.« Dies bringe natürlich gewisse Einschränkungen mit sich.

»Letztlich muss und wird aber 3at kommen.« Colubris arbeite aber auch an einer Möglichkeit, über 3af Strom für ihre APs zu liefern. Bei Trapeze gebe es, so Müller, zwei Möglichkeiten, APs über 3af zu versorgen. Einmal lasse sich einer der beiden Frequenzbereiche 2,4 GHz oder 5 GHz abschalten. Zum anderen könnten die zwei Ethernet-Ports des APs parallel Strom beziehen. Cisco arbeite an einer Möglichkeit, so Maag, bei ihren Switches die Leistung über 3af ein wenig zu erhöhen.

Maag zeigt jedoch auf, dass der Einsatz von 3at nicht so unkritisch sei, sondern auch noch andere Bereiche berühre. Es fließe nämlich deutlich mehr Strom über die Kabel als bisher. Damit kämen Infrastruktur-Themen wie Verkabelung oder Brandschutz ins Spiel. Maag bringt deshalb noch eine andere Variante ins Spiel: Es sei eine Überlegung wert, 3af zu erweitern. Schließlich sei nicht viel mehr Leistung erforderlich. Auch Müller hält den 3at-Standard für den WLAN-Einsatz für etwas überdimensioniert: Dieser definiere 60 Watt bei vier Drahtpaaren und 30 Watt bei zwei Drahtpaaren. 60 Watt ziele auf ganz andere Anwendungsbereiche.

Jobst ist über die 3at-Diskussion nicht besonders glücklich. »Wir sind froh, dass wir nahezu alle Anwender jetzt beim 3af-Standard zusammen haben.« Mittlerweile arbeiteten die Switches verschiedener Hersteller mit den unterschiedlichsten Telefonen zusammen. »Außerdem verringert sich im Bereich der IP-Telefone die Leistungsaufnahme weiter.« Für Müller muss es aber sehr schnell gehen: Zwei Frequenzbänder seien notwendig. Daraufhin stellt Jobst noch mal die Frage: »Wer treibt das Thema, dass neue Switches diese Leistungsdichte aufweisen?«

»Ein Unternehmen, das trotz fehlender Standardisierung demnächst dringend 802.11n flächendeckend installieren will, sollte die Vor- und Nachteile eines frühen Einsatzes genau abwägen«, gibt Marsanu zu bedenken. Genau in dieser Diskussion stehe Colubris mit ihren Kunden, so Simon. Diese wollten lieber einen 11n-Access-Point hinhängen, anstatt einem mit 11a/b/g, auch wenn sie noch keine 11n-Clients hätten. »Das ist quasi eine vorgezogene Investition.«

Maag wirft ein, dass es sich immer noch um einen Entwurf bei 11n handle: Draft 2.0. Birkl will wissen, welches Problem sich damit lösen lasse. Simon nennt die Bandbreite und eine Universität als Beispiel. Deren Studenten arbeiteten nur mit WLAN. Daraufhin bemerkt Birkl, dass dies bei Siemens nur zehn Prozent der Fälle seien. Für 90 Prozent der Kunden reiche eigentlich 11a/b/g aus. Wenn Birkl diese nach den Gründen für den Einsatz frage, bekomme er als Antwort: »Weil es schick ist.« Berger meint dazu, dass sich der Anwender fragen müsse, wie denn hier das Verhältnis des Preises für die Installation gegenüber dem Nutzen sei.

Der Druck fehlt

Der Hype vor sieben oder acht Jahren, IPv6 unbedingt einzuführen, hat sich für Maag nicht bestätigt. Er räumt aber ein, dass bestimmte Bereiche wie Universitäten IPv6 stark nachfragen. »Bisher fordert weltweit allein Japan das Protokoll zwingend.« Aber es gebe für den Anwender derzeit keine Notwendigkeit, den Nachfolger von IPv4 einzuführen. Birkl meint, dass Enterprise-Produkte für IPv6 vorbereitet sind. Bei einem Wechsel sieht er allerdings das Problem, NAT abzulösen. Da stellt sich für ihn die Frage, ob sich der Aufwand lohne.

Für Simon ist das Ganze auch ein Sicherheitsthema: Denn ohne NAT stünden die Geräte nicht mehr hinter einem Router, sondern direkt im Internet. »Auch aus Carrier-Sicht wird IPv6 nicht so schnell kommen«, erklärt Radeck. Es gebe genügend IP-Adressen, auch wenn diese weltweit mit 50 Prozent in den USA ein wenig einseitig verteilt seien. »Ein Problem könnte es aber werden, wenn der Mobilfunk weiter wächst.« Dieser setze auf mobiles Internet, was eben entsprechende IP-Adressen erfordere.

Für die Administratoren sieht Radeck allerdings klare Vorteile mit der Version 6. Diese lasse sich leichter verwalten. So ermögliche das Protokoll teilweise Selbstkonfiguration, lasse zum Teil überflüssige Header weg oder erlaube einen schnelleren Weitertransport bei Switches oder Routern. »Der Verwalter muss sich allerdings darauf einstellen, dass die Pakete über IPv4 getunnelt werden, sobald sie sein Netz verlassen.« Für Maag liegt eine Schwierigkeit darin, dass der Administrator bei IPv6 nicht mehr die gewohnten lesbaren IP-Adressen habe. Das zu lernen, dauere. Ohne fehlenden Druck werde der Aufwand aber nicht geleistet, so Birkl. Dieser komme eher aus Asien, so Maag, da es dort einen höheren Bedarf an IP-Adressen gebe.

