CES: Ballmer serviert leeres Tablet(t)
Statt Apple mit einem innovativen neuen Produkt im Netbook-Bereich die Schau zu stehlen, war Steve Ballmers Eröffnungsrede bei der CES eher eine matte Vorstellung. Der Microsoft-CEO präsentierte lediglich drei Prototypen von Mini-Tablet-PCs bekannter Hersteller, ohne jedoch konkret zu werden.
(Fortsetzung des Artikels von Seite 1)
Die Erwartungen für den Auftritt des Microsoft [1]-Chefs Steve Ballmer auf der CES 2010 [2] (Consumer Electronics Show) waren hoch: Nachdem sich die Hinweise verdichten, dass Apple [3] bald mit einem Tablet-PC in Netbook-Größe die nächste Revolution einleiten will (siehe: »Apple: Tablet-PC iSlate noch im Januar erwartet [4]«), rechnete die Branche fest damit, dass Microsoft der Konkurrenten gemeinsam mit einem großen Hardwarehersteller Paroli bieten wird. Somit wurde seit Wochen darüber spekuliert, was Ballmer in Las Vegas aus dem Hut ziehen wird, um Apple aufgrund des zeitlichen Vorsprungs vielleicht sogar bloßzustellen. Tatsächlich blieb es dann jedoch bei lauwarmen Ankündigungen und Erklärungen.
Ballmer referierte über die Geschichte der IT und ihre Zukunft und zeigte am Ende als nächste Generation in der Evolution des PCs drei Prototypen von Mini-Tablets der Hersteller Archis, HP und Pegatron. Allerdings konnte er dabei kaum verwertbare Informationen zur Leistungsfähigkeit und den Einsatzmöglichkeiten dieser Geräte machen. Lediglich, dass der HP »Slate« auch die Software zum Lesen von E-Books des Amazon-Lesegerätes Kindle sowie Multimedia- und Email-Funktionen enthalte, war Ballmer zu entlocken. Außerdem werde HP das fertige Produkt noch dieses Jahr einführen. Als Betriebssystem sei Windows 7 bereits perfekt für solch eine neue Gerätegeneration gerüstet. Selbst wenn das Gerät jedoch mit Apples vermeintlichem nächsten Paukenschlag mithalten kann, ist damit ein möglicher zeitlicher Vorteil als Trendsetter wohl verspielt.
Reminiszenzen an Bill Gates Fehleinschätzung
Ballmers Rede erinnerte teilweise an einen Vortrag seines Vorgängers Bill Gates, der 2001 bereits einige Prototypen von Tablet-PCs (damals noch in Notebook-Größe) als Computer-Kategorie der Zukunft vorgestellt hatte. Innerhalb von fünf Jahren, so Gates damals, werde diese Technologie zum bestimmenden Trend am PC-Markt. Genutzt hatte die Euphorie freilich auch damals schon nicht. Die elektronischen Zeichenbretter waren zu unhandlich und leistungsschwach, und auch die Bedienung mit den speziellen Plastikstiften konnte die wenigsten Nutzer überzeugen. Pech für Ballmer war auch, dass durch einen Stromausfall vor Beginn der Veranstaltung technisches Gerät zerstört wurde, mit dessen Hilfe er dem Publikum eigentlich Einblicke in neue Microsoft-Programme zeigen wollte.
Einen wesentlich griffigeren Ausblick, welche Möglichkeiten neue, leistungsstarke wie stromsparende Prozessoren und empfindliche Touchscreens für Tablets tatsächlich bieten, zeigte dafür immerhin Lenovo. Das Unternehmen präsentierte ein Hybrid-Netbook-Modell, bei dem der Bildschirm einen eigenen Prozessor hat und einfach als Tablet vom restlichen Gerät abgetrennt werden kann.
Die einzigen, die sich bei diesem schwachen Auftritt Ballmers wohl die Hände gerieben haben werden, sind die verantwortlichen bei Apple. Ihnen dürfte spätestens jetzt klar sein, dass ihnen der große Konkurrent wieder einmal ganz alleine die Chance überlässt, den nächsten Hype zu definieren.
[1] http://www.microsoft.com/de/de/default.aspx
[2] http://www.cesweb.org/
[3] http://www.apple.com/de/
[4] http://crn.de/showArticle.jhtml?articleID=222200213
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