Kopfnuss: Total-Ausverkauf: Adressdaten auf der Resterampe

Schuldenbremse ist derzeit der wohl heißeste Anwärter auf das (Un)Wort des Jahres. Es gilt als Zauberformel schlechthin für klamme Staaten, Unternehmen und den gemeinen Kleinsparer ohnehin. Die drohende Pleite lässt sich damit allein jedoch nicht abwenden.

(c) detailblick - fotolia.com

Angesichts Euro-Krise und drohenden Staatspleiten in Südeuropa müssen alle den Gürtel enger schnallen. Wer bereits bis zum Hals in Schulden steckt, dem kann eine Schuldenbremse allerdings auch nicht mehr helfen. Das zeigt das Beispiel Griechenland. Die Aufforderung der Troika, Staatseigentum zu versilbern nützt wenig, wenn’s nur wenig zu verkaufen gibt und das wenige auch noch keiner haben will. Gut sind die dran, die noch Assets zu veräußern haben, wie der angeschlagene Blackberry-Hersteller Research-in-Motion (RIM). Nach eine Quartalsverlust von 518 Millionen Dollar und einem Kursturz der Aktie um 70 Prozent hat sich CEO Thorsten Heins gerade dazu durchgerungen, einen der beiden Firmenjets zu verkaufen – den Kleineren der beiden mit nur neun Sitzen. Damit dürfte RIM sich ein weiteres Quartal über Wasser halten können und für das nächste gibt’s dann ja noch den zweiten Jet.

Nokia hat leider keine Firmenjets zu veräußern. Der einstige Handy-Marktführer, dessen Aktien unaufhaltsam in Richtung Pennystocks rutschen, versucht deshalb seit geraumer Zeit, sich selbst zu verkaufen. Klappt aber irgendwie nicht. Google hat dummerweise schon bei Motorola zugeschlagen und Microsoft will auch nicht mehr so richtig. Bleibt als letzter Ausweg nur noch ein Total-Ausverkauf wie bei Kodak. Der insolvente Film- und Kamerahersteller versucht gerade, in einer Art Garagenflohmarkt sämtliche Patente meistbietend zu verscherbeln. Und selbst wenn gar keine Firmenwerte mehr übrig sind, gibt es immer noch die Möglichkeit, Dinge zu veräußern, die einem gar nicht gehören. Dieses Modell testen gerade die deutschen Einwohnermeldeämter in einem Pilotprojekt. Sie sollen künftig die Daten der Bürger an Adresshändler verscherbeln dürfen, um so den Staatssäckel zu füllen.

Ein Geschäftsmodell, das sich auch für notleidende Banken anbieten würde. Warum anderen das lukrative Geschäft mit Steursünder-DVDs überlassen, wenn man damit die eigenen Finanzen sanieren könnte. Leider müssen Banken aber weder Schuldenbremsen noch Ausverkaufen. Wenn die Schulden erst einmal eine gewisse Größenordnung erreicht haben, reicht ein Hilferuf an die Politik und schon steht der Banken-Rettungsschirm.