Neue EU-Richtlinie für Funkprodukte: Sorge um Lieferengpässe im WLAN-Markt

Eine neue EU-Richtlinie könnte zu einem Verkaufsverbot für Produkte mit Funkschnittstelle führen. Industrieverbände fordern einen Aufschub der Übergangsfrist – bislang ohne Erfolg.

Unsicherheit in der Lieferkette

Ralf Koenzen, Gründer und Geschäftsführer von Lancom
(Foto: Lancom Systems)

Damit ist aktuell völlig offen, wie der Verkauf von Produkten mit Funkschnittstelle ab dem Sommer weitergehen soll. Ralf Koenzen, Gründer und Geschäftsführer des Aachener Netzwerkspezialisten Lancom, spricht in einem Blogbeitrag von einer »quasi totalen Marktzugangsblockade für WLAN-Produkte«, sollte sich an der aktuellen Situation nichts mehr ändern. Denn ohne harmonisierte Normen können Hersteller keine richtlinienkonformen WLAN-Produkte mehr entwickeln. Damit entfällt auch die Möglichkeit, die Konformität der Produkte durch interne Tests und Fertigungskontrollen zu erklären, wie das unter der bisherigen Richtlinie R&TTE üblich war. Kann ein Hersteller jedoch nicht erklären, dass seine Produkte den Vorgaben der neuen Richtlinie entsprechen, kann er sie de facto nicht mehr legal in Verkehr bringen. »Der Zugang zum Markt bleibt verschlossen«, so Koenzen.

Um die Konformität ihrer Produkte feststellen zu lassen, haben Hersteller zwar alternativ die Möglichkeit, sich an anerkannte Prüflabore, sogenannte »Notified Bodies«, zu wenden. Da es in ganz Europa nur 44 dieser Labore gibt, dürften die Kapazitäten jedoch bei weitem nicht ausreichen. Um binnen kurzer Zeit Tausende von Funkprodukten zu überprüfen, fehlt es diesen sowohl an Personal als auch an Testequipment. Der Industrieverband ZVEI warnt in diesem Zusammenhang bereits vor einem »Flaschenhals«.

Zudem wäre die Methode zeitaufwendig und teuer, da jedes Funkprodukt separat bewertet werden müsste. Bei jedem Software-Update stünde zudem eine Neubewertung an. Insbesondere kleinere Hersteller mit breitem WLAN-Portfolio und kurzen Software-Aktualisierungszyklen würden dadurch finanziell extrem belastet, gibt Koenzen zu bedenken.

Verstärkt wird das Problem, da nicht nur neue Produkte künftig mit der RED-Richtlinie konform sein müssen. Wenn die Übergangsfrist für die Anwendung von RED endet, müssen auch Funkprodukte neu bewertet werden, die teilweise schon seit Jahren unter der bisherigen R&TTE-Richtlinie verkauft werden. »Damit droht also nicht nur eine Verzögerung bei WLAN-Neuentwicklungen, sondern die vollständige Marktzugangsblockade für alle WLAN-Produkte. In ganz Europa.«, warnt der Lancom-Chef.