Es kommt darauf an

Ob ein Unternehmen das WAN-Management selbst übernimmt oder per Outsourcing weiter gibt, hängt für Berger davon ab, ob es zum Kerngeschäft gehöre. Mache es ein Unternehmen selbst, behalte es die Kontrolle und könne schneller reagieren. Andererseits besitze der Provider schon das Know-how und könne für einen stabilen Betrieb sorgen. Maag empfiehlt bei Standardprodukten wie MPLS-Verbindungen Outsourcing. Gehe es nur um sehr kurze Entfernung, sei auch das eigene Management sinnvoll.

»Bei IPsec-Services über DSL-Leitungen ist die Neigung, einen Service-Provider zu beauftragen, aber deutlich geringer.« Auch für Simon hängt die Outsourcing-Frage von der Kernkompetenz ab. Ebenso spiele der Typ des Unternehmens eine Rolle. Hotels würden beispielsweise in der Regel das IT-Management nach außen geben. Bei größeren Unternehmen sehe das anders aus. Hier könne es aber geschehen, dass die IT-Abteilung selbst zum Provider werde. Dagegen stellt sich für Birkl eher die Frage, ob die über das WAN eingesetzten Applikationen strategische Bedeutung haben: Kann sich ein Unternehmen etwa durch die Anwendungen vom Mitbewerber abheben? Bobba sieht in der Auslagerung den Vorteil, dass der Service-Provider nicht nur das Know-how habe, sondern auch bereit sei, in das Netz zu investieren.

Radeck gibt zu bedenken, dass WAN-Management nur sinnvoll sei, wenn das Unternehmen Zugriff auf die Netzkomponenten habe. QSC sehe einen Trend dahin, dass Unternehmen entweder eine IT-Firma gründeten oder das Management komplett bis zur Ethernet- oder Telefonsteckdose auslagerten. Generell geht für Jobst der Trend in Richtung Managed-Administration, weil sich Technologien rasant veränderten. Marsanu findet, dass WAN-Management als Access-Technologie technisch gelöst sei.

Interessant sei hier nur noch das Geschäftsmodell und dessen Anwendung auf erweiterte Dienste wie IT-Security, Sprache oder WLAN. »Bei Managed-Services gibt es dagegen noch großen Spielraum.« Neben Service-Providern engagierten sich hier auch Systemhäuser. Müller verweist darauf, dass der Sicherheitsaspekt bisher noch nicht zur Sprache gekommen sei. Es sei zwar Luxus, kritische Infrastruktur wie VPN-Zugänge mit eigenen Leuten zu verwalten. Dies habe aber damit zu tun, die Kontrolle zu behalten, um die Verfügbarkeit sicherzustellen. Außerdem gehe es bei Outsourcing-Angeboten auch immer um den Preis. Die Folge könne sein, dass eine rechtzeitige Reaktion eben »nicht mehr drin« sei.

Fazit

Netze in Unternehmen werden auch in absehbarer Zukunft nicht rein drahtlos sein. Auch wenn sichere WLANs möglich sind, hält Nutzer das eigene Sicherheitsbedürfnis davon ab, sie einzusetzen. Weiter kennen sich Anwender mit der Bedienung der Funk-Clients nicht genügend aus. Auch wird niemand in der Regel die Server im Backbone per Funk anbinden. Allerdings gibt es auch Beispiele für vollständig drahtlose Netze. Sie sind aber die große Ausnahme. Das Ganze bleibt jedoch spannend, weil auf der anderen Seite die Mitarbeiter durch die Mobilisierung den WLAN-Einsatz fördern und fordern.

Eine Entscheidung für eine zentrale oder eine dezentrale Wireless-Controller-Architektur lässt sich nicht allgemein fällen. Bei Letzterem läuft nur der Managementanteil der Pakete zum Controller. Die Wahl hängt von den jeweiligen Anforderungen ab. Eine Trennung von Data- und Management-Plane erleichtert auch den Ausbau, was in Bezug zu einem Wechsel von 11n interessant ist.

Wireless-Mesh sind derzeit proprietär. Der entsprechende Standard 802.11s ist noch nicht verabschiedet. Interessant sind diese Netze als Erweiterung bestehender interner WLANs beispielsweise von Parkplätzen. Mehr Einsatzmöglichkeiten sahen die Teilnehmer bei Wireless-Distribution-Systemen, um etwa Access-Points drahtlos anzubinden.

Derzeit gibt es keinen Standard, um 11n-APs ausreichend per LAN-Kabel mit Strom zu versorgen. Dies kann der in zwei bis drei Jahren kommende Standard 802.3at übernehmen. Nicht alle waren glücklich über diese Entwicklung: Schließlich arbeiteten die Switches der verschiedenen Hersteller jetzt endlich mit den diversen IP-Telefonen zusammen. Dieser Harmonisierungsprozess beginnt dann von neuem.

Mittlerweile ist IPv6 als Technologie vorhanden. Es gibt aber wegen NAT und Port-Adress-Translation (PAT) keinen Druck für einen Einsatz. Außerdem ist es aus Sicherheitsgründen nicht so einfach, NAT abzulösen. Allerdings lassen sich Netze mit IPv6 einfacher administrieren. Die Frage nach dem Outsourcing des WAN-Managements setzten viele in der Runde mit der Frage gleich, ob es zum Kerngeschäft gehöre. Ein anderes Kriterium war, wie wichtig die Applikationen, die über das WAN laufen, für die Wettbewerbsfähigkeit sind.