Landshuter Konsolidierung

Landshuter Konsolidierung Das Landratsamt Landshut in Niederbayern vereinheitlicht seine IT-Landschaft mit Microsoft-Produkten und erreicht dadurch bei den Folgekosten hohe Einsparungen.

Das Landratsamt Landshut setzt ganz auf Microsoft.

Wie bei vielen Organisationen der öffentlichen Verwaltung und der Privatwirtschaft hat sich auch beim Landratsamt Landshut über die Jahre eine heterogene IT-Landschaft entwickelt. An Betriebssystemen liefen Windows 2000, Novell Netware 4.1, Suse Linux 9 und das Unix-Derivat HP-UX 11.0. Vielfalt zeigte sich auch bei den Datenbank-Systemen. HP-UX beispielsweise lief auf einer HP 9000 und diente als Basis für die Oracle Database 8. Diese wurde wiederum für die Programme der Anstalt für kommunale Datenverarbeitung in Bayern (AKDB) benötigt, einem Anbieter von Software für Gemeinden. Die Windows-2000-Server führte das Landratsamt ein, da es mit dem kommunalen Informationssystem Komxpress arbeitet, das auf dem Datenbanksystem SQL Server 2000 von Microsoft aufsetzt. Hinzu kamen einige Rechner mit der Microsoft SQL Server Desktop Engine (MSDE), die für Anwendungen aus den Bereichen E-Learning und Archivierung benutzt wurden, sowie weitere Software, zum Beispiel das Open-Source-Datenbanksystem Firebird. Diese heterogene Struktur erforderte einen beträchtlichen administrativen Aufwand und viel Know-how. In der Abteilung von Bernhard Wiedemann, dem Leiter des Sachgebiets Informations- und Kommunikationswesen, arbeiten fünf Administratoren, die sich um die verschiedenen Server-Betriebssysteme und Datenbanken kümmern und auch um die etwa 280 Client-Rechner. »Wir hatten nur einen Administrator, der wusste, welche Befehle man auf der Konsole der HP 9000 eingeben muss«, erinnert sich Wiedemann. Zudem verursachten die verschiedenen Systeme hohe Kosten: Die Wartungskosten für die HP 9000 lagen bei etwa 12000 ­Euro im Jahr, hinzu kamen allein für Oracle 1500 Euro Lizenzkosten. Als dann Oracle für die Datenbankversion 8 keinen Support mehr leistete und auch der Unix-Server von HP die Grenze seiner Leistungsfähigkeit erreicht hatte, war ein günstiger Moment gekommen, die IT-Landschaft zu homogenisieren und die Server zu konsolidieren.

Homogene IT-Landschaft als Ziel »Seit Übernahme dieses Bereichs wollte ich die IT-Landschaft homogenisieren. Dann kann man bei dem notwendigen Know-how, das man mit einer begrenzten Mannschaft vorhalten muss, mehr in die Tiefe anstatt in die Breite gehen«, erzählt Wiedemann. Da die neue Umgebung auf einem einheitlichen Betriebssystem aufsetzen sollte, entschied sich das Landratsamt für Windows. »Allein mit Linux ist es nicht möglich, eine Umgebung wie unsere zu fahren. Für ­einige Fachanwendungen ist einfach Windows notwendige Voraussetzung«, erläutert Wiedemann. Als Dienstleister holte er den ­Microsoft-Partner Applied-Intelligence aus Gröbenzell bei München ins Boot. Bei Geschäftsführer Andreas Hecker fand er mit seinem Anliegen offene Türen: »Das Ziel, das ich habe, ist eine homogenisierte Welt, die unserem Kunden maximal nützt.«

