IT-Stratege ohne konkrete Aufgabe: Der CIO in der Sinnkrise

Der IT-Leiter heißt jetzt CIO und schraubt nicht mehr am PC herum, sondern hat auf einmal eine »Schlüsselfunktion« in jedem Unternehmen. Was er da genau machen soll, leuchtet ihm aber nicht so recht ein.

Der CIO sucht noch nach seiner neuen Aufgabe
(Foto: Arjuna Kodisinghe/Fotolia)

Dass sich die Rolle des guten alten IT-Leiters gerade ebenso grundlegend verändert wie die IT selbst, dürfte kaum jemand bestreiten. Die Zeiten, in denen der IT-Chef unbehelligt über sein Rechenzentrum herrschte und nichts als Bits und Bytes im Kopf haben musste, sind längst vorbei.

Mittlerweile heißt der IT-Leiter nicht nur CIO, er hat auch komplett neue Aufgaben. Begriffe wie Server, Storage und Netzwerke kommen in seiner Jobbeschreibung kaum mehr vor. Wenn es um die Rolle des CIO geht, dann ist da vielmehr von einer »Schlüsselrolle für das Unternehmen« die Rede, von »strategischen Aufgaben« und »Managementfunktionen«. Er positioniert sich im Unternehmen als Trusted Advisor, der IT-Standards durchsetzt, Enterprise-Architekturen plant und das Informationsmanagement verantwortet. Kurz und bündig: Der CIO 4.0 oder auch 5.0 ist ein IT-Stratege mit einer digitalen Vision.

Die Kopfnuss hat sich nun gefragt, welche konkreten Aufgaben der moderne CIO eigentlich übernimmt, wenn er morgens zur Arbeit kommt. Das gute alte Herumschrauben an den PCs der Mitarbeiter hat sich schließlich quasi von selbst erledigt, denn die arbeiten in Zeiten von BYOD mit ihren privaten Devices. Und kümmern sich selbst um Wartung, Updates und die notwendige Sicherheit ihrer Arbeitsgeräte. Oder vielleicht tun sie das auch nicht. Aber das betrifft den CIO ohnehin kaum, denn wenn es um die Sicherheit der IT geht, führt auf einmal der Chief Security Officer (CSO) das große Wort. Der entwirft jetzt abstrakte Sicherheitsarchitekturen und hat die gute alte Firewall und die bewährte Antivirensoftware einfach mal abgeschafft.

Um in Ruhe nachdenken zu können, was seine digitale Vision denn genau sein könnte, steuert der CIO den Serverraum als letzten Zufluchtsort an – muss aber erschrocken feststellen, dass es den gar nicht mehr gibt. Schließlich kommt die IT längst aus der Cloud. Stattdessen hat sich dort der Chief Digital Officer (CDO) sein neues Büro eingerichtet. Der bastelt jetzt an der Digitalstrategie des Unternehmens und sorgt dafür, dass die IT zum Enabler für das Business wird, statt alle nur zu verärgern.