»Nicht mehr viele Hersteller können Flash und Festplatten bieten«: Ungewisse Zukunft für Toshibas Storage-Geschäft

Der geplante Verkauf der Speicherchip-Sparte von Toshiba wirft die Frage auf, was aus dem – noch immer gut laufenden – Festplattengeschäft des Herstellers wird. Noch positioniert sich dieser nämlich als Komplettanbieter, der Flash und Disk liefern kann.

Speicherchip-Fabrik von Toshiba
(Foto: Toshiba)

Das Bieten um die Ende März ausgegliederte Speicherchip-Sparte von Toshiba ist in vollem Gange, zu den Interessenten sollen Insidern zufolge Broadcom, Foxconn, Hynix und Western Digital zählen. Wer den Zuschlag erhalten wird, ist noch völlig offen, da nicht nur die Höhe der Gebote eine Rolle spielt. Die japanische Regierung beispielsweise würde einen einheimischen Käufer bevorzugen, weshalb einige der Interessenten derzeit versuchen, sich japanische Investoren ins Boot zu holen. Zudem sieht Western Digital, das die Flash-Fertigung nach der Übernahme von Sandisk im vergangenen Jahr mit Toshiba in einem Joint Venture betreibt, in dem geplanten Verkauf eine Vertragsverletzung.

Unklar ist darüber hinaus, was Toshiba nach einem Verkauf des Speicherchip-Business mit seinem Festplattengeschäft anfängt. Bislang positionierte der Hersteller sich am Markt als Komplettanbieter, der sowohl Flash als auch Disk liefern kann. Auf der CeBIT betonte Paul Rowan, General Manager der SSD Business Unit bei Toshiba Electronics Europe, im Gespräch mit CRN noch: »Nicht mehr viele Hersteller können Flash und Festplatten bieten.« Dazu kommt, dass Toshiba in beiden Segmenten erfolgreich ist: In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2016 konnte der Elektronikkonzern im Flash-Geschäft um zwei Prozent auf 635,1 Milliarden Yen (umgerechnet etwa 5,4 Milliarden Euro) zulegen, im Festplattengeschäft sogar um 19 Prozent auf 345,8 Milliarden Yen (rund 2,9 Milliarden Euro). Den Marktforschern von IDC zufolge stieg der Anteil von Toshiba am Festplattenmarkt im vierten Quartal des vergangenen Jahres auf 24 Prozent – ein deutlicher Zugewinn, nachdem es ein Jahr zuvor noch 15 Prozent gewesen waren.

Dabei spielt dem Hersteller in die Hände, dass trotz des Flash-Booms nach wie vor große Mengen an Festplatten benötigt werden. Zuletzt hätten SSDs lediglich zwölf Prozent der insgesamt im Storage-Markt ausgelieferten Kapazitäten ausgemacht, so Toshiba-Manager Rainer Werner Kaese gegenüber CRN. Die Branche müsste Milliarden in die Chip-Fertigung stecken, um auch nur auf 20 Prozent zu kommen – es sei praktisch unmöglich, in den nächsten Jahren eine ausreichende Menge an SSDs zu produzieren, um den kompletten Speicherbedarf zu decken. Das zeigt sich auch an den unverändert hohen Preisen für Flash-Speicher. »Wahrscheinlich werden sie in den nächsten Monaten sogar noch weiter steigen«, prognostiziert Rowan. Für den Channel sei es aber ein gutes Signal, dass Komponentenpreise nicht immer nur sinken müssen.

Allerdings hat Rowan vor allem im Retail auch einen höheren Beratungsbedarf ausgemacht, da SSDs mittlerweile in verschiedenen Formfaktoren und mit unterschiedlichen Schnittstellen angeboten werden. Seine Händler, die neben den Toshiba-SSDs auch die eher auf den Gamer-Markt zielenden Modelle unter der Marke OCZ verkaufen, versucht der Hersteller daher verstärkt mit Webinaren zu unterstützen, um Know-how aufzubauen. Diese stehen auch Partnern aus dem Business-Bereich zur Verfügung, doch dort geht es viel häufiger um Produktdemonstrationen und Performance-Vergleiche. Zu diesem Zweck hält Toshiba spezielle Testsysteme bereit, die mit Festplatten und SSDs bestückt werden können, um beispielsweise für Partner und deren Kunden die Leistung unterschiedlicher Konfigurationen vergleichbar zu machen. Selbst der Einfluss bestimmter RAID-Modi oder Controller auf die Leistung lässt sich dort bestimmen.