CRN-Interview mit Michael Gerich von Veeam: »In Deutschland ist Cloud ein lokales Geschäft«

Im Interview mit CRN erklärt Michael Gerich, Director Channels für Central und Eaestern Europe, Russia & CIS bei Veeam, wie der Channel von Datensicherungsdiensten und Backups in der Cloud profitieren kann.

Michael Gerich, Director Channels für Central und Eaestern Europe, Russia & CIS bei Veeam
(Foto: Veeam)

CRN: Herr Gerich, wie haben sich Backup-Konzepte in den vergangenen Jahren durch die zunehmende Virtualisierung und die Nutzung von Cloud-Services verändert?

Michael Gerich: In modernen Rechenzentren sind häufig alle zentralen Komponenten virtualisiert, vom Speicher über Server-Plattformen bis zu ganzen Netzwerken. Da ist es nur logisch, auch die Software-Applikationen zu virtualisieren. Was immer benötigt wird – sei es sofortige Skalierbarkeit, dezentrale Verfügbarkeit oder die Sicherheit, dass geschäftskritische Anwendungen schnell wiederherstellbar und verfügbar sind – ohne Virtualisierung geht es heute nicht. Anders können Unternehmen die permanente Verfügbarkeit ihrer geschäftskritischen Daten und Anwendungen kaum sicherstellen.

Das erfordert natürlich neue Ansätze für Backup und Wiederherstellung. Virtuelle Systeme müssen mit anderen Werkzeugen gesichert werden als eine herkömmliche Software-Lösung, die auf einem physischen Server läuft. Veeam hat sich schon vor mehr als zehn Jahren auf dieses Thema spezialisiert, wobei es unseres Erachtens wichtig ist, nicht nur Daten zuverlässig zu sichern, sondern sie auch jederzeit verfügbar zu halten. Daher bieten wir mittlerweile auch Cloud-Lösungen an, denn die digitale Transformation ist ohne eine Cloud-Strategie kaum umzusetzen.

CRN: Hat sich der Channel bereits auf diese Veränderungen eingestellt?

Gerich: Viele Reseller sind auch heute noch im traditionellen Lizenzgeschäft verhaftet. Dabei werden Virtualisierung und Cloud für den Channel immer wichtiger. Nicht nur kleine und mittelständische Unternehmen holen sich heute Serviceprovider an Bord. Auch Großunternehmen mit eigenen Rechenzentren arbeiten verstärkt mit Dienstleistern, etwa um Service Level Agreements abzusichern, verteilte Standorte bestmöglich zu unterstützen oder Anwendungen und Geschäftsprozesse flexibel mit den gerade benötigten IT-Ressourcen auszustatten. Die Cloud spielt hier eine immer wichtigere Rolle.

Je nach Anforderungsprofil kommen Private, Managed oder Public Clouds zum Einsatz. Nicht nur Geschäftsanwendungen wandern in die Cloud, auch für deren Absicherung und Verfügbarkeit werden Cloud-Dienste zunehmend attraktiv.

Hier besteht Nachholbedarf im Channel. Es gibt Partner mit sehr viel Cloud-Expertise und solche, die noch ganz am Anfang stehen. Gerade in Deutschland ist Cloud ein lokales Geschäft: Firmen möchten sicher sein, dass ihre Daten im Land und unter ihrer Kontrolle bleiben. Nicht nur Cloud-Anwendungen, auch Cloud-Backup-Services oder Disaster Recovery as-a-Service sind ideale Dienstleistungen, die kontinuierlich Umsatz generieren.

CRN: Welche Rolle spielt die Cloud bereits in den Backup-Strategien von Unternehmen?

Gerich: Studien über die Cloud-Nutzung in Deutschland bestätigen die Einschätzung von Veeam, dass Unternehmen noch mehrheitlich auf der Applikationsebene denken. Office- und kundenorientierte Anwendungen wie CRM wandern in die Cloud, deren Absicherung ist da noch nicht angekommen. Natürlich sind Sicherheit und die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Datensicherheit wichtige Themen. Gerade gegenüber der Public Cloud hegen die Unternehmen in diesem Kontext noch große Vorbehalte. Immer mehr Unternehmen entscheiden sich daher für hybride IT-Strukturen, also ein Mix aus On-Premise und Cloud-Anwendungen. Das ist auch ein gutes Konzept für Backup und Disaster Recovery.

Wir sehen hier ein großes Potenzial für lokale IT-Dienstleister, einerseits als Berater, sogenannte Trusted Advisor, die aber auch das Lösungskonzept mittragen, also eigene Cloud-Dienste anbieten. Dabei spielt das Thema Transparenz eine große Rolle: Wo liegen die Daten, wie sind sie abgesichert ?

CRN: Wie passen Cloud-Backups auf der einen und steigende Datenmengen nebst wachsenden Performance-Anforderungen auf der anderen Seite zusammen?

Gerich: Natürlich ist Bandbreite ein Thema. Unternehmenskritische Daten müssen jederzeit verfügbar sein, um die Geschäftsprozesse am Laufen zu halten. Enterprise Continuity, das Internet der Dinge mit einer steigenden Zahl von Endgeräten und auch die Mitarbeiter, die unterwegs oder im Home Office arbeiten, stellen immer höhere Anforderungen. Genau deshalb ist Verfügbarkeit heute so eine anspruchsvolle Aufgabe. Da spielen Netzwerkkapazität und Speichermedien ebenso eine Rolle wie Automatisierung, intelligente Orchestrierung und die Fähigkeit, möglichst viele Plattformen zu integrieren, von physischen und On-Premise-Workloads bis zu virtuellen Umgebungen und verschiedenen Clouds.

Das heißt für Dienstleister aber auch, dass sie ihr Knowhow ausspielen können. Unsere Partner haben außerdem jederzeit die Option, auf die Expertise von Veeam-Spezialisten zurückzugreifen. Dieses Support-Angebot wird sehr geschätzt, sowohl in der Verkaufsphase als auch später in der Umsetzung.

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