Drogenfahndung per Smart Detection: Smart Meter verraten illegale Hanfplantagen

In Holland werden illegale Hanfbauern seit neuestem mit intelligenten Messpunkten im Stromnetz überführt.

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Während - abgesehen von einigen technisch begeisterten Early Adopters - derzeit noch die wenigstens Privatkunden einsehen, warum sie in die viel beschworene Zukunftstechnologie Smart Metering investieren sollen, bringt sie der Industrie bereits handfeste Vorteile dabei, ihre Stromkosten zu reduzieren. In Holland zeigt jetzt zudem ein Pilotprojekt, dass die klugen Messgeräte und damit verbundene Big Data-Anwendungen auch den Strafverfolgungsbehörden ihre Arbeit wesentlich erleichtern können. Der Netzbetreiber Stedin rüstet derzeit tausende Verteilstationen in seinen Niederspannungsnetzen rund um Rotterdam mit Smart Metern nach. Diese sind zusätzlich mit einer besonderen Erkennungsroutine versehen, die typische Anomalien, wie sie vor allem durch illegale Hanfplantagen verursacht werden, aufspürt. Wird in einem Wohn- oder Industriegebiet über mehrere Wochen ein entsprechendes verdächtiges Verbrauchsmuster erkannt, melden die Smart Meter dies sofort automatisch an den Netzbetreiber und die Polizei.

Mit dieser technologischen Aufrüstung hilft Stedin der Polizei, den zuletzt gewachsenen Vorsprung der illegalen Hanfbauern wieder mehr als wett zu machen. Da die Delinquenten immer häufiger auf energiesparende Beleuchtungssysteme umsteigen und ihre Plantagen mit ausgefeilter Ventilationstechnik ausstatten, wird die bisher meist übliche Detektion durch Hilfsmittel wie Wärmebildkameras immer schwieriger. »Wir merken, dass die Kriminellen immer innovativer im Verstecken von Hanfgärtnereien werden«, erklärt Dave de Wit, der bei Stedin für die Betrugsbekämpfung zuständig ist. Über 1.000 solcher Plantagen die niederländische Polizei im letzten Jahr ausgehoben. Die Bandbreite reicht von einigen Pflanzen im Wohnzimmer bis hin zu komplett mit den Drogen-Büschen gefüllten Industriehallen. Die typischen, den Wachstumsphasen des berauschenden Krauts angepassten, Beleuchtungszyklen bleiben dabei aber stets gleich. So lassen sich entsprechende Verbraucher für den Netzbetreiber relativ leicht herausfiltern.

Für Stedin war die eigentliche Intention hinter dem verstärkten Einsatz der Smart Meter allerdings ursprünglich gar nicht direkt die Jagd auf illegale Drogen. Vielmehr ist sie ein Nebeneffekt, den man gerne mitnimmt. Denn viele der illegalen Hanfplantagen speisen sich aus illegal angezapften Stromleitungen. Das führt zu einem erheblichen finanziellen Schaden für die Netzbetreiber, denen in den Niederlanden jährlich rund 200 Millionen Euro durch Stromdiebe verloren gehen – ein Großteil davon geht auf das Konto illegaler Hanfgärtner. Zudem führen die unsachgemäß angeschlossenen illegalen Abzweigungen oft zu Kurzschlüssen und stellen damit eine erhebliche Brandgefahr dar. »Durch die Indienststellung neuer digitaler Techniken und den klugen Gebrauch unseres Energienetzwerks erwarten wir 2016 neue Erfolge in der Bekämpfung von Energiediebstahl«, führt de Wit aus. Dadurch seien die Investitionen in die vernetzten smarten Messgeräte schnell wieder hereinzuholen.