Die Deutschen und das Bargeld: Nur Bares ist Wahres

In skandinavischen Ländern ist die bargeldlose Welt schon fast Realität. Doch die Deutschen sträuben sich mit Händen und Füßen gegen die Abschaffung des Bargelds – die Zeit läuft gegen sie.

Wettlauf im Bereich digitaler Zahlverfahren

Touch-to-pay (Foto: Antonioguillem/fotolia)

Dass die Deutschen gleichwohl neue Zahlverfahren skeptisch beäugen, zeigt die ernüchternde Bilanz von Paydirekt. Mit dem Zahldienst wollten deutsche Banken dem US-Konkurrenten Paypal im boomenden Online-Handel entgegentreten. Nutzer können Rechnungen beim Einkauf im Netz direkt vom Konto begleichen, ohne Datenweitergabe an Dritte. Doch Paydirekt kommt nur langsam voran: Rund zwei Jahre nach dem Start zählt der Dienst 1,6 Millionen Kunden, während Paypal auf 19 Millionen kommt. Auch stehen Paydirekt-Kunden erst 20 Prozent der wichtigsten Online-Händler in Deutschland offen.

»Paydirekt ist ein typisches Beispiel dafür, dass Banken einem Markt hinterher rennen, der längst verteilt ist«, sagt Berater Barkow. Die Geldhäuser hätten den Aufstieg von Paypal unterschätzt und müssten nun viel Geld und Energie investieren, um hinterherzukommen.

Schon bald könnte indes ein mächtiger Konkurrent den Markt betreten. Apple will in Deutschland unbestätigten Berichten bald einen eigenen Zahldienst einführen. Damit könnten Verbraucher ihr Smartphone wie einen digitalen Geldbeutel nutzen, um mit hinterlegten Kontodaten im Geschäft, Taxi oder Internet zu zahlen. Es könnte ein Auslöser sein, um das Bargeld-Land Deutschland zu verändern

Kommentare (5) Alle Kommentare

Antwort von PC-Flüsterer Bremen , 21:03 Uhr

Nein, wir können auf Bargeld keinesfalls verzichten. Die US-Ladenkette mit dem pasenden Namen "Target" konnte durch die Sammlung und Auswertung der (bargeldlosen) Einkäufe einer Pubertären korrekt ermitteln, das sie schwanger war! Sie bekam dann Werbung für Babysachen, was den bis dato unwissenden Vater erzürnte. Und das waren nur die Einkäufe in diesem einen Laden. Der Kunde wird noch durchschaubarer und manipulierbarer, wenn man die Einkäufe in unterschiedlichen Läden und Branchen zusammenführt, wie es beispielsweise bei Payback geschieht. Nein, Bargeld muss bleiben, auch wenn die Lobby immer wieder versucht, uns Plastikgeld schön zu reden. Und wenn wir erst mal von Plastikgeld abhängig sind, werden sie uns mit Transaktionsgebühren schröpfen.

Antwort von Michael P. Klotz , 14:54 Uhr

Nachtigall, ich hör Dir trapsen: Ich bin weit weg davon, paranoid zu sein, aber machen wir uns bewusst: Schon jetzt sind wir beinahe gläsern - durch protokollierte Internetnutzung, FB, Whatts-App, usw. Durch einen komplett bargeldlosen Zahlungsverkehr wären wir es dann noch einen gehörigen Schritt mehr - abgesehen davon, dass viele daran verdienen würden - das will ich nicht, dazu habe ich keinen Volksvertreter legitimiert!!!

Und: Die Skandinavier (bzw. einige von ihnen, aber auch ihr Naturell) sind mir ansonsten grundsätzlich sympathisch, aber auch sympathische Menschen können irren…

Antwort von TKO , 13:32 Uhr

Ich sehe das Problem darin das jede Transaktion Gebühren kostet. Das gefällt sicherlich den Banken, StartUps, Kreditkartenunternehmen usw. aber nicht den Geschäften/Händlern deren Margen sowieso immer geringer werden.