Die Deutschen und das Bargeld: Nur Bares ist Wahres

In skandinavischen Ländern ist die bargeldlose Welt schon fast Realität. Doch die Deutschen sträuben sich mit Händen und Füßen gegen die Abschaffung des Bargelds – die Zeit läuft gegen sie.

Ohne Bargeld auf den Flohmarkt?

Ohne Bargeld auf den Flohmarkt? (Foto: Fseid/fotolia)

Auch das Sparschwein in den Kinderzimmern hat ausgedient, weil Taschengeld schon bei den Kleinsten aufs Konto überwiesen wird. Sogar auf dem Flohmarkt zahlen viele Schweden inzwischen bargeldlos - mit dem Smartphone. Einer aktuellen Deloitte-Studie zufolge zahlt fast jeder dritte Däne und etwa jeder vierte Schwede sogar im Laden mit dem Handy. Smartphone-Apps werden auch genutzt, um Freunden und Bekannten Geld zu überweisen oder Ebay-Einkäufe zu bezahlen.

»Die Dänen sind auf dem Weg zu einer bargeldlosen Gesellschaft schon weit«, sagt Deloittes Technologie-Experte Frederik Behnk. Dafür sorge unter anderem die Mobilepay-App der dänischen Bank. Das Land könne eins der ersten wirklich bargeldlosen Länder der Welt werden.

Technisch gesehen bräuchte auch in Deutschland kaum jemand Bargeld. In einigen Supermärkten können Verbraucher kontaktlos kleinere Beträge zahlen, indem sie ihre Kreditkarte ohne Pin oder Unterschrift an Terminals halten. Und junge Finanzfirmen bieten in Kooperation mit Banken an, Geld im Internet ohne Pin an Freunde zu verschicken.

Dass sich das bargeldlose Zahlen in der Breite noch nicht durchsetzt, liegt aber nicht nur an den Verbrauchern. Viele Restaurants oder Geschäfte akzeptieren nur Bargeld, und im Handel mangelt es oft an Terminals zum bargeldlosen Zahlen. So kommen hierzulande auf einen Geldautomaten 13 Terminals für bargeldloses Zahlen, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft. In Schweden sind es 91.

Kommentare (5) Alle Kommentare

Antwort von PC-Flüsterer Bremen , 21:03 Uhr

Nein, wir können auf Bargeld keinesfalls verzichten. Die US-Ladenkette mit dem pasenden Namen "Target" konnte durch die Sammlung und Auswertung der (bargeldlosen) Einkäufe einer Pubertären korrekt ermitteln, das sie schwanger war! Sie bekam dann Werbung für Babysachen, was den bis dato unwissenden Vater erzürnte. Und das waren nur die Einkäufe in diesem einen Laden. Der Kunde wird noch durchschaubarer und manipulierbarer, wenn man die Einkäufe in unterschiedlichen Läden und Branchen zusammenführt, wie es beispielsweise bei Payback geschieht. Nein, Bargeld muss bleiben, auch wenn die Lobby immer wieder versucht, uns Plastikgeld schön zu reden. Und wenn wir erst mal von Plastikgeld abhängig sind, werden sie uns mit Transaktionsgebühren schröpfen.

Antwort von Michael P. Klotz , 14:54 Uhr

Nachtigall, ich hör Dir trapsen: Ich bin weit weg davon, paranoid zu sein, aber machen wir uns bewusst: Schon jetzt sind wir beinahe gläsern - durch protokollierte Internetnutzung, FB, Whatts-App, usw. Durch einen komplett bargeldlosen Zahlungsverkehr wären wir es dann noch einen gehörigen Schritt mehr - abgesehen davon, dass viele daran verdienen würden - das will ich nicht, dazu habe ich keinen Volksvertreter legitimiert!!!

Und: Die Skandinavier (bzw. einige von ihnen, aber auch ihr Naturell) sind mir ansonsten grundsätzlich sympathisch, aber auch sympathische Menschen können irren…

Antwort von TKO , 13:32 Uhr

Ich sehe das Problem darin das jede Transaktion Gebühren kostet. Das gefällt sicherlich den Banken, StartUps, Kreditkartenunternehmen usw. aber nicht den Geschäften/Händlern deren Margen sowieso immer geringer werden.