Konsolidierung der Datenbanken Nachdem Hecker die vorhandene Infrastruktur im Landratsamt analysiert und mit Wiedemann die Zielvorgaben abgesteckt hatte, entwickelte er zusammen mit den Consultants seiner Firma eine Strategie, wie die Migration hin zu Microsoft-Produkten am besten bewältigt werden könnte. Der IT-Dienstleister empfahl den Umstieg auf das Betriebssystem Windows Server 2003, dann auch gleich ein Update auf das E-Mail-Programm Exchange Server 2005 und sodann die Migration der Datenbanken auf SQL Server 2005. Applied-Intelligence stellte zunächst die meisten Backend-Rechner auf eine Windows-Server-2003-­Domäne um. Im Zuge dessen musterten die IT-Fachleute dann auch die vorhandenen Novell- und Linux-­Server aus. Anschließend hatte die Migration der Daten von der Oracle- auf die ­Microsoft-Datenbank oberste Priorität, da in diesem Bereich die höchsten Kosten entstanden und sich dabei auch die MSDE-Datenbanken konsolidieren ließen. Außerdem wollte Wiedemann den Native Client einsetzen, mit dem sich eine Spiegelung des SQL Server realisieren lässt. Falls dann einmal ein Server ausfallen sollte, werden die Datenbankabfragen im laufenden Betrieb automatisch auf den zweiten umgeleitet, ohne dass sich die Mit­arbeiter neu anmelden müssen oder überhaupt etwas davon mitbekommen. Als Hardware-Basis hat das Landratsamt dazu einen Blade Server von HP und ein Storage Area Network (SAN) angeschafft, sodass sich im ­Falle eines Defekts an Server oder Festplatten das betreffende Bauteil schnell austauschen und reparieren lässt. Die Ausfallsicherheit wird dadurch entscheidend erhöht. Insgesamt waren zwei Leute des Dienstleisters zusammen mit Wiedemann etwa drei Wochen mit dieser Umstellung beschäftigt. Schwieriger und langwieriger gestaltete sich die Umstellung der AKDB-Verfahren von Oracle- auf Microsoft-Technologien: Diese Anwendungen liefen zwar unter Windows, benutzten aber beispielsweise Oracle-Datenbanktreiber. Daher musste bei diesen Programmen der Code geändert werden, wie Hecker erklärt. Diese Arbeit konnte nur die AKDB selbst erledigen. Die Behörde reagierte auf die entsprechende Anforderung des Landratsamts zunächst »sehr vorsichtig«, wie Wiedemann sich ausdrückt. Doch als sich auch einige andere Landratsämter und Städte, etwa die Gemeinde Passau, dem Wunsch nach Umstellung auf das Datenbanksystem SQL Server anschlossen, sei die AKDB engagiert zu Werke gegangen.

Enterprise Agreement Neben der höheren Ausfallsicherheit sieht Wiedemann die Vorteile der neuen Lösung vor allem bei den geringeren Kosten und der einfacheren Administrierbarkeit: »Wir sind fünf Administratoren, die alle mit dem SQL ­Server Management Studio umgehen können.« Die Kollegen können Datenbanken sichern, anlegen und so weiter. Das Know-how sei auf eine deutlich breitere Basis gestellt und die Administration dadurch erleichtert. Bei den Kosten rechnet er vor: Als die HP 9000 vor sechs Jahren gekauft wurde, habe sie 160000 Mark gekostet. »Wir hätten jetzt auf jeden Fall ­eine neue Maschine anschaffen müssen, da die bisherige an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit war. Heute habe ich für 70000 Euro ein Blade Center und ein SAN.« Die Investitionskosten in die Hardware sind also im Großen und Ganzen gleich geblieben, Vorteile ergeben sich jedoch durch eine Technik mit höherer Ausfallsicherheit und verringerten Wartungskosten. Auf der Software-Seite kann Wiedemann echte Einsparungen verzeichnen: Bei der Oracle-Datenbank entstanden jedes Jahr Extra-Kosten für die Lizenzpflege. Diese fallen jetzt weg, denn: »Wir hatten bereits den SQL Server 2000 im Einsatz und dafür mit Microsoft ein Enterprise Agreement abgeschlossen mit dem Recht, immer die neueste Version zu nutzen. Die Einsparungen bei den Folgekosten liegen dadurch bei etwa 60 bis 70 Prozent.« Als nächsten Schritt hin zu einer Homogenisierung der IT-Umgebung plant das Landratsamt Landshut den Umstieg von der bislang verwendeten Symantec Enterprise Firewall auf ­Microsoft ISA Server 2006 sowie die Einrichtung eines Microsoft Operations Manager (MOM) zur einfacheren Überwachung der Server-Landschaft. Außerdem sollen die Clients auf Windows XP migriert werden. Fernziel ist die Umstellung auf die nächste Betriebssystem-Generation Windows Server 2008, die Microsoft unter dem Code-Namen Longhorn entwickelt. Dazu noch einmal Bernhard Wiedemann: »Auch Longhorn wird wieder Features bieten, die wir in Zukunft brauchen werden. Warum soll ich mir ein zusätzliches Produkt von einem Fremdhersteller kaufen, wenn ich bei Microsoft dieses Feature im Betriebssystem habe?«

Roland Freist ist Journalist in München.