CRN-Kopfnuss: Innovativ: Wer ist der deutsche Winkelvoss?

Die größten Business-Tölpel kommen aus den USA? Auch der deutsche IT-Markt ist reich an schlechten Ideen. CRN-Kopfnuss gedenkt der Schwulenhandys und Senioren-PCs.

Kein Glück mit dem Senioren-PC hatte die Firma Lintec (Foto Nyul)

Die Winkelvoss-Brüder Tyler und Cameron sind einem breiteren Publikum vor allem aus dem Spielfilm »The Social Network« bekannt. In der filmischen Nacherzählung der Facebook-Gründungsgeschichte sorgen die Zwillinge als Business-Tölpel für allerlei erheiternde Momente der Schadenfreude. Schon alleine weil sie über das Rudertraining völlig übersehen, dass der Nerd Mark Zuckerberg ihnen ihre Idee stiehlt. Ist diese Tatsache endlich begriffen, äußert ein Winkelvoss-Bruder im Film den schönen Drohsatz: »Ich bin ein Winkelvoss. Ich bin 190 Zentimeter groß und mich gibt es zweimal!«

In realiter haben sich die Winkelvoss-Zwillinge immerhin ein Vermögen von Zuckerberg erklagt, trotzdem werden sie in ihrer Heimat immer dann gerne als beispielhafte Witzfiguren ins Feld geführt, wenn es darum geht, tragikomische Tollpatschigkeit mit einem guten Ende für andere vorzuführen. Nun haben die Brüder einen neuen Vorstoß in die große Welt der Entrepreneurship unternommen: Sie investierten eine Million Dollar in ein Trader-Experten-Netzwerk. Wie soll es anders sein bei den Winkelvoss´ - die Sache hat den lustigen Haken, dass die Brüder wegen mangelnder Expertise selbst gar keinen Zutritt zum Portal bekommen, wie US-amerikanische Medien genüsslich berichten.

Schlechte Geschäftideen und Business-Tölpel finden sich natürlich auch in Deutschland zuhauf: Wer würde sich beispielsweise nicht gern an den »Senioren-PC« des sächsischen Fertigers Lintec erinnern? Der Hoffnungsträger des bereits wackligen Unternehmens wurde seinerzeit sogar vom Sächsischen Staat mit großen Summen gefördert. Nur: Die Senioren hatten keinen Bock auf ein Drei-Knopf-Produkt, das nach dem Motto »Ich bin 60 – Bitte helfen Sie mir ins Internet« konzipiert war. Pläne für weitere Hoffnungsträger, wie etwa den »Sachsen-PC« mit einer speziellen Dialekt-Tatstatur, wurden eilige auf Eis gelegt. Lintec war zahlungsunfähig.

Gelernt haben die IT-Tüftler aus diesem Fall wenig: Vermeintlich innovative Fremdschämprodukte vom »Schwulenhandy« bis hin zum Skinhead-Rechner tauchen immer wieder im Markt auf und verschwinden ebenso schnell wieder wie ihre marktschreierischen Anbieter. Vielleicht aber steckt gerade in solchen Versager-Geschichten der Stoff für eine große deutsche Filmkomödie aus dem Wirtschaftsleben? Wir könnten uns jedenfalls eine Verfilmung der Lintec-Firmengeschichte unter dem Titel »Das Sachsenwunder« gut vorstellen!