330 Terabyte auf einer Kassette: IBM-Forscher erhöhen Speicherdichte von Magnetbändern drastisch

Auf der Magnetic Recording Conference haben IBM-Forscher den Prototyp eines Magnetbandes gezeigt, der eine mehr als 20 Mal so große Speicherdichte wie aktuelle Bänder hat. Die neue Technologie soll Tape vor allem für Cloud-Speicher attraktiver machen.

IBM-Wissenschaftler Mark Lantz mit einem ein Quadratzoll großen Stück des neuen Tapes – darauf können 201 Gigabit gespeichert werden
(Foto: IBM)

Obwohl schon vor Jahren immer mal wieder totgesagt, haben Magnetbänder nicht nur überlebt, sondern erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit. Das liegt unter anderem daran, dass die Technik zuverlässig ist und sich für die langfristige, kostengünstige Speicherung auch großer Datenmengen eignet. Zudem wird sie kontinuierlich weiterentwickelt, um die Kapazitäten zu erhöhen und die Geschwindigkeiten zu steigern. Welches Potenzial in Tape steckt, wird aktuell wieder auf der Magnetic Recording Conference des IEEE deutlich. Dort zeigte IBM den Prototyp eines neuen Bandes, dessen Speicherdichte bei 201 Gigabit pro Quadratzoll liegt – mehr als das 20fache aktueller Tapes. Eine Kassette könnte damit bis zu 330 Terabyte an unkomprimierten Daten speichern.

Als Basis nutzen die Forscher ein Speicherband von Sony Storage Media Solutions, bei dem die Magnetschicht mittels Kathodenzerstäubung aufgetragen wurde, was für eine besonders feine Verteilung der Magnetpartikel und damit eine höhere Speicherdichte sorgen soll. Dieses »Sputter Deposition«-Verfahren macht die Bänder zwar teurer. »Aber dank des sehr hohen Speicherpotenzials werden die Kosten pro Terabyte dennoch konkurrenzfähig mit anderen Speichertechnologien sein«, prognostiziert Evangelos Eleftheriou, Leiter des Cloud and Computing Infrastructure Departments im IBM-Forschungszentrum in Rüschlikon bei Zürich. Seiner Einschätzung nach bietet sich die Technologie vor allem für den Einsatz in Cloud-Umgebungen an: bei der Speicherung wenig genutzter Daten, des sogenannte Cold Storage.

Einhergehend mit dem neuen Band haben die IBM-Forscher auch eine verbesserte Servo-Steuertechnik entwickelt, mit der sich die Schreib- und Leseköpfe präziser positionieren lassen, was eine größere Spurdichte – auch auf aktuellen Bandlaufwerken – ermöglicht. Neue Algorithmen zur Signalverarbeiten sorgen zudem für eine zuverlässigere und schnellere Datendetektion, wodurch schmalere Schreib- und Leseköpfe eingesetzt werden können.

Bis die neuen Technologien in kommerzielle Produkte einfließen, dürfte es einige Jahre dauern. IBM machte zwar keine Angaben zum Zeitplan, doch immerhin hatte der Hersteller bereits vor mehr als drei Jahren ein Barium-Ferrit-Magnetband entwickelt, das 154 Terabyte fasst und bislang nicht marktreif ist. Aktuelle Bänder des Herstellers speichern aktuell maximal 15 Terabyte.