Konsolidierung im Navigationsgeschäft:
Marken-Navis bevorzugt

von Dr. Michaela Wurm

04.07.2008

Vor allem wegen der rapide sinkenden Preise wächst die Nachfrage nach portablen Navigationslösungen – noch. Aber das Wachstum schwächt sich ab. Handel und Distribution setzen deshalb verstärkt auf Markenanbieter. Selbst Retailer wollen nicht mehr jede Preisrunde nach unten mitmachen.

Gerade jetzt in der Urlaubszeit sind portable Navigationsgeräte stark gefragt. Der Markt wächst zumindest nach Stückzahlen noch immer kräftig. Für 2008 prognostiziert der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) einen neuen Absatzrekord von 4,8 Millionen tragbaren Navigationsgeräten. Im Vergleich zum Vorjahr mit einemAbsatz von 3,6 Millionen Geräten ist das ein Plus von 33 Prozent. Ein Grund für die anhaltende Nachfrage ist der starke Preisverfall. Während der Durchschnittspreis vor einem Jahr noch bei rund 300 Euro pro Gerät lag, zahlen die Käufer heute im Schnitt nur noch rund 200 Euro. Der Umsatz wird deshalb nach Bitkom-Schätzung 2008 nur noch um drei Prozent auf etwas über eine Milliarde Euro steigen.

»Von einem Boom im Navigationsmarkt ist derzeit nichts zu spüren«, beklagt Matthias Arnold, Leiter Produktmanagement Navigation beim TK-Distributor Komsa. Bereits im Jahresendgeschäft 2007 hätten die Händler nicht nachgeordert und im ersten Quartal wären die Lager noch voll gewesen. Als der Markt im zweiten Quartal wieder anzog, waren die zur CeBIT vorgestellten, neuen Geräte meist nicht verfügbar. Einige Hersteller liefern sie erst jetzt in kleinen Mengen aus. Lieferprobleme gibt es unter anderem bei Falk und dem Navigon Top-Produkt 8110. Schuld sind knappe Komponenten, denn die Displays und Speicher werden auch in ultramobilen PCs verbaut.

Während aktuelle Geräte kaum verfügbar sind, ist immer noch viele alte Ware im Kanal. Mit Preisaktionen versuchen Hersteller und Distribution diese abzuverkaufen, was die Preisspirale zusätzlich antreibt. Wenn, wie aktuell, ein Navi für 79 Euro im Retail angeboten wird, setzt das in den Köpfen der Kunden einen neuen Einstiegspreis. »Das sorgt dafür, dass sich die Volumina innerhalb der Preisbänder weiter nach unten verschieben«, beklagt auch Andreas Guthmann, Regional Sales Manager DACH bei TomTom. Der Einstiegspreis liege mittlerweile schon bei 99 Euro, was dem Marktführer allerdings keine Bauchschmerzen bereite, weil Tom Tom nur Geräte zwischen 149 und 499 Euro anbiete.

Inzwischen rudern Hersteller und Handel zurück. Selbst die Retailer, über die rund zwei Drittel der portablen Navis verkauft werden, wollen nicht mehr jeden Preispunkt mitgehen und setzen lieber auf Markengeräte, die sich auch gut abverkaufen lassen. »Der Trend geht ganz klar zu den Markenherstellern. Die Preisdifferenz zwischen Noname, Einstiegs- und Markenware ist inzwischen so gering, dass es immer schwerer wird, Noname-Geräte zu verkaufen«, erklärt Komsa-Produktmanager Arnold. Mittelfristig sieht er zwei Preisgruppen: Einsteigergeräte von 99 bis 129 Euro und voll ausgestattete Geräte zu 199 bis 249 Euro. Daneben würden sicher auch hochpreisige Geräte nachgefragt, das sei aber kein Volumengeschäft.

Hersteller setzen auf den Fachhandel

Den Trend zum A-Brand bestätigt auch die aktuelle Händlerbefragung der Computer Reseller News. Die fünf bekanntesten Navi-Marken im Channel sind auch die Marktführer: An der Spitze Tom Tom. Den niederländischen Hersteller nannten 76 Prozent der befragten 300 Reseller. Auf den Plätzen folgen Navigon, Garmin, Falk und Becker. Nur ein Drittel der Befragten verkauft Navigationslösungen. Auch hier dominieren die Marktführer: 26,3 Prozent verkaufen Tom Tom-Geräte, gefolgt von Navigon (16,3 Prozent), Garmin (7 Prozent), Becke und Falk. Auf Platz sieben liegt immerhin Medion. Der Aldi-Lieferant hatte erst vor eineinhalb Jahren begonnen, seine Navigationsgeräte auch über die Distribution zu verkaufen.

Viele Fachhändler sind skeptisch, in das Navigations-Segment einzusteigen. Sie fürchten, mit den Aktions-Angeboten von Food-Discountern und Flächenmärkten nicht mithalten zu können. »Navis sind für Händler eine Möglichkeit, sich zu spezialisieren und zu differenzieren», widerspricht Arnold: Dazu müssten Händler keine große Range anbieten, sondern ein sinnvolles Sortiment und nicht auf Preispunkte, sondern auf Mehrwerte setzen.

Auch die Hersteller setzen mittlerweile verstärkt auf den Fachhandel, um die zunehmend erklärungsbedürftigen Geräte zu verkaufen. »Viele Features setzen auf Connectivity. Das kann man nicht über die Fläche verkaufen.

