Barcamp: Berieseln lassen war gestern

Kai-Uwe Hellmann ist Initiator des größten Barcamps hierzulande. Erstmals auf der CeBIT können Business-Gäste aktiv Inhalte bestimmen und finden im Idealfall Mitstreiter, die Technologieprobleme bereits gelöst haben.

Bei barcampus.de organisiert Kai-Uwe-Hellmann seit 2007 Barcamps
(Foto: Axel Kammann)

CRN: Herr Hellmann, auf einer IT-Messe wie der CeBIT werden doch auf vielen Ständen Vorträge gehalten oder Experten interviewt. Warum braucht es da jetzt auch noch Barcamps?
Kai-Uwe Hellmann: Weil auf Messen üblicherweise die Großveranstaltungen im konventionellen Stil gehalten sind: Einer redet, alle anderen hören zu, für Fragen und eingehendere Diskussionen mit dem Publikum fehlt in der Regel jede Zeit. Bei Barcamps verkehrt sich diese Konvention nahezu in ihr Gegenteil: Jeder redet mit jedem, und zwar nur über das, was den Teilnehmern gerade wichtig ist, und solange und so intensiv, wie sie es selber wollen.

CRN: Welchen Nutzen ziehen Gäste aus der Teilnahme bei Barcamps?
Hellmann: Zum ersten fördern Barcamps die Kontaktaufnahme und Vernetzung ungemein, weil im Prinzip jeder mit jedem auf Augenhöhe spricht. Auch duzen sich alle: Das erleichtert die Annäherung sehr. Zum zweiten fördern Barcamps den Erfahrungsaustausch und das »Knowledge Sharing«: Möglichst alle geben und teilen ihr Wissen untereinander. Zum dritten eignen sich Barcamps fürs Recruiting, für die Evaluation und Initiierung neuer Geschäftsideen.

CRN: Ist aktive Teilnahme Pflicht?
Hellmann: Im Grunde ja. Denn Barcamps leben nun einmal von der Initiative, Partizipation und Selbstorganisation der Teilnehmer. Die Veranstalter stellen lediglich die »Zelte« auf. Die Bereitschaft zum Austausch liegt dann ganz in der Verantwortung der Teilnehmer.

CRN: Systemhäuser der Kooperation iTeam stellen auf Barcamps unter anderem Themen vor, bei denen ihnen der Schuh drückt. Daraus können dann sogar Arbeitsgruppen entstehen, die gemeinsam Lösungen entwickeln. Ein Vorbild auch für die CeBIT-Camps?
Hellmann: Auf jeden Fall: Zunächst laden Barcamps die Teilnehmer ja lediglich dazu ein, von sich aus genau und nur jene Themen zur Diskussion zu stellen, die ihnen ad hoc unter den Fingern brennen. Hierbei ist zunächst der Weg das Ziel. Bezüglich der Ergebnissicherung und daraus erwachsender Arbeitspakete ist es aber allen Teilnehmern freigestellt, zu Beginn jeder Session zu vereinbaren, dass die diskutierten Inhalte und Übereinkünfte protokolliert oder auf Flipcharts festgehalten werden, um danach sofort mit der Umsetzung der erarbeiteten Vorschläge zu beginnen.

CRN: Ihnen dürfte als Hochschullehrer Frontalunterricht nicht unbekannt sein. Wären solche interaktiven Formate nicht auch an Unis oder Schulen ein Gewinn für Lehrende und Lernende?
Hellmann: Absolut! Ich schätze zwar auch die klassischen Formate wie Vorlesung und Seminar. Sie haben ihre Vorteile. Doch über Barcamps kommt nochmals eine echte Bereicherung ins Lehr-Spiel, weil die Studierenden dann selber bestimmen können, worüber sie sprechen möchten, und nicht zuletzt, wie sie untereinander diskutieren wollen und was für sie daraus folgen soll. Allerdings setzt das von den Studierenden ein erhebliches Maß an Selbstständigkeit voraus, ganz nach dem Barcamp-Motto: »No Spectators, only Participants!«.

CRN: An wie vielen Barcamps haben Sie schon teilgenommen?
Hellmann: Insgesamt habe ich wohl schon an mehr als 30 Barcamps teilgenommen, angefangen mit dem Barcamp Berlin im Jahre 2007. Schon 2008 habe ich dann mit Frank Feldmann zusammen eines der ersten Themencamps selber ins Leben gerufen, und zwar das CommunityCampBerlin. Das findet immer Ende Oktober statt und ist mit über 250 Teilnehmern sicher eines der größeren Barcamps im deutschsprachigen Raum.

Eine Übersicht zu den Barcamps auf der CeBIT finden Sie hier …