Marktführer Tom Tom stellt seit rund eineinhalb Jahren mehr Tools für Reseller zur Verfügung und hat aktuell ein Schulungsangebot gestartet (CRN berichtete in Ausgabe 25/2008). Navigon hat ein neues Partnerportal gelauncht, über das die Händler Produktinformationen und Präsentationsmaterialien herunterladen können. »Unser Ziel ist es, in Zukunft verstärkt die Möglichkeiten des Web 2.0 zu nutzen, um unsere Partner optimal und flexibel zu unterstützen und die Verbraucher direkt zu erreichen. Denn wir wissen, dass Kaufentscheidungen heute maßgeblich durch das Internet beeinflusst werden«, betont Egon Minar, Vertriebs- und Marketingvorstand der Navigon AG. Über die passwortgeschützte Internetseite www.navigon-partner-portal.com bietet der Hersteller ab sofort auch Schulungen in Form von Live-Präsentationen in einem »Virtual Classroom« an.

Ipublish, der Anbieter des »Merian Scout Navigator«, hat zur CeBIT ein mehrstufiges Partnerkonzept eingeführt, um Fachhändler zu finden. Aktuell wurde dazu ein Premium-Vertriebskonzept für CE-Reseller gestartet, für das der Hersteller bis zur IFA 2008 150 Händler qualifizieren will. Dirk Reusch, Director Sales von Ipublish, will das Navigationsgerät in erster Linie über den beratenden Fachhandel und Kooperationen absetzen. Vertrieben wird der »Merian Scout Navigator« über den TK-Distributor Komsa. Für Flächenmärkte sei das Produkt, das zusätzlich Texte, Bilder und Audiobeiträge zu touristischen Attraktionen aus Merian-Reiseführern bereitstellt, kaum geeignet. Im Gegensatz zu Billig-Navis könnten Händler bei dem Merian-Produkt von zweistelligen Margen profitieren, verspricht Reusch.

Mehr Features, mehr Content

Die Ausstattungs-Trends bei portablen Navigationsgeräten sind immer größere Bildschirme und technische Zusatzfunktionen. Waren im vergangenen Jahr noch Displays mit einer Bildschirmdiagonale von 3 bis 3,6 Zoll der Standard, gewinnen derzeit die größeren 4,3-Zoll-Geräte Marktanteile, so der Branchenverband Bitkom. Mehr als die Hälfte aller verkauften Navis ist inzwischen mit dem digitalen Verkehrsfunk TMC (TrafficMessage Channel) ausgestattet. Rund 40 Prozent verfügen über einen MP3-Spieler, knapp ein Fünftel kann auch telefonieren.

Auch Displays mit 3D-Darstellung sind im Kommen. So kann beispielsweise der neue »Moov 370« von Mio neben einer Freisprecheinrichtung, Bluetooth und TMC Pro auch mit einer Darstellung von Sehenswürdigkeiten in 3D punkten. »Moov 370 Europe « ist ab sofort mit Kartenmaterial West-Europa für 299 Euro (UVP) beim Distributor Bulltech erhältlich, »Moov 370 Europe Plus« mit Kartenmaterial West- Europa und Osteuropa für 349 Euro (UVP).

Ab Juli soll das neue Premium- Navi von Garmin erhältlich sein, das bereits auf der CeBIT präsentiert wurde. Beim »Nüvi 860« lassen sich dank der neuesten Sprachsteuerungstechnologie nahezu alle Funktionen per Sprache steuern. »Nüvi 860« verfügt über ein 4,3-Zoll Touchscreen- Display, Bluetooth sowie einen Musikplayer und kann als vollwertige Freisprecheinrichtung genutzt werden. Um das geparkte Auto schnell wieder zu finden, merkt sich das Navi die Position, bei der es zuletzt aus der Halterung am Armaturenbrett genommen wurde und zeigt diese automatisch an. Das Gerät soll mit vorinstalliertem Kartenmaterial für 33 Länder in West- und Osteuropa 599 Euro (UVP) kosten.

Marktführer Tom Tom setzt bei seinen Navis verstärkt auf Technologien, wie den eigenen Verkehrsinformationsdienst HD Traffic oder MapShare. MapShare ermöglicht es den Nutzern, Fehler im Kartenmaterial selbst zu korrigieren und die Änderungen auch anderen Usern zur Verfügung zu stellen. »Features wie MP3-Player oder eine Freisprecheinrichtung sind nicht kaufentscheidend«, erklärt Tom Tom Sales Director Guthmann. »Die Kunden wollen eine präzise Navigation von A nach B und Tools, die dabei helfen. « Aktuelles Kartenmaterial sei deshalb ein wichtiges Verkaufsargument. Tom Tom hat dafür den Service »latest maps« gestartet: Kunden können bis 30 Tage nach dem Kauf das aktuellste Kartenmaterial kostenlos downloaden. Ähnliche Features bieten auch andere Markenhersteller, beispielsweise »Navigon FreshMaps«, einen Aboservice für ständig aktuelles Kartenmaterial, an. Alle drei Monate stellt Navigon ein vollwertiges Navteq-Datenpaket für ganz Europa zum Download bereit, das für die gesamte aktuelle Produktfamilie genutzt werden kann. Dieses Update beinhaltet den vollen Kartenumfang mit neuen und geänderten Straßendaten sowie aktuellen Sonderzielen. Der Service kostet im 24-Monats-Abo einmalig 99 Euro. Beim Navigon 8110 gibt es den Service die ersten zwei Jahre sogar kostenlos.

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INFO

Ausgewählte Anbieter von portablen Navigationsgeräten

www.acer.de
www.asus.de
www.becker.de
www.blaupunkt.de
www.fm-i.de
www.fwd-online.de
www.garmin.de
www.ipublish.de
www.magellangps.com
www.medion.de
www.merian.de
www.mio-tech.com
www.myguidegps.com
www.navigon.de
www.navman.com
www.tomtom.com